ZÜRICH: Hardturm-Stadion: Nein hätte weit reichende Auswirkungen

Am 22. September stimmen die Stadtzürcher über ein neues Fussballstadion ab. Dem 216 Millionen Franken teurem Projekt weht ein rauer Wind entgegen.

Irene Infanger
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FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und GC-Präsident André Dosé weibelten an einem Marsch Anfang Monat in Zürich für ein Ja zum neuen Stadion. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und GC-Präsident André Dosé weibelten an einem Marsch Anfang Monat in Zürich für ein Ja zum neuen Stadion. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

2007 wurde das Zürcher Hardturm-Stadion der Stadt Zürich wegen seiner baulich schlechten Verhältnisse abgerissen. Seither spielen die beiden Fussballclubs der Stadt Zürich – der Grasshopper-Club Zürich und der FC Zürich – im Letzigrund, das eigentlich eine Leichtathletikanlage ist. Nun soll auf dem Hardturm-Areal ein neues Stadion mit insgesamt 19 000 Zuschauerplätzen gebaut werden. 216 Millionen Franken soll das Bauprojekt kosten.

Eine Wohnsiedlung dazu

Bestandteil dieser Abstimmungsvorlage für ein neues Stadion ist die Realisierung einer Wohnüberbauung. Dieses wird weitere Kosten von 103 Millionen Franken bedeuten. Die städtische Wohnsiedlung direkt neben dem geplanten Stadion beinhaltet insgesamt 154 Wohnungen im Minergie-P-eco-Standard, wovon 42 Wohnungen für kinderreiche Familien vorgesehen sind. Im Erdgeschoss sind zudem Gewerberäume geplant. Auch ein Kindergarten und ein Hort sollen in der Überbauung einen Platz finden. Das Besondere an der bevorstehenden Abstimmung vom 22. September ist, dass die beiden Projekte Stadionbau und Wohnsiedlung aneinandergekoppelt sind. Wird das neue Stadion von der Bevölkerung bachab geschickt, wird auch aus der Realisierung der Wohnsiedlung nichts, erklärt der Zürcher Stadtrat in seiner Abstimmungszeitung. Dies sei auf ein Rückkaufsrecht der Credit Suisse zurückzuführen. Die Bank hatte das Grundstück für 50 Millionen der Stadt Zürich überlassen, unter der Bedingung, dass sie dort bis 2035 ein Stadion baut.

«Abstimmungsfreiheit verletzt»

Dass aus den beiden Projekten am Ende nichts wird, ist nicht ganz abwegig. Denn gegen den 216 Millionen Franken teuren Bau des Stadions erhebt sich Widerstand. «Die Stimmbürger können ihren Willen auf dem Stimmzettel nicht korrekt ausdrücken und werden so in ihrer Abstimmungsfreiheit verletzt», kritisiert SP-Mitglied Nikolas Blumenthal gegenüber «tagesanzeiger.ch». Um die Siedlung zu ermöglichen, werde der Stimmbürger gezwungen, auch dem Stadion zuzustimmen. Und gerade dieses steht in der Kritik. Die Gegner monieren nämlich am Stadionprojekt, dass die beiden Fussballklubs sich finanziell zu wenig am Bau beteiligen. Das Stadion würde auf Kosten der Steuerzahler gebaut.

Zwei Stimmrechtsrekurse

Der 20-jährige Blumenthal hat deswegen beim Bezirksrat einen Stimmrechtsrekurs eingereicht. Er verlangt die Verschiebung der Abstimmung. Ein weiterer Rekurs wurde zudem vom parteilosen Toni Stadelmann eingereicht, der im April erfolglos für den Zürcher Stadtrat kandidierte. Sollte der Zürcher Bezirksrat einem dieser Rekurse Recht geben, müsste das Abstimmungsresultat für ungültig erklärt werden.

Die Abstimmung am 22. September findet aber auf jeden Fall statt. Ein Ja zum Hardturm-Stadion empfehlen die Stadtregierung, SP, SVP und CVP. Hingegen lehnen FDP, GLP und EVP den Stadionbau ab. Stimmfreigabe beschlossen die Grünen und die AL (Alternative Liste). FDP und SVP lehnen die Wohnsiedlung ab.

Stadionprojekte wecken Widerstand

Zug/Luzern inf. Auch in der Zentralschweiz haben in der Vergangenheit zwei Grossprojekte von Sportbauten die Stimmbürger beschäftigt. 250 Millionen Franken kostete der Bau des neuen Sportstadions inklusive umliegender Gebäude auf der Luzerner Allmend, das im September 2011 eröffnet wurde. Wie in Zürich umfasste das Stadionprojekt nicht nur eine Fussballarena, sondern weitere Bauten. So die beiden Hochhäuser, die gut 330 Wohnungen zählen, sowie ein Sportgebäude mit Schwimmbad, Fitnesscenter und einem Detailhandelsgeschäft. Das Luzerner Stimmvolk sagte zweimal Ja zum Bau dieses Grossprojekts, zur Zonenplanänderung und zum Bauprojekt selber. Zuletzt mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 54 Prozent. Gegen den Gestaltungsplan gingen ebenfalls Beschwerden ein, die aber aus nicht bekannten Gründen zurückgezogen wurden.

Alternative waren dagegen

Als erstes Minergie-Eisstadion der Schweiz ist die Bossard-Arena in Zug zu nennen. Im Februar 2008 stimmte die Bevölkerung Zugs mit 56 Prozent dem Projekt zu. Auch wenn das Projekt im Vorfeld vor allem wegen der Hochhäuser Gegenwind erhielt. Vor allem die Alternative der Stadt Zug wehrte sich gegen den Bau. Am 20. August 2010 konnte das Stadion feierlich eingeweiht werden. Das gut 61 Millionen Franken teure Projekt umfasst neben dem Eisstadion ein Aussenfeld und ein 18-geschossiges Hochhaus mit Wohn- und Gewerberäumen.