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ZÜRICH: Mehrheitsmacher liegt im Spital

Im Zürcher Stadtparlament spielt Mario Babini oft das Zünglein an der Waage. Weil der schillernde Politiker in Thailand schwer erkrankt ist, drohen die Bürgerlichen die Mehrheit zu verlieren.
Fabian Fellmann
Mario Babini posiert gern mit Zigarette. (Bild: Goran Basic/NZZ)

Mario Babini posiert gern mit Zigarette. (Bild: Goran Basic/NZZ)

Fabian Fellmann

Seit den Sommerferien fehlt ­Mario Babini im Zürcher Stadtparlament. Das fällt auf. Nicht nur weil der 60-Jährige, der gern mit Zigarette posiert, ein schillernder Politiker ist, dem der «Blick» den Übernamen «Messerfuchtler» verpasste.

Babini spielt auch oft das Zünglein an der Waage, vor allem in finanzpolitischen Fragen. Dann haben die Linken 62 Stimmen im Zürcher Gemeinderat, Mitte-rechts ebenfalls 62. Und dann ist da noch der Parteilose, der sich der CVP-Fraktion angeschlossen hat und gern mit den Bürgerlichen stimmt.

Doch Babini ist schwer erkrankt, während er seine Freundin und seine Tochter in Thailand besuchte. CVP-Fraktionschefin Karin Weyermann bestätigt, von den Angehörigen entsprechend informiert worden zu sein. ­Babinis Zustand ist kritisch, wie NZZ und «Tages-Anzeiger» gestern berichteten. Er war demnach vor fünf Wochen wegen Komplikationen in ein regionales Spital eingeliefert worden, wo eine Lungenentzündung ausbrach. Erst nach Wochen sei er in ein modernes Spital in der Hauptstadt Bangkok gebracht worden, wo er operiert wurde und auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzt wurde. Derzeit ist ungewiss, wann Babini zurückkehren kann.

Vorerst jedenfalls bleibt sein Sitz verwaist. Bürgerliche Politiker hoffen nun darauf, dass der Parteilose möglichst bald wieder gesund wird – und seinen Platz rasch wieder einnehmen kann, spätestens bei der Budgetdebatte im Dezember. Dann will die Mitte-rechts-Allianz aus SVP, FDP, CVP und Grünliberalen eine bürgerliche Finanzpolitik durch­setzen. Die Stadt Zürich sitzt zwar auf fast 1 Milliarde Franken Eigenkapital, doch plant die Stadtregierung für das nächste Jahr Mehrausgaben und ein Defizit. Zudem sind die Aussichten trüb, weil der Kanton im Zug der Steuervorlage 17 die Firmensteuern senken will. «Jede Stimme zählt, weil es so knapp ist», sagt Mauro Tueno, Nationalrat und Präsident der Stadtzürcher SVP. Im Fall eines Patts liegt der Stichentscheid in der Hand des Ratspräsidenten. Diese Ehre gebührt aktuell SP-Gemeinderat Peter Küng, womit diesmal die Linke das städtische Budget prägen könnte. Wie wichtig in dieser Situation Babinis Stimme wäre, zeigte sich vor zwei Jahren: Der Gemeinderat habe ein «Babini-Budget» verabschiedet, schrieb die NZZ.

Strafverfahren nach manischer Phase

Der heute parteilose Politiker machte 2014 kurz nach seiner Wahl auf der SVP-Liste national Schlagzeilen. Er wurde angezeigt, er habe angetrunken in einer Bar mit einem Messer ­herumgefuchtelt und Personen ­bedroht. Der als blitzgescheit bekannte Doktor der Wirtschaftswissenschaften sass daraufhin 101 Tage in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft hielt ihn zunächst für gefährlich und forderte auf der Basis eines psychia­trischen Gut­ach­tens eine stationäre Therapie, bekannt als kleine Verwahrung. Schliesslich aber zogen die Geschädigten ihre Anzeigen zurück, das Verfahren wurde eingestellt. Babini war vor dem Vorfall psychisch erkrankt und hatte an einer manischen Phase gelitten, in der Zwischenzeit war er laut Gutachten wieder gesund. Der Politiker verarbeitete seinen Gefängnisaufenthalt später in einem Büchlein mit dem Titel «101 Tage – mitten aus dem Leben gerissen». Kurz darauf geriet er jedoch erneut in die Schlag­zeilen, weil ihn die Polizei im Zürcher Langstrasse-Quartier mit 1,03 Promille Blutalkohol am Steuer seines Landrover erwischt hatte. Zudem besass der früher hochrangige Versicherungs- und Bank-Manager keine Haftpflichtversicherung.

Die Bar-Episode kostete den Stadtparlamentarier die Unterstützung seiner Partei, der SVP. Mit der Parteispitze hatte Babini schon zuvor Differenzen. Auf die Details will Mauro Tuena, der damalige Chef der SVP-Fraktion, nicht eingehen. «Er ist nicht ­zuverlässig», sagt er nur. Um seinem Parteiausschluss zuvorzukommen, trat Babini schliesslich selbst aus und schloss sich der CVP-Fraktion an. Diese will ihn bei den Parlamentswahlen im nächsten Frühling auf ihrer Liste kandidieren lassen.

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