ZÜRICH: Sepp Blatter schaffts: Er bleibt FIFA-Präsident

Der neue Präsident des Weltfussballverbands FIFA ist der Alte: Sepp Blatter (79) ist im Hallenstadion in Zürich für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden.

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Sepp Blatter darf sich freuen. Er kann seine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident antreten. (Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone via AP)

Sepp Blatter darf sich freuen. Er kann seine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident antreten. (Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone via AP)

Ein kleiner Denkzettel wurde FIFA-Präsident Joseph Blatter vom Kongress im Zürcher Hallenstadion aber doch verpasst. Der Walliser verfehlte im ersten Wahlgang die Zweidrittelmehrheit von 140 Stimmen knapp. Das war vor den Vorkommnissen am vergangenen Mittwoch noch undenkbar gewesen. Die Mehrheit im ersten Wahlgang war mit 133:73 Stimmen aber immerhin derart solide, dass Prinz Ali bin al-Hussein zu einem zweiten Wahlgang nicht mehr antrat. Um 19.20 Uhr stand fest: Joseph Blatter wird die FIFA vier weitere Jahre führen und mit 79 Jahren seine fünfte Amtszeit antreten Damit folgte die Mehrheit der Delegierten der Empfehlung Blatters, die er an die Adresse seiner Kritiker abgab: «Es braucht keine Revolution, es braucht die Evolution.»

Am Ende war Blatter , der bei den Wahlen 2007 und 2011 ohne Gegenkandidaten per Akklamation im Amt bestätigt worden war, also weit davon entfernt, abgewählt zu werden. Doch die letzten Tage hatten ihm deutlich zugesetzt. Sowohl bei seiner Eröffnungsrede am Morgen als auch bei seinem 15-minütigen Plädoyer unmittelbar vor der Wahl wirkte Blatter überaus angespannt. Das änderte sich bei seiner Dankesrede nach dem Sieg schlagartig. Jetzt war der Walliser wieder der lächelnde Charmeur. «Die FIFA der Zukunft muss Ihre Rolle spielen, die Rolle der Einheit», rief Blatter seinen jubelnden Wählern zu. Er vergass aber auch die «Verlierer» nicht. «Prinz Ali war ein guter Herausforderer. Aber jetzt bin ich weiterhin der Präsident. Der Präsident von euch allen.»

 

Für viele Beobachter mag Ali Blatter wenigstens eine kleine symbolische Niederlage zugefügt haben, indem er immerhin mehr als einen Drittel der Stimmen holte. Doch während der Plädoyers machte der von den grossen Verbänden Europas und von UEFA-Präsident Michel Platini portierte FIFA-Vizepräsident nicht den Eindruck, der bessere Präsident sein zu können als Blatter . Er redete von einer besseren FIFA, ohne allerdings aufzeigen zu können, wie er sich das genau vorgestellt hat. «Ich verspreche euch, dass ich mich nicht hinter euch verstecken werde, wenn die Dinge schlecht laufen», sagte er nur.

 

Blatter versprühte mehr Charisma - und ging mit dem netten Versprechen in die Offensive, für eine «schönere FIFA» zu sorgen. Dabei nahm er seine Wähler und die ganze Fussball-Familie ins Boot. Der weltgewandte Machtmensch aus den Walliser Bergen machte die gesamte Gemeinde zu seiner Verbündeten. «Ich kann das nicht alleine. Ich brauche dazu eure Hilfe.» Und seinen Gegnern nahm er mit einem simplen Wortspiel den Wind aus den Segeln. «Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen Evolution.» Schon da erhielt er von seinen Wählern warmen Applaus.

 

Blatter hielt in seiner Rede auch noch eine Innovation bereit. Unverzüglich wolle er eine neue Abteilung bilden, die sich dem Profifussball annehme. Dort sollen Aktive und Schiedsrichter Einsitz nehmen. Blatter mag vor allem der Präsident der kleinen Verbände und der vielen Millionen Amateurfussballer sowie der Entwicklungshelfer der armen Fussball-Länder sein, doch auch ihm ist klar: «Die WM steht im Zentrum.»

Zu Beginn des FIFA-Kongresses hatten verschiedene Gruppierungen für ihre Anliegen demonstriert. Während propalästinensische Demonstranten für den Ausschluss Israels aus dem Weltfussballverband warben, machte die Unia mit einem Flashmob auf die «katastrophalen Zustände» auf WM-Baustellen in Katar aufmerksam (siehe Link).

cv/rem/si

Blatters Gegenkandidat: Prinz Ali Bin al-Hussein (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Blatters Gegenkandidat: Prinz Ali Bin al-Hussein (Bild: Keystone / Walter Bieri)