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ZÜRICH: Sie sollen fern der Heimat Fuss fassen

Flüchtlinge sollen sich in der Schweiz schneller integrieren. Ein einjähriger Basislehrgang macht sie fit für den Arbeitsmarkt.
Eveline Rutz
Bundesrätin Simonetta Sommaruga und der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf besuchten im November 2012 den Riesco-Lejrgang in Emmenbrücke. (Bild Dominik Wunderli)

Bundesrätin Simonetta Sommaruga und der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf besuchten im November 2012 den Riesco-Lejrgang in Emmenbrücke. (Bild Dominik Wunderli)

Eveline Rutz

Weldegiorgis Netsereab und Weldehaymanot Habtu füllen schmutzige Gläser in die Spülmaschine. Sie räumen weg, was vom Mittagessen in der Senevita Residenz Nordlicht in Zürich-Oerlikon übrig geblieben ist. Die beiden Eritreer packen in der Restaurantküche an, wo es nötig ist. Am liebsten bereiten sie die kalten Speisen zu. «Ich habe schon mit 20 Jahren sehr gerne gekocht», sagt Netsereab, der seit 2009 in der Schweiz lebt und sich nicht fotografieren lassen möchte. Für seine Frau und seine beiden Buben kocht er oft Gerichte, die er am Arbeitsplatz kennen gelernt hat – so etwa Lasagne. Der 37-Jährige ist im Alterszentrum fest angestellt. Davor hat er den einjährigen Riesco-Lehrgang für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen absolviert.

Hiesige Werte und Normen

Der Basiskurs, der 2006 vom Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) lanciert worden ist, wird in den Bereichen Gastronomie sowie Gebäude- und Automobiltechnik angeboten. Er soll die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt erleichtern. Die Teilnehmer des Gastrokurses werden in Hauswirtschaft, Küche sowie Service theoretisch geschult; sie absolvieren aber auch zwei Praktika. Sie lernen zudem die hiesigen Normen und Werte kennen, erhalten Deutschunterricht und erfahren, wo Stellen ausgeschrieben sind und wie man eine Bewerbung verfasst.

«Ich lerne viel», sagt Habtu, der gerade das erste fünfwöchige Praktikum macht. Der 29-Jährige hofft, dereinst als Koch arbeiten zu können. Bis jetzt hat er keinen Beruf gelernt. In seiner Heimat wurde er nach der Schule in den Militärdienst eingezogen. Er desertierte nach zwei Jahren und flüchtete über Italien in die Schweiz. Seit 2006 versucht er, hier Fuss zu fassen. Es sei schwierig, Schweizer kennen zu lernen, sagt Habtu. Er und seine Frau treffen sich deshalb fast ausschliesslich mit Landsleuten. «Ihr habt nicht so grosse Familien wie wir und seid oft für Euch alleine», sagt auch Netsereab. Die Italiener seien den Eritreern da schon ähnlicher.

Erste Referenzen sammeln

Die beiden Mitarbeiter seien sehr motiviert und wollten beruflich weiterkommen, sagt Andrea Meyer, Leiterin Gastronomie. «Wir machen mit ihnen sehr gute Erfahrungen.» Auch in der Reinigung arbeitet ein Riesco-Absolvent, der den Betrieb bereits in einem Praktikum kennen gelernt hat.

«Wenn ihre Leistungen stimmen, haben die Teilnehmer gute Chancen, fest angestellt zu werden», sagt Heinz Gerig, Leiter Basisqualifikation bei Hotel & Gastro formation in Weggis. Dank der Praktika könnten sie bei der Stellensuche erste Arbeitszeugnisse vorweisen. Dass viele Absolventen damit Erfolg haben, beweist die hohe Vermittlungsquote. Sie liegt durchschnittlich bei etwa 85 Prozent. Die Gastrolehrgänge werden derzeit in Zürich und Emmenbrücke angeboten; die Kantone übernehmen die Kosten.

Netsereab, der in seiner Heimat als Schreiner und als Lehrer gearbeitet hat, ist froh, dass er unweit seiner Wohnung eine feste Anstellung gefunden hat. Manchmal fragt er sich aber, was ihm der Riesco-Kurs gebracht hat, hat er doch schon davor als Küchenhilfe gearbeitet. «Um abzuwaschen, braucht man keine Ausbildung.» Er fände es gut, wenn im Lehrgang weniger Bereiche, diese dafür intensiver vermittelt würden. «In so kurzer Zeit kann man nicht kochen lernen.»

Wer das einführende Jahr absolviert hat, kann sich allerdings weiterbilden und etwa eine Attestlehre zum Restaurantions- oder Küchenangestellten absolvieren. Gemäss Gerig liesse sich ein derartiger Lehrgang auch für andere Branchen erarbeiten: «Das Konzept lässt sich in jeder Berufssparte umsetzen.»

Inländerpotenzial besser nutzen

eru. Der Auftrag des Stimmvolkes vom 9. Februar 2014 ist klar: Staat und Wirtschaft müssen Arbeitskräfte vermehrt im Inland rekrutieren. Dazu zählen auch anerkannte Flüchtlinge sowie vorläufig Aufgenommene. Um deren Integration zu fördern, zahlt der Bund den Kantonen 6000 Franken pro Person. Die Stände bieten verschiedene Integrationsprogramme an. Dazu zählt unter anderem der Riesco-Lehrgang, der Zuwanderern den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert.

Tiefe Erwerbsquote

Die Erwerbsquote der anerkannten Flüchtlinge hängt von der Länge ihres Aufenthalts in der Schweiz ab. Bei jenen, die seit maximal fünf Jahren hier leben, beträgt sie im Schnitt 13,6 Prozent. Bei jenen, die bis zu sieben Jahre hier sind, liegt sie bei 36,8 Prozent.

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