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ZÜRICH: Zürcher Modell misst Fachkräftemangel nach Berufen

Durch die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative droht sich der Fachkräftemangel zu verschärfen. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich hat daher einen Indikator entwickelt, der die Intensität des Fachkräftemangels misst - und zwar nicht in Branchen sondern bei Berufen.
Fachkräftemangel soll bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative nach dem Zürcher Modell gemessen werden. Im Symbolbild: Chirurgen bei der Arbeit. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Fachkräftemangel soll bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative nach dem Zürcher Modell gemessen werden. Im Symbolbild: Chirurgen bei der Arbeit. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die staatspolitische Kommission des Nationalrats hat sich in der vergangenen Woche auf einen Kompromiss bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative geeinigt. Die Mehrheit sprach sich dabei für einen sanften Inländervorrang unter Verzicht auf Kontingente und Höchstzahlen aus. Das Parlament berät den Vorschlag in der Herbstsession.

Wie dieser Inländervorrang ausgestaltet ist, sei von besonderer Bedeutung, sagte Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV), am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Der SAV unterstützt das Zürcher Berufsgruppenmodell, das den sanften Inländervorrang an Berufe und nicht an Branchen knüpft, Verwerfungen regional feststellt sowie zeitlich befristete Massnahmen zulässt.

«Massgeschneidertes Modell»

Das Zürcher Berufsgruppenmodell misst bei 97 Berufen und in acht Berufsgruppen, wie gross der Mangel ist und in einem zweiten Schritt, wie wichtig ausländische Erwerbstätige für die Besetzung von Stellen sind. Die Berechnung stützt sich auf vier Variablen: Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung, das Verhältnis von offenen Stellen zu Stellensuchenden, die Dauer der Stellenausschreibung sowie die Dauer der Stellensuche.

Damit kann die Intensität des Fachkräftemangels in verschiedenen Berufen berechnet werden. Ein hoher Wert bedeutet überdurchschnittlichen Mangel, ein niedriger beziehungsweise negativer Wert kennzeichnet Berufe mit geringem Mangel.

Diese Modell sei wie massgeschneidert für die Baubranche, sagte Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV). So gebe es je nach Berufsgruppe sehr unterschiedliche Verhältnisse. Bei Ingenieuren und Bauführern sei der Arbeitsmarkt stark ausgetrocknet, bei tiefer qualifizierten Mitarbeitern bestehe jedoch durchaus noch Potenzial für die Anstellung von Inländern.

Ausserdem gebe es grosse regionale Unterschiede, sagte Lardi. Während im Tessin viele Bauarbeiter aus Italien in die Schweiz drängten, spüre man von einer solchen Bewegung in der Zentralschweiz nichts.

Massnahmen ausserhalb des Arbeitsmarkts nötig

Zuwanderung erfolgt jedoch nicht nur zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Um eine substanzielle Reduktion zu erreichen, seien auch Massnahmen ausserhalb des Arbeitsmarkts notwendig, etwa im Bereich des Familiennachzugs, betonte Vogt.

Der Kanton Zürich wolle nicht Stellung beziehen zu auf Bundesebene diskutierten Umsetzungsvarianten der Masseneinwanderungsinitiative, betonte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). Das Berufsgruppenmodell könne sowohl bei einem strengeren als auch einem weniger strengen Inländervorrang zur Anwendung kommen.

Gewerkschaft «sehr befremdet»

Sehr befremdet über die gemeinsame Medienkonferenz von Zürcher Volkwirtschaftsdirektion und Schweizerischem Arbeitgeberverband zeigte sich der Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich (GBKZ).

Es sei nicht unbedingt neu, dass sich das Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit zum Sprachrohr der Arbeitgeber mache. Eine gemeinsame Medienmitteilung mit dem Arbeitgeberverband über die Kommunikationsabteilung des Regierungsrats zu veröffentlichen, lasse sich an Dreistigkeit jedoch kaum noch überbieten, wird GBKZ-Präsident Markus Bischoff in einer Stellungnahme zitiert.

Es werde erwartet, dass Gewerkschaften und Berufsverbände von der Volkswirtschaftsdirektion ebenso konsultiert würden, wie dies bei den Arbeitgebern üblich sei. Die staatliche Neutralität sei ein Grundprinzip der Sozialpartnerschaft.

sda

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