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Interview

Zürichs Ex-Stapi Elmar Ledergerber: «Netto Null kann man zwar fordern. Das ist aber Schaumschlägerei»

Er schrieb 1979 das Buch «Wege aus der Energiefalle». Und Elmar Ledergerber (75) verfasste auch das Energieprogramm, das die SP am Parteitag von 1976 verabschiedete. Der Alt Nationalrat und Stapi von Zürich blickt auf die SP-Klimapolitik zurück.
Othmar von Matt
«Es braucht eine Lenkungsabgabe auf fossile Energieträger»: Elmar Ledergerber (75), Zürcher Alt-Stadtpräsident. (Bild: Keystone)

«Es braucht eine Lenkungsabgabe auf fossile Energieträger»: Elmar Ledergerber (75), Zürcher Alt-Stadtpräsident. (Bild: Keystone)

Es war Helmut Hubacher, der als Präsident (1975 bis 1990) die Umweltfrage in die SP integrierte. Dabei spielte Elmar Ledergerber eine zentrale Rolle, Nationalrat und Zürcher Stadtpräsident. Der Doktor der Ökonomie schrieb die Dissertation «Wege aus der Energiefalle» und das Energieprogramm der SP für den Parteitag 1976.

Sie schrieben 1979 das Buch «Wege aus der Energiefalle» zu Ihrer Dissertation. Was war die zentrale Erkenntnis?

Elmar Ledergerber: Das Buch war ein Gegenprojekt zur Energiegesamtkonzeption des Bundes unter dem Präsidium von Michael Kohn. Kohn war Verwaltungsratspräsident des AKW Kaiseraugst und sollte prüfen, ob es Kaiseraugst braucht. Ein ziemlicher Skandal. Ich zeigte in meiner Dissertation: Es ist möglich, in 50 Jahren aus der Kernenergie auszusteigen und den CO2-Ausstoss ganz massiv zu reduzieren. Wenn man die Energieeffizienz verbessert und alternative, regenerierbare Energieträger aufbaut.

Wo steht die Schweiz heute?

Nach 1979 kam es zu mehreren Erdölkrisen und zu einer weltweiten Rezession. Die Schweiz hatte eine Rezession bis nach den 1990er Jahren. Umweltthemen traten in den Hintergrund. Im neuen Jahrtausend nahm man das Thema wieder auf, war 2005 wieder so weit wie 1975.

Welchen Weg ging die SP in diesen Jahrzehnten?

Die SP hatte immer Verständnis und Offenheit für diese Fragen. Ich trat 1973 in die SP ein. Schon für die Wahlen von 1975 konnte ich im Wahlprogramm der SP des Kantons Zürich die Teile über Energie und Umwelt schreiben. 1976 gab sich die SP Schweiz am Parteitag Basel ein Energie-Programm, das ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe schrieb. Es ist noch heute gültig.

Was machte die SP falsch, dass ihre Verdienste heute nicht gewürdigt werden?

In den 1980er und 1990er Jahren hatten wir wirtschaftliche Probleme. Da stand soziale Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Sicherheit der Renten im Vordergrund. Die SP wurde nicht mehr als Umweltpartei wahrgenommen. Jetzt ist das Thema wieder aktuell. Und ich bin froh, wenn es eine breite Koalition gibt, die es weiterstösst.

Aus GLP-Kreisen heisst es: Die SP sei selbst schuld daran, dass sie nicht als Umweltpartei wahrgenommen werde. Sie betreibe zu stark linke Machtpolitik.

Die GLP verfolgt zwar grüne Themen, betreibt daneben aber eine sehr wirtschaftsliberale und finanzpolitisch sogar rechte Politik. Natürlich hat die SP in der Stadt Zürich eine machtvolle Position. Links-Grün unter Führung der SP setzte dort die Energiewende um, lange bevor der Bund kam.

Sprachen Sie in Ihrem Buch auch von netto Null?

Nein. Netto Null kann man zwar fordern. Das ist aber Schaumschlägerei. Eine unseriöse Forderung. Sie ist nicht machbar.

Was ist realistisch?

Die Energiewende politisch umzusetzen, die man in der Schweiz beschlossen hat. Dafür braucht es eine Lenkungsabgabe auf fossile Energieträger, stärkere Vorschriften und eine Verschärfung der Effizienzvorgaben.

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