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Warum in Graubünden fast jeder fünfte Asylsuchende arbeitet und in anderen Kantonen kaum einer

Bei der beruflichen Integration von Asylsuchenden in der Schweiz gibt es grosse kantonale Unterschiede. Eine Studie zeigt nun: Je offener ein Arbeitsmarkt ist,
desto eher finden Flüchtlinge eine Arbeit.
Anna Wanner
Asylsuchende, die arbeiten, entlasten die Staatskassen. Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 13. Juni 2016)

Asylsuchende, die arbeiten, entlasten die Staatskassen.
Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 13. Juni 2016)

Während Europa sich über eine Stärkung der Aussengrenzen streitet, treibt die hiesigen Behörden weniger die Zahl der neu angekommenen Asylsuchenden um. Sie befassen sich vielmehr mit der Integration von Personen, die in der Schweiz bereits Asyl beantragt haben.

Die Kantone haben längst erkannt, dass es sich lohnt, Asyl­bewerber zu integrieren. Einzelne Kantone wie Graubünden vermitteln diesen seit Jahren möglichst schnell eine Arbeit, um die staatlichen Finanzen zu entlasten, wie Markus Haltiner, Vizedirektor des Amts für Migration, sagt. «Die Selbstständigkeit löst die staatlichen Fürsorgegelder ab.»

Tourismus ermöglicht leichteren Einstieg

Eine Studie der Universität Basel zeigt nun, wie unterschiedlich die Chancen auf eine Integration in den Arbeitsmarkt sind – gerade bei Personen, die sich im Asylprozess befinden. Während in Graubünden im April 17,4 Prozent der Asylsuchenden einer Arbeit nachgingen, war es in Glarus, Jura, Nidwalden und Uri kein einziger. Die Studienautoren verglichen die Modelle und kamen zum Schluss, dass der Erfolg der beruflichen Integration massgeblich davon abhängt, wie die Kantone den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende regeln. In offenen Kantonen steigt die Erwerbsquote um durchschnittlich elf Prozentpunkte.

Zwar hat der Zustand der kantonalen Wirtschaft ebenfalls einen Einfluss: Eine hohe Arbeitslosigkeit erschwert den Einstieg ins Erwerbsleben. Zudem zeigt sich, dass gewisse Sektoren wie der Tourismus einen niederschwelligen Einstieg ins Arbeitsleben bieten. So ist die Arbeitsmarktpartizipation von Asylsuchenden nirgends so hoch wie in Graubünden. In der Studie wurden andere Faktoren untersucht, aber die meisten wieder verworfen. Die Herkunft der Asylsuchenden und die sprachliche Nähe trägt zusätzlich zum Integrationserfolg bei. Nur: «Entscheidend ist, ob ein Asylsuchender ohne grossen Aufwand eine Arbeitsbewilligung erhält», sagt Studienautor Alois Stutzer. Für Asylsuchende mit breitem Netzwerk vereinfacht sich die Stellensuche, das zeigt sich bei Personen aus Sri Lanka. Wenn dieses nicht besteht und gleichzeitig die Sprache sich stark von Deutsch, Italienisch oder Französisch unterscheidet, sei es einem Asylsuchenden kaum möglich, eine Arbeit zu erhalten, selbst wenn der Arbeitsmarktzugang sehr offen ist, sagt Alois Stutzer. Deshalb sei es durchaus sinnvoll, die Asylsuchenden entsprechend auszubilden.Da der Bund die Asylsuchenden nach Zufallsprinzip auf die Kantone verteilt, ist es auch zufällig, ob eine Person im Asylprozess eine Chance hat, zügig eine Arbeit aufzunehmen. Doch wieso handhaben die Kantone den Zugang so unterschiedlich?

Eine Frage der Priorität

Grundsätzlich besteht eine gewisse Sorge, dass gute Asylbedingungen weitere Flüchtlinge anziehen. Doch ist es letztlich eine Frage der Prioritäten. Während etwa die Hälfte der Kantone den Asylsuchenden nur Arbeitsbewilligungen für Sektoren mit geringer Arbeitslosigkeit ausstellt, orientieren sich andere wie der Aargau und Baselland stark am Willen des Gesetzgebers: Die Integration soll erst erfolgen, wenn ein positiver Asylentscheid vorhanden ist – oder wenn ein Bewerber langfristig in der Schweiz bleiben wird. «Der Kanton Baselland verfährt bei der Integration von Asylsuchenden in der Anfangsphase sehr restriktiv, da deren Verbleib in der Schweiz noch nicht gesichert ist und auch weil der Bund eine vorzeitige Integration untersagt», sagt Rolf Rossi, Abteilungsleiter der Koordinationsstelle für Asylbewerber. Tatsächlich gilt in den ersten drei Monaten ein Arbeitsverbot. Das Migrationsamt Graubünden nutzt diese Zeit bereits, um die Asylsuchenden auf Selbstständigkeit vorzubereiten, indem es hilft, Jobs zu vermitteln. «Für uns hat sich das System hervorragend bewährt», sagt Markus Haltiner. Baselland habe hingegen bewusst entschieden, der Integration von Asylsuchenden eine tiefere Priorität zuzuweisen, sagt Rolf Rossi. Gefördert wird die Integration von jenen Personen im Asylprozess, die längerfristig bleiben. Das Engagement widerspiegelt sich in der Erwerbsquote von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen: Sie liegt in den Kantonen Aargau, Baselland, ­Zürich und Solothurn um die 30 Prozent. Deutlich höher ist sie nur in Kantonen, die Efforts schon früher starteten – etwa in Graubünden oder Obwalden.

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