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Zug-Chaos am Gotthard: SBB geben «ungenügende Planung» zu — nun geloben sie Verbesserung

Trotz Herbstferienstart keine Zusatzzüge: Passagiere mussten am vergangenen Wochenende aus übervollen Zügen Richtung Süden aussteigen. Selbst das SBB-Personal wettert gegen seine Chefs. Der Gotthard-Zoff in 3 Punkten erklärt.
Adrian Müller / watson.ch
Die SBB mussten Passagiere bei Herbstferienbeginn aus überfüllten Zügen am Gotthard weisen. (Bild: Keystone)

Die SBB mussten Passagiere bei Herbstferienbeginn aus überfüllten Zügen am Gotthard weisen. (Bild: Keystone)

Was ist passiert?

Vergangenes Wochenende waren auf der Gotthard-Route mehrere Züge richtig voll. Dermassen voll, dass Passagiere aussteigen mussten, damit die Kompositionen überhaupt durch den Gotthard-Basistunnel (GBT) fahren durften. Dies ist an Spitzentagen seit der Eröffnung im Dezember 2016 mehrmals vorgekommen.

Die überfüllten Züge bringen nicht nur Passagiere, sondern auch die SBB-Mitarbeiter an ihre Grenzen:

«Die SBB-Leitung hat vom Personal schon unzählige Meldungen über die unerträgliche Situation am Gotthard erhalten. Kundschaft und Personal werden nicht ernst genommen».

Das schreibt die Gewerkschaft SEV am Donnerstag in einer geharnischten Mitteilung.

Warum ist das SBB-Personal dermassen sauer?

Letzten Donnerstag trafen sich Vertreter des Zugpersonals mit SBB-Chefs, um das Problem der überfüllten Züge anzugehen. Die SBB-Angestellten forderten unter anderem Zusatzzüge, wenn mit grossem Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. So wie eben letztes Wochenende, als wegen des Herbstferienbeginns in vielen Kantonen und des schönen Wetters im Tessin Tausende in den Süden reisten.

Nur zwei Tage später brach auf der Gotthard-Strecke das oben erwähnte Chaos aus. Was stutzig macht: Die SBB setzten trotz Ferienbeginn keinen einzigen Zusatzzug ein, wie die SBB auf Anfrage von watson bestätigen. Bloss an einzelnen Zügen wurden zusätzliche Wagen angehängt. «Unsere Planung war ungenügend und berücksichtigte das schöne Wetter im Süden nicht. Wir haben das grosse Passagieraufkommen unterschätzt», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi.

Für SEV-Sekretär Angelo Stroppini ist dies keine akzeptable Erklärung: «Sich gegenüber den Kunden und dem Personal bloss zu entschuldigen ist heute nicht mehr glaubwürdig und wird allmählich peinlich.» Statt Reorganisation an Reorganisation zu reihen, sollten sich die SBB-Verantwortlichen endlich wieder um das operative Geschäft kümmern. «Es braucht endlich mehr Personal, um solche Spitzen abdecken zu können.

SBB-Sprecher Pallecchi sagt dazu: Die personellen Engpässe bei den Lokführern seien mit ein Grund gewesen, warum keine Extrazüge eingesetzt worden seien.

Gibt es jetzt mehr Züge in den Süden?

Für das kommende Wochenende geloben die SBB Besserung: Es seien Zusatzzüge Richtung Süden eingeplant. So oder so empfiehlt der SBB-Sprecher den Reisenden ausdrücklich, an Spitzentagen zur Hauptreisezeit morgens und abends einen Sitzplatz zu reservieren. Bei einer Reservation für den Speisewagen könne man die Gebühr von fünf Franken bei einer Konsumation anrechnen lassen.

Der Grossandrang sei auch eine Folge des veränderten Reiseverhaltens wegen des Gotthard-Basistunnels. «Immer mehr Kunden machen heute spontan einen Tagesausflug ins Tessin und fahren in zwei Stunden an die Sonne», so Pallecchi.

Entlastung auf der Nord-Süd-Achse soll die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels bringen. Ab 2020 könnten auf der Gotthard-Route Doppelstockzüge eingesetzt werden.

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