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«Zum Chotzä», «huerä Drecksplatz»: Swiss-Pilot tickt am Flughafen Zürich über Funk völlig aus

Für einen Swiss-Piloten wurde das ständige Warten auf die Starterlaubnis kürzlich zu viel. Er verlor im Gespräch mit einer Fluglotsin die Nerven und wurde ausfällig. Der Ausraster ist symptomatisch für ein grundsätzliches Problem.
Benjamin Weinmann/ch media

Letzten Sonntag, Flug LX2156 von Zürich nach Palma de Mallorca. Es ist 12.16 Uhr und noch immer steht die Maschine am Gate. Dabei hätte sie gemäss Flugplan um 12.05 Uhr bereits abheben sollen. Doch am Mittag herrscht besonders viel Verkehr. Für den Piloten zu viel des Guten.

«What the hell is happening here?»

Was zur Hölle hier los sei, schnauzt er die Fluglotsin auf Englisch an – auf der Funkfrequenz, auf der alle anderen Piloten in Zürich mithören und die online archiviert ist.

«Ich weiss es nicht»

... antwortet die Lotsin ebenfalls auf Englisch, der offiziellen Aviatik-Funksprache.

«Ich nehme an, Ihre Firma macht irgendetwas mit dem Flugplan. Aktuell ist Ihr Slot von 12.57 bis 13.12 Uhr.»

Das würde heissen, die Swiss-Maschine würde mit rund einer Stunde Verspätung starten. Für den Piloten des Guten zu viel, er wechselt vom Englischen ins Schweizerdeutsche, verliert jegliche Contenance:

«Es isch e Katastrophä. Mir händ foif Slots, mir sind immer parat, und entweder bringt ois dä Flughafä nöd usä. Es isch eifach wieder mal zum Chotzä da z’Züri. Echt! Ich ha d Schnauzä voll vo däm huerä Drecksplatz, tschuldigung.»

Die Controllerin bleibt cool:

«Sehr professionell.»

Der Pilot nicht:

«Ja ihr au! Ich bin ready now for 30 minutes. 30 Minutä simmer parat und dä Slot wird permanent umägschobä. Wenn mir parat sind, staht einä hinä drah. Mä chunt eifach nie wäg vo däm Platz, obwohl mä parat isch. Das isch au sehr professionell, dankä!»

Die Fluglotsin klemmt die Diskussion darauf ab und rät dem Piloten, falls er ein Diskussionsbedürfnis habe, doch besser anzurufen statt die öffentliche Funkfrequenz dafür zu benutzen. Schliesslich startet der Airbus A321-Maschine um 12.47 Uhr und landet auf Mallorca mit einer Verspätung von 30 Minuten.

Gespräch mit Vorgesetzten

Die Swiss nimmt ihren Piloten teilweise in Schutz: «Die Verärgerung über die Verspätungssituation ist nachvollziehbar und dass er sie zum Ausdruck gebracht hat, menschlich», sagt eine Sprecherin. Der Ausraster zeige, dass der Mitarbeitende an einem pünktlichen Flug interessiert gewesen sei, um das Beste für die Passagiere an Bord zu erreichen, so wie es von einem Flugkapitän erwartet wird. Zudem sei die Beschwerde nicht gegen die Person im Kontrollturm gerichtet gewesen, «sondern Ausdruck von Ärger übers Gesamtsystem». Aber:

«Der Kanal und die Wortwahl für seine Beschwerde waren nicht angebracht.»

Dafür stünden dem fliegenden Personal jederzeit andere interne Kanäle zur Verfügung. Die Swiss-Sprecherin betont, dass es sich um einen Einzelfall handle und die Zusammenarbeit mit den Flugsicherungsbehörden generell sehr gut sei.

Fein raus ist der polternde Pilot aber noch nicht. Die Swiss-Sprecherin sagt:

«Der Vorgesetzte wird Kontakt mit dem Piloten aufnehmen und den Vorfall besprechen. Weiter äussern wir uns nicht öffentlich.»

Die Frage, ob ein derart emotional aufgewühlter Pilot kurze Zeit später flugtauglich ist, stellt sich für die Swiss nicht: Sein Ärger habe keinen Einfluss auf seine fliegerische Leistungsfähigkeit gehabt.

Auch wer im konkreten Fall die Slots verschoben hat und somit für die Verspätung verantwortlich war, wird von der Swiss nicht geklärt. Die Steuerung der Kapazitäten sei jeweils ein komplexes Zusammenspiel zwischen der Swiss, dem Flughafen Zürich sowie den Flugsicherungsbehörden, der Schweizer Skyguide und der Eurocontrol in Brüssel.

Flughafen Zürich will mehr Slots

So unangebracht der Ausraster des Swiss-Piloten ist, er ist ein Symptom für das chronische Problem am Zürcher Landesflughafen. Immer mehr Flugzeuge starten und landen in Kloten, die Kapazitäten werden immer kleiner, das System stösst an seine Grenzen. Swiss-Chef Thomas Klühr wird denn auch nicht müde zu betonen, dass jede vierte seiner Maschinen mit einer Verspätung von mindestens 15 Minuten startet. Ein Wert, den die Swiss seit längerem versucht zu verbessern – ohne allzu viel Erfolg und mit negativen finanziellen Folgen.

So wehrte sich die Swiss zuletzt gar gegen eine Ausweitung der Slot-Kapazitäten am frühen Morgen per Sommerflugplan 2019. Doch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) entsprach den Wünschen des Flughafens Zürich und erlaubte ihm, die Zahl der Starts zwischen 5.45 und 7 Uhr an Wochentagen um vier Flüge zu erhöhen. Hinzu kommen weitere Slots am Wochenende und zwischen 21 und 22 Uhr.

Allerdings dürfte es der Swiss bei ihrem Vorbehalt auch darum gehen, ihre Stellung in Zürich gegenüber der Konkurrenz zu sichern.

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