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ZUWANDERUNG: Im «Ländle» entscheidet das Los

Liechtenstein deckelt die Zuwanderung mit Kontingenten – trotz Personenfreizügigkeit. Für eine Aufenthaltsbewilligung braucht es Glück.
Kari Kälin
Der Hauptort des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, mit seinen rund 5500 Einwohnern. Wer hier leben will, braucht Losglück. (Bild: Getty/Adrian Moser)

Der Hauptort des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, mit seinen rund 5500 Einwohnern. Wer hier leben will, braucht Losglück. (Bild: Getty/Adrian Moser)

Kari Kälin

Im Jackpot finden sich Wohnsitze fürs Fürstentum Liechtenstein. Anwesend sind der Amtsleiter, ein Richter, ein Jurist, der Protokollführer und eine Glücksfee, manchmal ein Kind eines Staatsangestellten. Dann werden die Dossiers in einer Box gemischt, die Gewinner gezogen.

100 Franken Teilnahmegebühr

Willkommen im Büro des Ausländer- und Passamtes im Hauptort Vaduz. Jedes Jahr werden dort 36 Aufenthaltsbewilligungen verteilt, 28 für erwerbstätige, 8 für nichterwerbstätige EU-Bürger. Die Teilnahme am Wettbewerb kostet 100 Franken. Wer über einen tadellosen Leumund, als Werktätiger einen unbefristeten Arbeitsvertrag und als Nichtwerktätiger über genügend Geld verfügt, um für sich selber zu sorgen, darf sein Glück versuchen.

Jedes Jahr buhlen rund 250 bis 400 Werktätige quer durch alle Berufsgattungen um eine Aufenthaltsbewilligung. Deren 18 hat Liechtenstein in einer ersten Verlosung im Frühling vergeben, die nächsten 18 Gewinner werden am 11. November ermittelt. Noch während des ganzen Monats August können EU-Bürger ihre Unterlagen einreichen, wie das Ausländeramt kürzlich mitteilte.

Pro Jahr vergibt die Regierung mindestens 36 weitere Aufenthaltsbewilligungen ohne Losverfahren. Dabei werden vor allem hoch qualifizierte Fachkräfte rekrutiert. «Entscheidend ist der volkswirtschaftliche Nutzen für Liechtenstein», sagt Mario Konzett, Leiter des Ausländer- und Passamtes.

Liechtenstein ist 1995 dem EWR beigetreten, fünf Jahre später trat der Vertrag über die Personenfreizügigkeit und damit das Auslosungsverfahren in Kraft. Dieses sorgt für Chancengleichheit. Das «Ländle» mit seinen gut 37 000 Einwohnern ist der einzige Staat, welcher Brüssel Kontingente abringen konnte. Liechtenstein argumentierte mit seiner Kleinräumigkeit. Das Fürstentum will, dass nicht mehr als rund ein Drittel Ausländer auf seinem Territorium wohnen (2014 waren es 33,7 Prozent). Auch für die Schweiz gelten Höchstzahlen. Jährlich gewährt Vaduz 17 Schweizern eine Aufenthaltsbewilligung.

Eine Zuwanderungsbremse trotz Personenfreizügigkeit? Solch eine Lösung strebt auch die Schweiz an. Bern will die Masseneinwanderungsinitiative (MEI) umsetzen, ohne die bilateralen Verträge zu gefährden. Der Bundesrat setzt indes nicht auf eine Auslosung, sondern auf eine Schutzklausel. Bloss: Mit dieser Variante beisst er in Brüssel bis jetzt auf Granit – und steht immer stärker unter Zeitdruck. Bis Februar 2017 muss die MEI umgesetzt sein.

Vaduz verfolgt den Zuwanderungspoker zwischen Bern und Brüssel gebannt. In Liechtenstein hegt niemand heimlich Schadenfreude, dass die Schweiz bis jetzt nicht wie das Fürstentum mit der EU Sonderregeln aushandeln konnte. Für den Kleinstaat ist die Personenfreizügigkeit zwischen der EU und der Eidgenossenschaft ein Segen. Viele EU-Bürger liessen sich bis jetzt in der Schweiz nieder und pendelten danach zur Arbeit ins Fürstentum. «Scheitern die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU, wird es für uns schwieriger, Fachkräfte zu rekrutieren», sagt Konzett.

Mehr Pendler als Einheimische

Liechtensteins Wirtschaft ist auf Pendler angewiesen. 18 000 Personen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland strömen täglich ins Fürstentum. Das sind mehr als die 16 800 Einheimischen, die im Kleinstaat arbeiten.

Eine lockerere Zuwanderungspolitik steht derzeit nicht auf der politischen Agenda. «Wenn auf einmal Tausende Menschen mehr in Liechtenstein lebten, könnten wir die dafür nötige Infrastruktur nicht stemmen», sagt Mario Konzett.

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