Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZUWANDERUNG: Visilab-Chef schlägt Alarm

SVP und Arbeitgeber werfen sich gegenseitig vor, dem Wirtschaftsstandort Schweiz zu schaden. Diese Scharmützel haben einen Westschweizer Patron jetzt aufgeschreckt.
Denis Lachat
Visilab-Chef Daniel Mori. (Bild: Key/Christian Brun)

Visilab-Chef Daniel Mori. (Bild: Key/Christian Brun)

Denis Lachat

Der Ton zwischen dem Schweizer Arbeitgeberverband und der SVP verschärft sich: Trotz der Annahme der Volksinitiative gegen die Masseneinwanderung habe sich die Wirtschaft weiterhin mit ausländischen Arbeitskräften eingedeckt, schimpfte die SVP letzte Woche als Reaktion auf das Festhalten des Verbands an einer Schutzklausel und der Ablehnung eines Kontingentsystems.

Solche Attacken auf die Schweizer Wirtschaft ärgern Unternehmer Daniel Mori: In seinem Büro in einem Industriequartier der Genfer Vorortsgemeinde Meyrin sagt der Gründer und Präsident der Optikerkette Visilab, er würde gerne Schweizer einstellen. «Doch ich finde diese Fachkräfte hier nicht.» Mori hat die Karten in «Le Temps» auf den Tisch gelegt. Visilab beschäftigt im Kanton Genf mindestens 50 Prozent Ausländer, obwohl es mit der Skifahrerlegende Bernhard Russi als Aushängeschild fast nicht mehr schweizerischer geht.

Starkes Desinteresse der Schweizer

Der wichtigste Grund dafür: Die einzige Schweizer Ausbildungsstätte für Optometristen, wie die diplomierten Augenoptiker heute heissen, steht in Olten. An der Fachhochschule Nordwestschweiz können sich Augenoptiker nach der vierjährigen Lehre und mit einer Berufsmaturität in einem dreijährigen Studiengang zum Optometristen weiterbilden. Nur dieser Abschluss befähigt zum Ausstellen eines Brillenrezepts oder zum Anpassen von Kontaktlinsen. «Westschweizer, die diese Ausbildung in Olten absolvieren, sind ziemlich rar», sagt Mori. Da es zur Philosophie von Visilab gehört, in jedem Geschäft mindestens einen Optometristen respektive eine Optometristin zu beschäftigen, wird der Fachkräftemangel eben mit Franzosen gedeckt – und zwar fast zu 100 Prozent.

Bis vor kurzem fuhren vereinzelt auch Westschweizer für die Ausbildung über die Grenze ins französische Lyon, doch seit zwei Jahren ist damit Schluss. Das französische Optometristen-Diplom wird von den Schweizer Behörden nicht mehr anerkannt. Gegen diese Aberkennung hat Mori Rekurs eingelegt, der noch hängig ist. In der Deutschschweiz wiederum liegt die Sache anders; da werden Optikermeister-Diplome aus Deutschland im Rahmen des Abkommens über die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen anerkannt.

10 Lehrstellen nicht besetzt

Der Fachkräftemangel in der Augenoptikbranche liegt laut Mori allerdings nicht nur an mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten. Die Branche leide wie die übrigen Berufe im Gesundheitswesen unter dem Desinteresse der Schweizer, die sich lieber komfortablere Karrieren aussuchten – und zwar bei Banken und Versicherungen. «Viele junge Schweizer arbeiten lieber im Büro als im Spital, wo sie emotional und körperlich stark gefordert und oft auch am Wochenende im Einsatz sind.»

Das gelte auch für die Optiker, die grösstenteils im Verkauf tätig seien. Mori erfährt dies gerade im eigenen Unternehmen, das mit 150 Lehrlingsstellen auf 900 Angestellte grosse Anstrengungen zur Ausbildung unternimmt. Noch sind 10 Lehrstellen nicht besetzt. So greift Visilab bei den Optikern mit Lehrabschluss auf einen Drittel Franzosen zurück. Denn Anstellungen ohne Fachdiplom sind nicht möglich; dies verbietet das Gesundheitsgesetz.

Lebensader Personenfreizügigkeit

Den Vorwurf, billige Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren, weist Mori zurück. Er halte sich an die Lohnklassen laut Ausbildung, Berufserfahrung und Pflichtenheft. Die Staatsangehörigkeit oder das Geschlecht spielten keine Rolle. Visilab ist kein Einzelfall, wie der Arbeitsmarktspezialist Yves Flückiger von der Universität Genf festgestellt hat. Eine Untersuchung mit fiktiven Bewerbungsschreiben hat gezeigt, dass die Genfer Arbeitgeber zuerst die einheimischen Bewerber kontaktierten ; zunächst solche mit Anstellungsverhältnis und anschliessend Arbeitslose aus Genf. Danach kamen die Grenzgänger zum Zug. Die Ausnahme bildete das Gesundheitswesen. Dort wurden aufgrund des Personalmangels alle Bewerber gleichzeitig kontaktiert.

Ein Blick auf die Umsatzzahlen von Visilab zeigt, wie eng der Geschäftsgang des 1988 gegründeten Unternehmens mit der Personenfreizügigkeit verknüpft ist: Ab 1999, dem Jahr der Unterzeichnung des Abkommens, zieht der Umsatz an und nimmt nach der Erweiterung auf die 10 neuen Mitgliedsstaaten 2006 den zweiten grossen Sprung; in 25 Jahren ist der Umsatz von Visilab von 6 Millionen auf 219 Millionen Franken geklettert. Kehrt die Schweiz aber zum Kontingentsystem zurück, gingen in vielen Visilab-Läden laut Mori die Lichter aus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.