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ZUWANDERUNG: Weniger Deutsche, mehr Osteuropäer

Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit vor 15 Jahren sind jährlich im Schnitt 42'100 Personen aus der EU eingewandert. Waren es zunächst vor allem Deutsche, ist zuletzt die Zuwanderung aus Osteuropa gestiegen.
Maja Briner
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Maja Briner

«Wir sind insgesamt reicher geworden, aber auch zahlreicher»: So fasste Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Auswirkungen von 15 Jahren Personenfreizügigkeit gestern zusammen. Jeder neunte Erwerbstätige ist heute ein Zuwanderer aus der EU, wie ein Bericht des Bundes zeigt. Die Herkunftsländer haben sich dabei seit der Einführung der Personenfreizügigkeit markant verändert: Zunächst kamen vor allem Personen aus Nord- und Westeuropa in die Schweiz. 2008 machten alleine die Deutschen mit 29000 Personen fast die Hälfte der EU-Zuwanderer aus. Inzwischen ist die Zahl – dank der guten Wirtschaftslage in Deutschland – auf gerade mal 3500 geschrumpft.

Im Gegenzug legte die Zuwanderung aus Südeuropa kräftig zu. Nach der Finanzkrise kamen viele Portugiesen, Spanier und Italiener in die Schweiz. An Bedeutung gewonnen haben zudem die EU-Bürger aus dem Osten: 2016 stammten 10000 Personen – knapp 30 Prozent aller EU-Einwanderer – aus Osteuropa. Auf 3400 mehr als verdoppelt hat sich 2016 die Zahl der Bulgaren und Rumänen. Diese geniessen seit einem Jahr die volle Personenfreizügigkeit. Der starke Anstieg dürfte laut Seco daher ein «einmaliger Öffnungseffekt» sein. Der Bundesrat hat bereits die Ventilklausel für diese zwei Länder angerufen.

Mehr Erwerbslose unter Osteuropäern

Die weitere Entwicklung der Zuwanderung aus Osteuropa müsse mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt werden, heisst es im Bericht. Ein Alarmzeichen ist die Erwerbslosenquote: Diese betrug bei Personen, die aus EU-Staaten Osteuropas zugewandert sind, im vergangenen Jahr 12,4 Prozent. Das ist fast dreimal so hoch wie bei Zuwanderern aus Nord- und Westeuropa. Laut Seco hat die hohe Zahl unter anderem damit zu tun, dass viele Osteuropäer in Branchen arbeiten, bei denen die Beschäftigung je nach Saison schwankt, wie etwa auf dem Bau oder in der Hotellerie.

Schweiz ist weniger attraktiv als auch schon

Insgesamt lag der Wanderungssaldo aus den EU- und Efta-Staaten 2016 mit 35000 Personen deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. «Die Zuwanderung aus der EU reagiert sehr stark auf die Konjunktur», erklärte Zürcher den Rückgang. Mit anderen Worten: Der Schweizer Arbeitsmarkt ist für Zuwanderer nicht mehr so attraktiv wie vor einigen Jahren. Stabil geblieben ist hingegen die Einwanderung aus Staaten ausserhalb der EU. Hier spielt die Konjunktur laut Seco kaum eine Rolle, da es sich unter anderem um Familiennachzug und Asylsuchende handelt.

Aus den Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Arbeitsmarkt zog der Bund gestern eine weitgehend positive Bilanz. Für die Gewerkschaften fällt diese etwas weniger rosig aus. «Der Lohndruck ist Realität», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbunds. Die Gewerkschaften forderten erneut einen Ausbau der flankierenden Massnahmen, was der Arbeit­geberverband umgehend als unnötig taxierte. Direktor Roland Müller sagte, inländische Arbeitskräfte würden lediglich in Ausnahmefällen von der erhöhten Konkurrenz aus dem Ausland verdrängt. Für die Betroffenen könne dies frustrierend und schwierig nachvollziehbar sein, gab Müller zu. «Politik und Wirtschaft müssen Wege definieren, um diesen Bedenken gerecht zu werden.»

Denn die Personenfreizügigkeit ist unter Druck. Die SVP will eine Initiative dagegen lancieren. Dass die Zuwanderung aus der EU zuletzt stark gesunken ist, hält sie nicht davon ab. Gerade angesichts der gestiegenen Erwerbslosenquote sei die Zuwanderung sehr hoch, kritisiert SVP-Nationalrat Thomas Matter.

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