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Der FC-Sion-Präsident und die Zeitung «Le Nouvelliste» zoffen sich

Der Streit zwischen FC-Sion-Präsident Christian Constantin und der Walliser Tageszeitung «Le Nouvelliste» ist eskaliert. Die Journalisten dürften nicht mehr ins Stadion. Was die Affäre über das Wallis verrät.

Am Anfang der Eskalation stand dieser Satz: Er habe zu sehr wie ein Walliser reagiert, sagte FC-Sion-Präsident Christian Constantin im letzten Herbst, nachdem er den TV-Experten Rolf Fringer attackiert hatte. «Nein, Herr Constantin, die grosse Mehrheit der Walliser regelt ihre Probleme nicht mit Ohrfeigen und Fusstritten in den Hintern», schrieb daraufhin Vincent Fragnière im «Nouvelliste». Der Chefredaktor der Unterwalliser Tageszeitung warf Constantin vor, er nehme das Wallis in Geiselhaft. Der Kommentar missfiel dem selbstherrlichen Fussballboss. Ihm, der sich als Vorkämpfer für seinen Kanton sieht.

Fragnière äussert sich seit einem Jahr alle zwei Wochen zum FC Sion. Er tut das kritisch. Constantin nennt die Kommentare «polemisch». Sie sind offiziell der Grund, weshalb Constantin vor Wochenfrist dem «Nouvelliste» die Saisonakkreditierung verweigert und den Spielern sowie Betreuern jeglichen Kontakt mit den Journalisten der Zeitung untersagt hatte. Beim ersten Saisonspiel gegen Lugano blieb der Platz 51 auf der Medientribüne des Stade de Tourbillon deshalb leer. Der «Nouvelliste» schrieb in der Montagsausgabe keine Zeile über die Startniederlage des FC Sion, zeigte stattdessen ein Foto des Stadions vom Parkplatz aus und brachte Leserreaktionen zum Boykott. Darunter viel Zuspruch für die Journalisten und Schelte für den FC-Sion-Boss. Doch es gab auch wehmütige Stimmen, die an das alte Wallis erinnerten. Als es zwischen dem FC Sion und dem «Nouvelliste» eine Symbiose gab, von der beide Seiten profitiert hätten.

Das Ende alter Machtstrukturen

Tatsächlich: Der FC Sion und der «Nouvelliste» sind zwei Walliser Institutionen – und waren früher auch personell verknüpft. André Luisier, Herausgeber und Chefredaktor des «Nouvelliste», präsidierte zwischen 1981 und 1992 den FC Sion. Für den konservativen Verleger, fest verankert in der dannzumal alles dominierenden CVP, war der FC Sion eine Möglichkeit, um seinen Einfluss im Kanton zu sichern und die Leserschaft des «Nouvelliste» zu verjüngen. Im letzten Amtsjahr Luisiers wurde der FC Sion Meister. Nachher musste er den Fussballclub jedoch aus finanziellen Gründen verkaufen. Constantin übernahm. Der «Nouvelliste» hat sich verändert – vor allem seit 2014 Vincent Fragnière und Sandra Jean die Chefredaktion übernahmen. Sie machten aus dem C-Blatt eine ganz normale Regionalzeitung: Unabhängiger, kritischer, näher bei den Leuten und stärker auf Recherche ausgerichtet. Diese Neuorientierung manifestiert sich nicht nur in den Kommentaren zum FC Sion, sondern zeigte sich auch in der Berichterstattung über eine Kandidatur Sions für die Olympischen Spiele 2026. Nach dem Volks-Nein sagte CVP-Staatsrat Christophe Darbellay etwas zerknirscht, nicht mal «unsere Tageszeitung» sei hinter dem Projekt gestanden.

Constantin wird in diesen Tagen nicht müde zu erklären, dass der «Nouvelliste» stärker auf den FC Sion angewiesen sei als umgekehrt. Zeitungsdirektorin Sandra Jean bekam diesen Satz schon zu hören, als sie noch Chefredaktorin des «Le Matin» war. Sie bestreitet nicht, dass Fussball wichtig sei für eine Zeitung. Aber ob all der Affären, Trainer- und Spielerwechsel merkt sie an: «Constantin alimentiert die Medien dauernd mit Geschichten.» Jean schliesst daraus: «Er braucht die Sichtbarkeit für seine Geschäfte.» Deshalb ärgere sich Constantin auch, dass Tamedia die Printausgabe von «Le Matin» eingestellt habe. Derzeit verhandelt er mit dem Verlagshaus über eine neue Sportzeitung. Für Beobachter ist es kein Zufall, dass die Einstellung von «Le Matin» und die Druckversuche auf «Le Nouvelliste» zusammenfallen. Die Medien gehören in dieser Leseart zum Geschäftsmodell des Immobilienunternehmers. Wie der «Nouvelliste» mit dem Boykott umgehen will, wird die Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe erklären. Klar ist, dass das Blatt weiterhin über den FC Sion berichten will. Die Leser sollen nicht in Geiselhaft genommen werden.

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