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ZWEIKAMPF: Spätzünder gegen Senkrechtstarter

Heute wählt die SVP ihren neuen Fraktionspräsidenten. Es kommt zum Duell zwischen Alfred Heer und Thomas Aeschi. Auf SVP-Linie sind beide – und dennoch ist es eine Richtungswahl.
Maja Briner
Duell um das Fraktionspräsidium der SVP: Alfred Heer (links) gegen Thomas Aeschi. (Bilder: Daniela Friedli und Patrick Lüthy / EQ)

Duell um das Fraktionspräsidium der SVP: Alfred Heer (links) gegen Thomas Aeschi. (Bilder: Daniela Friedli und Patrick Lüthy / EQ)

Maja Briner

Thomas Aeschi zögerte nicht. Nur wenige Stunden nachdem der Berner Adrian Amstutz seinen Rücktritt als Fraktionspräsident bekanntgegeben hatte, sagte er dieser Zeitung: «Das Amt reizt mich sehr.» Das ist typisch für den Zuger, der in der Politik rasch aufgestiegen ist – und bereits als 36-Jähriger für den Bundesrat kandidierte.

Aeschis ärgster Widersacher bei der heutigen Wahl zum Fraktionspräsidenten, Alfred Heer, ging es wesentlich gemächlicher an. Erst am letztmöglichen Tag gab der Zürcher seine Kandidatur bekannt. Auch das ist bezeichnend: Seine politische Karriere ging zwar stetig voran, aber doch alles andere als im Eilzugstempo. Heer politisiert seit über zwei Jahrzehnten für die Zürcher SVP, seit 2007 sitzt er im Nationalrat.

Aeschi wie Heer gelten als linientreu, doch davon abgesehen unterscheidet sie vieles. Da ist auf der einen Seite Aeschi, der 38-jährige smarte Unternehmensberater, der in St. Gallen und Harvard studierte. Er verkörpert die neue Garde in der SVP: intellektuell statt polternd – aber in der Sache genauso hart. Einen Namen macht er sich vor allem als Finanzpolitiker.

Heer und der «Gaga-Wahlkampf»

Heer hingegen, ein diplomierter Kaufmann, tritt ab und an ruppig auf. Der 56-Jährige führt mit Parteikollege Mauro Tuena eine IT-Firma, deren Büro mehr einer Abstellkammer gleiche, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich schrieb. Und er wagte es, 2015 den SVP-Wahlkampf mit dem «Willy-Song» zu kritisieren: «Gaga» sei das, schimpfte er. Trotz seines hemdsärmligen Auftretens: Zu unterschätzen ist Heer keineswegs. Dass er eine Fraktion führen kann, hat er im Zürcher Kantonsrat bewiesen. Gerade zimperlich ging er mit seinen Kollegen damals nicht um. Inzwischen habe er sich aber gewandelt, sei nicht mehr der «bellende Fraktionschef» von damals, sagt die Zürcher SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann. «Er hat eine andere Rolle als früher, nun kommt seine weichere, diplomatische Seite mehr zum Zug», sagt sie. Bereits früher habe Heer bestens gewusst, wie er mit anderen Parteien Allianzen schmieden könne – und damit die SVP im Zürcher Kantonsrat zu mehreren Erfolgen geführt. In Bern hat sich Heer als Präsident der Geschäftsprüfungskommission und der Delegation beim Europarat etabliert. Sein hemdsärmliges Auftreten täusche, sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, der ihn schon lange kennt: «Er ist hochanständig und hochintelligent.»

Während Heer als charismatischer gilt, kann Aeschi mit Wissen punkten. «Aeschis Dossierkenntnisse sind fast einzigartig», sagt der Luzerner Parteikollege Franz Grüter, der mit ihm in der Finanzkommission sitzt. Auch SVP-Asylchef Andreas Glarner sagt: «Aeschi ist fleissig, dossierfest und smart.» Zudem beherrsche er den Umgang mit den Medien. Doch gerade mit seinem Fleiss und seinem Wissen eckt Aeschi auch an. Das Image des Strebers klebt an ihm wie das Etikett, Christoph Blocher nahezustehen. Heer dagegen gilt als unabhängiger. Mit seinen Sprüchen und seiner Art machte aber auch er sich nicht nur Freunde. Der Unterschied zwischen den beiden liege nur im Stil, nicht aber im Inhalt, sagt Zanetti: «Es sind zwei unterschiedliche Sänger, die das gleiche Lied singen.»

Die zweite Niederlage

Beide dürfen sich heute Chancen ausrechnen. Heer dürfte bei den Romands Stimmen holen, während Aeschi auf Zentralschweizer Unterstützung hoffen kann. Als chancenlos gilt der dritte Kandidat, der Berner Werner Salzmann, der erst seit zwei Jahren im Nationalrat ist. Salzmann sei «noch etwas neu», sagte Blocher in seiner Internet-TV-Sendung. Welchen Kandidaten er gerne sähe, verriet Blocher nicht.

Insbesondere für den ehrgeizigen Aeschi wäre eine Nichtwahl wohl eine schmerzhafte Niederlage – die zweite nach der verpassten Wahl in den Bundesrat vor zwei Jahren. Für Heer wäre es derweil der zweite Misserfolg innert kurzer Zeit: Erst kürzlich hat er die Wahl zum Fraktionspräsidenten im Europarat knapp verloren.

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