Schützenfest

Die Fahne wandert vom Buechibärg ins Gäu

Sie gehört zu jedem Schützenfest dazu: Die Fahnenübergabe. Am offiziellen Tag des 35. Solothurner Kantonal-Schützenfestes war in Ober- und Niederbuchsiten neben der Stimmung auch das Wetter prachtvoll.

Christian von arx
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«Sollen wir die Fahne den Gäuern wirklich geben?» Kantonalfähnrich Meinrad Schaad und Landammann Christian Wanner scheinen sich nicht leicht von der Verbandsfahne zu trennen. Hr. Aeschbacher

«Sollen wir die Fahne den Gäuern wirklich geben?» Kantonalfähnrich Meinrad Schaad und Landammann Christian Wanner scheinen sich nicht leicht von der Verbandsfahne zu trennen. Hr. Aeschbacher

Solothurner Zeitung

Konzentriert trägt Kantonalfähnrich Meinrad Schaad (Laupersdorf) die rot-weisse Fahne des Solothurner Schiesssportverbands mit den zehn Bezirkswappen auf den Platz vor der Schälismühle. Die Gäste haben sich erhoben, die Brass Band Wolfwil intoniert die vorwärtsdrängenden Klänge des Fahnenmarschs. Christian Wanner tritt zu Schaad, die beiden wechseln ein paar vertrauliche Worte - vermutlich lässt sich der Landammann vom Fähnrich den Ablauf erklären. Nun ist es an Wanner als OK-Präsident des Kantonal-Schützenfests von 2006 im Bucheggberg, die Fahne ein letztes Mal zu ergreifen und sie symbolisch an den Verbandspräsidenten Heinz Hammer (Egerkingen) zurückzugeben.

Von Hammer wandert sie zu Emil Lämmle (Neuendorf). Mit spitzbübischer Freude bringt der OK-Präsident des 35. Kantonal-Schützenfests 2011 im Gäu die Fahne in der leichten Brise zum Wehen. Dann reicht er sie weiter an Kurt Kehl (Oensingen): Dem Schützenkönig des diesjährigen Feldschiessens im Gäu fällt die Ehre zu, die Kantonalfahne als Fähnrich des gastgebenden Bezirksschützenverein Gäu symbolisch für die kommenden fünf Jahre in Besitz zu nehmen.

Vor dem Haus von Adam Zeltner

Das also war die Fahnenübergabe, wie sie gestern Sonntag gegen Mittag vor dem Haus des 1653 geköpften Bauernführers Adam Zeltner zu beobachten war – lehrbuchmässig, aber ohne tierischen Ernst, mit einem Schuss solothurnischer Lockerheit. Zeugen waren der Kantonsratspräsident, der Solothurner Regierungsrat in corpore, beide Ständeräte, drei Nationalräte, Kantonsrätinnen, Gemeindepräsidenten, der Vorsteher des Oberamts Thal-Gäu und viele verdiente Vertreter des Schiesswesens auf eidgenössischer, kantonaler und Bezirksebene.

Kantonalpräsident Heinz Hammer spannte den Bogen zum ersten Kantonal-Schützenfest von 1837 in der Klus: Auf elf Scheiben wurde damals geschossen, die Kosten betrugen 2500 Franken. Heute wird allein das 300-Meter-Schiessen auf über 100 Scheiben ausgetragen, das Budget des OKs übersteigt 1 Million. Der erstmals durchgeführte Jugendtag habe gezeigt, dass im Solothurner Schützenwesen sehr guter Nachwuchs vorhanden sei. Der Regierungsrat werde für das Kantonal-Schützenfest weiterhin die Standesscheiben stiften «wenn uns nicht die Einnahmen zusammengestrichen werden, wie das manche wollen», versprach Landammann Christian Wanner. Er zeigte sich überzeugt, dass die Schützen eine Zukunft hätten, wenn sie eine Zukunft haben wollten.

Über 9000 Schützen hätten sich für das Kantonal-Schützenfest eingetragen, berichtete OK-Präsident Emil Lämmle, darunter solche aus allen Regionen der Schweiz: «Der Kanton Solothurn ist offenbar doch ganz gut.» Mit Stolz blickte Lämmle auf die seit Anfang 2009 geleistete Arbeit des OKs zurück, dankte Sponsoren und Mitarbeitern und freute sich über die gelungenen ersten Festtage.

«Zum Schiessen ist es nie zu spät»

«Solche Feste bringen nicht allein den Schützen etwas, sondern auch dem Ort, der sie organisiert», sagte Dora Andres. Die Präsidentin des Schweizer Schiesssportverbands (SSV) und frühere Berner Regierungsrätin schätzt die Gespräche und Freundschaften, die an Schützenfesten entstehen. Die Schützentradition beruhe auf uralten Werten, müsse aber zeitgemäss gelebt werden. So sei Schiessen olympische Disziplin, und der SSV verfüge über eine Reihe von Eliteschützen. Nachwuchs seien nicht nur die 16- bis 20-Jährigen: «Um mit dem Schiessen anzufangen, ist es nie zu spät - auch ‹Jungunternehmer› kann man noch mit 50 werden.»

Seinen Abschluss fand der Offizielle Tag des 35. Solothurner Kantonal-Schützenfestes mit dem Bankett in der Mehrzweckhalle Niederbuchsiten, wo das Tanzpaar Ania Müller/Michael Anker, die Aerobic-Kids und das Aerobic-Team des STV Niederbuchsiten den Gästen ihr Können zeigten.