Motorrad

Dominique Aegerter: «An dieses Gefühl könnte ich mich gewöhnen»

Der Rohrbacher Dominique Aegerter fuhr am Sonntag in Valencia im letzten Moto2-Rennen auf Platz drei und holte sich so seinen ersten WM-Podestplatz. Im Interview mit der az spricht er, über seinen Erfolg.

Valentin Oetterli
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Zur Freude des Tages: Dominique Aegerter liess sich die langen Haare abschneiden. keystone

Zur Freude des Tages: Dominique Aegerter liess sich die langen Haare abschneiden. keystone

Sie waren schon oft nahe an den Spitzenleuten. Erst am Sonntag in Valencia hat es mit dem ersten WM-Podestplatz endlich geklappt.

Dominique Aegerter: Genau, endlich. Ich bin ganz einfach sehr, sehr glücklich und zufrieden.

Wie gross ist neben der Freude auch die Erleichterung?

Ich bin erleichtert, dass ich die gute Ausgangslage aus dem Qualifying ausnutzen konnte. Der Druck ist natürlich schon grösser, als wenn man von Position 20 oder noch weiter hinten startet. Nun ist der Druck endlich weg.

Es war ein spezielles Rennen mit schwierigen Streckenbedingungen. Auf was mussten Sie während der Fahrt vor allem achten?

Ich blieb aggressiv auf dem Motorrad, so wie es zu meinem Fahrstil gehört. Doch es war schwierig. Zwischendurch regnete es mehr und die Strecke wurde rutschiger. Gefahren sind wir allerdings mit Slicks, also Trockenreifen. In dieser Phase fanden andere Fahrer mehr Vertrauen. Als es wieder etwas weniger regnete, konnte ich wieder aufschliessen. Ich fuhr viel am Limit, damit ich überhaupt mit der Spitze mithalten konnte. Toll, dass ich in Valencia zu den drei besten Fahrern gehört habe.

A m Schluss sah es so aus, als wäre es nicht unmöglich, auch noch den zweitplatzierten Finnen Mika Kallio zu überholen. Hat dieser Eindruck getäuscht?

Kallio ist in den letzten drei Runden eher vorsichtig gefahren. Ich sah aber, dass die Fahrer hinter mir weit weg sind. Deshalb wollte ich nichts riskieren. Stellen Sie sich vor, ich wäre gestürzt, anstatt dass ich den Podestplatz locker nach Hause gefahren hätte. Nein, dieser dritte Platz ist super.

Sie haben zuvor einmal das Qualifying erwähnt. Dort ist bei Ihnen noch Verbesserungspotenzial vorhanden, oder nicht?

Wenn man nur von Position 20 startet, sind Podestplätze kaum möglich. Man muss dann einiges mehr riskieren, um nach vorne zu kommen. Dieses Mal hingegen war ich nach zwei, drei Kurven Erster. An dieses Gefühl könnte ich mich gut gewöhnen. Danach war ich einige Zeit Vierter oder Fünfter, bis ich wieder um die Position zu kämpfen begann. Ein solches Rennen wie in Valencia ziehe ich einer Aufholjagd vor.

Eigentlich schade, dass die Saison jetzt zu Ende ist.

Obwohl mir gerade die letzten paar Rennen sehr gut gelungen sind, geht das schon in Ordnung. Es war eine anstrengende Saison mit vielen Rennen. Zudem gab es vor zwei Wochen in Malaysia noch diesen Unfall (von Marco Simoncelli - Red.). Es ist wichtig, auch mal eine Pause zu haben. Schon im Februar geht es ja wieder weiter mit den Testfahrten. Da muss ich dann versuchen, da anzuknüpfen, wo ich jetzt aufgehört habe.

Wie schwierig war für Sie die Zeit nach Simoncellis tödlichem Unfall?

Wirklich sehr schwierig. Bei mir kam alles wieder hoch von letzter Saison. Alle Gedanken daran, wie es beim ähnlichen Unfall von Shoya (Tomizawa, dem letztjährigen Teamkollegen von Aegerter - Red.) war. Gleichzeitig hat es mir aber auch dabei geholfen, die jetzige Situation zu verarbeiten. Die Rückkehr ins Fahrerlager war dennoch nicht einfach. Die Stimmung unter allen Fahrern war schon ganz anders als sonst.

Sie haben in zehn Grands Prix WM-Punkte geholt. Ihre Regelmässigkeit, zu welcher noch Spitzenplätze kamen, brachte Ihnen den 8. Platz im WM-Gesamtklassement. Muss man Sie für nächste Saison als Titelkandidaten auf der Rechnung haben?

Ach, das ist für mich wohl noch etwas zu hoch gegriffen. Wenn ich nächste Saison regelmässiger in die Top fünf und aufs Podium fahren kann, wäre das schon gut. Ein guter Saisonstart wäre dabei wichtig. Denn bis jetzt hatte ich des Öfteren zu Saisonbeginn etwas Mühe. Nächstes Jahr muss ich schauen, dass ich zum Motorrad möglichst schnell Vertrauen finde.

Was machen Sie ab jetzt bis zum Beginn der Tests im Februar?

Zuerst muss ich abklären, ob ich die Rekrutenschule nochmals verschieben kann. Ich müsste in wenigen Tagen einrücken. Doch geplant ist, dass ich drei, vier Wochen nach Amerika gehe, um mich fahrerisch weiterzubilden. Im Januar stehen Arbeiten mit dem Team und Termine mit Sponsoren an. Dazu muss ich auch die physische Basis legen für nächste Saison. Es wäre für meine Karriere wichtig, dass ich nicht jetzt in die RS muss.

Zumindest bezüglich Haarlänge wären Sie gut gerüstet für die RS. Was ist denn mit Ihren langen Haaren geschehen?

Die sind weg. Endlich weg, gilt es zu sagen. Es ist lange her, seit ich die Wette abgeschlossen habe, dass ich meine Haare erst bei einer Platzierung auf dem Podest abschneiden darf.