«E Halbschueh für alli»

Das Grenchner Parktheater beendet die Saison mit einem Spass der Extraklasse

Eine Komödie der feineren Sorte erlebten die Zuschauenden beim Auftritt des Basler Häbse-Theater zum Saisonabschluss im Parktheater.

André Weyermann
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Der erste Versuch zum Auftragsmord eines Mafioso (Maik von Epple, rechts aussen) scheiterte, weil Rosemarie Ledermann (Susi von Lindenau-Huber, auf der Couch) das Gift trank. Zeuge waren (v. l.) Hanni Vögeli (Nicole Loretan), Franco Ledermann («Häbse» Hansjörg Hersberger) und Milan Tapeti (Michael Eckerle).

Der erste Versuch zum Auftragsmord eines Mafioso (Maik von Epple, rechts aussen) scheiterte, weil Rosemarie Ledermann (Susi von Lindenau-Huber, auf der Couch) das Gift trank. Zeuge waren (v. l.) Hanni Vögeli (Nicole Loretan), Franco Ledermann («Häbse» Hansjörg Hersberger) und Milan Tapeti (Michael Eckerle).

So macht Volkstheater Spass. Ein ebenso spannender wie witziger Plot, bestens gelaunte Schauspielerinnen und Schauspieler, pointenreiche Dialoge, köstliche Missverständnisse und gelungene Wortkalauer halten in «E Halbschueh für alli» das Publikum auf Trab.

Franco Ledermann (Häbse H. J. Herberger), einst erfolgreicher Händler mit italienischen Edelschuhen, ist am Tiefpunkt angelangt. Die Internetbranche hat ihm zugesetzt, seine Ersparnisse verflüchtigten sich beim Spekulieren mit Risiko-Anlagen und so hält er sich als Pouletverkäufer im Hühnerkostüm über Wasser.

Die Crux dabei: Seine an Luxus gewöhnte, unbedarfte Frau Rösli (Susi von Lindenau-Huber) ahnt von alledem nichts und schwelgt schon in Vorfreude auf den anstehenden Ruhestand mit Kreuzfahrten und Champagner. In sein arg wackelndes Lügengebäude baut der Verzweifelte gar seine Kollegin Hanni Vögeli, (Nicole Loretan) als vermeintliche Tochter ein.

«Hilfe» naht in Form eines Vertreters der italienischen Mafia, der den verzweifelten Geschäftsmann irrtümlicherweise für einen Spitzen-Killer hält und ihm ein finanziell unschlagbares Angebot unterbreitet.

Zusammen mit seinem Freund, dem neurotischen Psychotherapeuten Sigmund (Dani von Wattenwyl), der mit seinem ewigen Zerplatzen von Luftpolsterfolien auch nicht gerade zur Entspannung der Situation beiträgt, heckt Franco einen gefährlichen Plan aus. Als Zuschauender fiebert man dem Ende entgegen, ist gespannt auf die Entwirrung des Geschehens und das unvermeidliche Happy End. Dies erfolgt denn auch, ebenso unerwartet wie folgerichtig.

Häbse H. J. Herberger hat die Inszenierung angereichert mit diversen Seitenhieben auf das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen in Basel und der übrigen Welt. Merkel, der Bundesrat, die Fifa, die Krankenkassen-Prämien, das Baselbiet und natürlich die Zürcher werden zur Zielscheibe des Spottes.

Die Dialoge sind nur so gespickt mit herrlichen Missverständnissen. Wenn zum Beispiel der Innendekorateur Milan Gstalter (Michael Eckerle) über Stoff referiert, versteht der Mafiosi Luigi Quattro-Porte, (Maik van Epple) unter dem gleichen Begriff naturgemäss etwas ganz anderes; und auch Ausdrücke aus der Schuhbranche lassen sich perfiderweise ebenso auf das unehrenhafte Geschäft der «ehrenwerten Gesellschaft» anwenden.

«E Halbschueh für alli»: ein wahrlich amüsantes Abendprogramm.