Automobilslalom

Der Grenchner Automobilslalom steht definitiv vor dem Aus

Zwölf Mal hat der Traditionsanlass bisher stattgefunden. Nachdem der Anlass wegen der Bauarbeiten am Velodrome letztes Jahr ausfallen musste, ist nun klar, dass der Automobilslalom nicht mehr auf dem Badi-Parkplatz durchgeführt wird.

Oliver Menge
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Das wird ganz schön knapp.
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Stefan Buser ist Präsident der Ecurie Dynamic Grenchen, Patricia Brog, Sekretärin des Vereins
Manchmal endete die Fahrt auch im Graben.
Ein wenig amerikanische Muskelkraft war auch vertreten.
Mit engerem Radstand lassen sich auch engere Kurven fahren.
Ein Lotus Elise hat ein paar Pferdchen mehr unter der Haube.
Dieser Renault beweist Mut zur Farbe.
Wer den Kurs im Griff hat, kann eine beachtliche Geschwindigkeit erreichen.
Gut besucht war der Anlass in jedem Fall.
Hier Qualmen die Reifen.
Impressionen der Automobilslaloms von 2002, 2005 und 2009
Ein Blick von der Tribüne
Mit den richtigen Reifen hat man bessere Chancen.
Wenden auf möglichst engen Raum
Manch ein Auto hatte wohl mehr Leistung unter der Haube, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Das wird ganz schön knapp.

Maddalena Tomazzoli

Vor drei Jahren, im Jahr 2011, wurde der Grenchner Automobilslalom das letzte Mal auf dem Badi-Parkplatz durchgeführt. Gegen hundert Rennfahrer absolvierten an jenem schönen Herbstsonntag die rund 1,6 Kilometer lange Strecke mit Toren in verschiedenen Kategorien.

Es war die zwölfte Austragung des Rennens in Folge. Organisiert wurde der Slalom von der «Ecurie Dynamic Grenchen», einem Club, der seit 1978 diverse Autosport-Veranstaltungen wie Schneeslalom, Geschicklichkeitsfahren (Gymkhana), Slalom und Zeitfahren auf der Rennstrecke in Lignières und an anderen Orten durchführte. 2000 wurde dann der erste Automobilslalom in Grenchen durchgeführt.

Gründe für das Aus: Die Meinungen gehen auseinander

John Traub , Pächter des Restaurants und des Hotels im Velodrome, nimmt Stellung: «Wir waren nie gegen diesen Anlass und wollten ihn auch nicht verhindern, so wie das in der Folge im Internet von verschiedenen Seiten dargestellt wurde.» Aber man habe zum Zeitpunkt der Vorgespräche auch noch nicht gewusst, wie die Öffnungszeiten des Velodromes sich präsentieren würden. «Wir wussten schlichtweg nicht, dass die Halle und das Restaurant am Sonntag mehrheitlich geschlossen bleiben, weil das damals noch nicht so beschlossen war.» Und da man auch nicht wusste, wie das mit dem Hotel und dem Restaurant konkret aussehe, habe man auf einer Zufahrt im Süden bestehen müssen . Natürlich hätten er und sein Bruder auch signalisiert, dass es schön wäre, wenn der Veranstalter die Waren für seine Festwirtschaft bei ihrer Firma in Grenchen einkaufen würden, aber eine konkrete Anfrage habe er nie erhalten. «Im Grunde bedauere ich es sehr, dass noch ein Anlass mehr aus Grenchen verschwindet. Mit Uhrencup, Stars and Dinner und der mia sind schon Anlässe verschwunden , bei denen wir unter anderem auch beteiligt waren.» Ob ein derartiger Motorsportanlass heutzutage noch gerechtfertigt sei, das könne und wolle er nicht beurteilen und das sei hier auch nicht die Frage.
Konkret äussert sich Michael Herzog, Leiter Kommissariat Verkehrspolizei bei der Stadtpolizei Grenchen: «Im Grunde haben sich die Veranstalter von sich aus zurückgezogen.» Er habe bei der erwähnten Sitzung lediglich darauf hingewiesen, dass der Zugang zum Haupteingang des Velodromes und zum Hotel gewährleistet sein müsse. «Wir mussten diese Auflage machen, weil man nicht wusste, wie sich das mit dem Velodrome entwickeln würde. Aber es war klar, dass einem Hotelgast der Zugang zum Hotel jederzeit möglich sein muss. » Dass es Schwierigkeiten wegen Parkplätzen gegeben hat, bestätigt Herzog. «Weil der Slalom oft gleichzeitig mit den Modellflugtagen stattfand und kein Parkplatzkonzept vorlag , kam es unweigerlich zu Problemen. Deshalb kam für mich nicht mehr infrage, dass die beiden Anlässe gleichzeitig stattfinden. » Andere Auflagen, wie zum Beispiel, dass die Rennfahrzeuge nur mit Nummernschildern ausserhalb der Rennstrecke verkehren dürfen, wurden laut Herzog nicht immer eingehalten . «Wenn Auflagen nicht eingehalten werden, habe ich keine Freude.» (om)

«2012 fiel der Automobilslalom Grenchen aus: Das Velodrome war im Bau, der Badi-Parkplatz konnte nicht genutzt werden», erklärt Stefan Buser, Präsident der Ecurie Dynamic. Aber die Clubverantwortlichen waren sich sicher, im darauffolgenden Jahr, also im letzten Herbst, den Anlass wieder durchführen zu können.

Doch man hatte die Rechnung buchstäblich ohne den Wirt - und ohne die Stadtpolizei gemacht: «Anfang Jahr hatten wir einige Sitzungen mit den Velodrome-Verantwortlichen Beat Zbinden, Michèle Tanner und Beat Wirz, da sah es eigentlich noch ganz danach aus, als ob es möglich sei, den Slalom im September durchzuführen.

«Aus einem Schreiben der Betriebsleitung geht zudem hervor, dass für das vorgesehene Datum kein Anlass im Velodrome geplant war und auch von dieser Seite keine Hindernisse zu erwarten waren.

Aber an der Sitzung am 19. März 2013, an der ausser den Velodrome-Verantwortlichen auch Michael Herzog, Leiter Kommissariat Verkehrspolizei, und die Gebrüder John und Peter Traub - John führt das Hotel/Restaurant Airport und Peter ist Geschäftsleiter der Catering- und Eventfirma Fotra AG - gab es plötzlich Gegenwind.

Herzog habe laut Buser ganz klar signalisiert, dass es ihm entgegenkomme, wenn der Automobilslalom nicht mehr stattfinde, das Chaos mit Parkplätzen sei viel zu gross, das Verkehrschaos rund um die Badi mit notwendigen Sperrungen von Strassenabschnitten sei nicht mehr vertretbar (vergleiche separaten Artikel). Insbesondere, weil man immer den Sonntag ausgewählt habe, an dem auch die Modellflugtage stattfanden, sei auf Feldern und rund um die Bocciahalle wild parkiert worden. Laut Buser habe man die Parkplätze aber sehr wohlbewirtschaftet und den Eigentümern der Felder Miete bezahlt.

Zugang muss offen bleiben

Die - damals designierten - Pächter des Restaurants und Hotels im Velodrome Suisse, die Gebrüder Traub, hätten darauf bestanden, dass der Zugang zum Velodrome auf der Südseite auf keinen Fall gesperrt werden dürfe oder allenfalls über das Turnerstadion gewährleistet sein müsse.

«Diese Investitionen hätten wir uns nie leisten können. Man hätte ein Tor in den bestehenden Zaun einfügen und allfällige Schäden am Rasen wieder beheben müssen», so Buser.

Zudem habe man verlangt, dass die Festwirtschaft über die Catering-Firma des einen der Gebrüder abgewickelt werde. Die Ecurie Dynamic habe auch versucht, das Zelt und das Catering von dieser Firma zu beziehen, was aber nicht geklappt habe.

Natürlich habe man eine Alternative zum Badi-Parkplatz gesucht, sagt Buser. Aber das habe sich letztendlich als unmöglich erwiesen. «Bei Transportunternehmen gäbe es zwar genug Platz, aber wohin mit den Fahrzeugen, die am Sonntag dort normalerweise stehen?» Auch der Flughafen sei keine Option, so wie es an anderen Orten üblich sei. «Der Flughafen Grenchen muss zwingend für Notlandungen immer geöffnet bleiben.»

Neuer Austragungsort in Sicht

Notgedrungen sucht der Verein einen neuen Austragungsort. «Schade, denn in Grenchen hatten wir eigentlich nie Probleme. Wir hatten ein sehr gutes Einvernehmen mit anderen Vereinen, wie den Fussballvereinen, den Modellfliegern und den umliegenden Institutionen, wie der Badi und der Bocciahalle. Und in den zwölf Jahren gab es auch nie einen ernsthaften Unfall mit Personenschaden».

Dass ab und zu mal einer in den Zaun oder eine Bordsteinkante gefahren ist und sein Auto zu Schrott fuhr, könne passieren. Auch bei der Stadt hätten sie nie ein Problem mit der Bewilligung gehabt. «Zwar hat man uns nie finanziell unterstützt, aber war dennoch stets mit einem Grusswort präsent.»

Nun ist der Ecurie Dynamic Grenchen daran, in Luterbach um eine Bewilligung für diesen Herbst anzufragen. Erste Vorabklärungen haben schon stattgefunden. Die Slalomstrecke soll im September auf dem Borregaard-Gelände aufgebaut werden. Und die Stadt Grenchen hat wieder einen Anlass mehr verloren.