Grenchenberg

Der neue Tellerlift steht — nur das Kassenhäuschen fehlt

Lernende von Holzbau Schweiz, acht junge Männer und eine junge Frau, absolvieren im 1. Lehrjahr ihren ersten überbetrieblichen Kurs: Gemeinsam bauen sie das Kassenhäuschen beim neuen Tellerlift auf dem Grenchenberg.

Oliver Menge
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Lernende Holzbau Schweiz erstellen das Skilifthäuschen auf dem Grenchenberg
17 Bilder
 Die Balken wurden vorbereitet und nummeriert.
 Nach und nach entstehen die Wandkonstruktionen
 Schwere Balken trägt man zu zweit
 Acht junge Männer und eine junge Frau mit vereinten Kräften: Teamwork!
 Eine 300er Schraube fixiert die Balken
 Auch hier: Teamwork
 Auch hier: Teamwork
 Das neue Häuschen steht direkt an der Strasse zum Obergrenchenberg
 Die Konstruktion hält!
 Der Antrieb des neuen Tellerlifts
 Der neue Tellerlift
 Jetzt wird angepasst und zurechtgesägt
 Passt!

Lernende Holzbau Schweiz erstellen das Skilifthäuschen auf dem Grenchenberg

Oliver Menge

«Jetzt fixiert ihr den Balken mit einer Dreihunderter-Schraube – aber nehmt den Schrauber mit dem grünen Akku, der ist etwas leistungsfähiger – und dreht die Schraube gerade rein». Urs Derendinger, Zimmermann aus Bettlach mit eigener Zimmerei betreut die Jugendlichen zusammen mit seinem Sohn Simon. Acht junge Männer und eine junge Frau sind für zwei Tage auf der Baustelle hinter dem Berggasthof Untergrenchenberg gleich neben der Strasse, die zum Oberberg führt.

Alle haben ihre Ausbildung zum Zimmermann, respektive Zimmerin im August diesen Jahres begonnen – der unwissende Journalist sagt zunächst «Zimmerfrau», was aber gar nicht gut ankommt. Die jungen Leute absolvieren hier ihren ersten überbetrieblichen Kurs. Mit Übernachtung im Berggasthof Untergrenchenberg und gemeinsamem Fondueplausch am Abend.

Vom Papier aufs Holz übertragen

Ihr Bauprojekt: Das neue Kassenhäuschen bei der Talstation des neuen Skilifts. Auf den Unterbau aus Beton, den die Firma Berger Bau erstellt hat, kommt ein kleines Holzhaus, in dem einerseits das Kassensystem, andererseits die gesamte Liftsteuerung, die Videoüberwachung und die Ladestationen für Funk etc. hineinkommen sollen.

«Normalerweise würde so ein Skilift-Häuschen in der Fertigbauweise erstellt. Das heisst, Boden, Wände, Dach würden in der Holzfirma vorgefertigt und mit dem Kran vor Ort montiert», erklärt Derendinger. Aber so würden die Lernenden ja nichts lernen. Also hat man einen anderen Weg gewählt: Das Haus wurde auf dem Papier entworfen, bis ins kleinste Detail wurden die einzelnen Elemente von den Lernenden auf Papierbogen aufgezeichnet, dann aufs Holz übertragen und entsprechend zugeschnitten.

Die nummerierten Teile wurden in den letzten Tagen auf den Berg gebracht. «Wir erstellen hier zusammen eine klassische Riegelwandkonstruktion, so wie Zimmerleute früher immer gearbeitet haben», erklärt Derendinger die klassische Bauweise.

Auf die betonierten Wände des Untergeschosses, wo ein Lagerraum für Skiliftmaterial, wie Ersatztellerbügel und ähnlich gebaut wurde, haben die Lernenden eine Balkenlage gelegt, darauf eine dreifach verleimte Bodenplatte aus Holz. Nun werden nach und nach die Balken, welche das Grundgerüst für Wände Fenster bilden und als Träger des Pultdachs dienen, an ihrem Ort befestigt. Die Trägerbalken wurden mit Vertiefungen versehen, die kleineren Balken dazwischen wurden am Ende so zugeschnitten, dass sie die entsprechenden Pfropfen aufweisen und ineinander gefügt werden können. Passt irgendwo etwas nicht, wird nachgeholfen, resp. -geschnitten oder gesägt. «Hier zeigt sich, wie genau die Vorbereitungsarbeiten waren», so Derendinger.

Tannenholz aus dem Wald der Bürgergemeinde

Geschraubt wird so wenig wie möglich. Ein Grossteil der Konstruktion hält alleine durch das Eigengewicht zusammen, das Dach besorgt den Rest. Das Holz stammt übrigens aus dem Grenchner Wald und wurde von der Bürgergemeinde gestiftet. Es handelt sich um sogenanntes Käferholz. Holz von Tannen, welche die trockenen und heissen Sommer infolge des Klimawandels der letzten Jahre nicht überstanden haben und vom Borkenkäfer befallen waren. Ein ausgezeichnetes Holz für dieses Vorhaben.

Die jungen Leute arbeiten etwas unter Zeitdruck. Denn schon heute Abend soll das Dach, welches vorgefertigt wurde, montiert sein. Die ganze Konstruktion muss so weit fortgeschritten sein, dass Mitte nächster Woche die Elektriker das Tableau montieren können – auch hier werden die Arbeiten von Lernenden ausgeführt.

Ende September wird die nächste Gruppe in einem weiteren überbetrieblichen Kurs die Verkleidung und Isolation des neuen Häuschens in Angriff nehmen. Laut Adrian Cslovjecsek von der Skilift Grenchenberg AG ist man gut im Fahrplan.

Nach dem Aushub und dem Betonieren der Fundamente wurden die vier Masten, der Antrieb im Tal und die Umlenkrolle oben aufgebaut. Rund 1,5 Kilometer Rohre wurden verlegt. Diese Woche wurde das Seil des Lifts gespleisst, nachdem es eine Zeit lang zum Strecken aufgehängt war. Anfang Oktober wird der Lift durch die Herstellerfirma Caraventa aus Goldau in Betrieb genommen und durch die Kontrollbehörde abgenommen. Der Winter kann kommen.