Grenchen

Entdeckungsreise durch den eigenen Körper: Elternrat und Lindenhaus organisierten Workshops

Elternrat Kastels lanciert sexualpädagogisches Präventionsprojekt.

André Weyermann
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Aufklärungsprojekt im Lindenhaus (von links): Melanie Stoller, Jugendarbeiterin Lindenhaus, Susanne Molliet vom Elternrat Kastels, Tamara Moser, Leiterin Lindenhaus

Aufklärungsprojekt im Lindenhaus (von links): Melanie Stoller, Jugendarbeiterin Lindenhaus, Susanne Molliet vom Elternrat Kastels, Tamara Moser, Leiterin Lindenhaus

Oliver Menge

Wie sage ich es meinem pubertierenden Nachwuchs? Der Elternrat Kastels geht im Aufklärungsunterricht in Zusammenarbeit mit dem Lindenhaus neue Wege. Er organisiert spannende Workshops für Mädchen und Jungen im Alter vom 10-12 Jahren. Diese sexualpädagogischen Präventionsprojekte, welche seit 1999 existieren und in zahlreichen Ländern Europas etabliert sind, werden in der deutschen Schweiz vom Verein «MFM-Projekt» angeboten und sind an diversen Orten bereits fester Bestandteil des Unterrichts.

«Ich hätte nie meine Lehrerin gefragt»

Der Aufklärungsunterricht ist im Lehrplan 21 festgeschrieben. Den Lehrpersonen obliegt die Ausgestaltung. Weshalb denn dieser neue Ansatz? Dazu Initiatorin Suzanne Molliet: «Ich hätte meiner Lehrerin auch niemals Fragen zum Thema Sex oder Lust gestellt... und dann auch noch im Beisein meiner Klassenkameraden. Immer noch werden Mädchen zu früh schwanger oder wissen nicht genau, wie sie sich schützen sollen, und Jungs wissen oft nicht, woher sie Antworten bekommen und geraten möglicherweise auf fragwürdige Internetseiten, die ihnen ein komplett falsches Bild vermitteln.»

Deswegen sei eine ungezwungene, angenehme Umgebung mit kompetenten Fachpersonen wichtig, um dieses heikle Thema zu vermitteln. Sie habe von einer Kollegin vom MFM-Projekt erfahren und es dann beim Elternrat Kastels vorgestellt. Schön wäre es, im Sinne der Nachhaltigkeit die Workshops und die dazugehörenden Elternvorträge künftig im Unterricht der Schulen zu integrieren, meint Molliet. Dank der Zusammenarbeit mit dem Lindenhaus und weiterer privater Sponsoren gelangt das Projekt bereits jetzt zu einem vergünstigten Preis zur Austragung. Mit Erfolg: Der Mädchenkurs ist ausgebucht, man kann sich aber auf eine Warteliste für künftige Workshops setzen lassen. Noch ein paar freie Plätze gibt es bei den Jungs. Die Angebote richten sich an alle Schülerinnen und Schüler in Grenchen und Umgebung.

Herz und Emotionen werden angesprochen

In den Workshops werden die Jungen und Mädchen auf eine Entdeckungsreise durch ihren Körper geschickt. Dabei lernen sie die spannenden Vorgänge rund um Pubertät, Zyklusgeschehen und Fruchtbarkeit im geschützten Rahmen kennen und verstehen. Eine Fülle von farbenfrohen Materialien und aktives Mitmachen ermöglichen das Lernen mit allen Sinnen. In einer wertschätzenden Sprache werden die Zusammenhänge und biologischen Begriffe nachvollziehbar erklärt. Herz und Emotionen werden angesprochen und das Staunen über das Wunder des eigenen Körpers neu gelernt.

Die Mädchen durchlaufen dabei eine «Zyklus-Show», während die Jungs in einem Stationenspiel als Spezialagenten in die Rolle der Spermien schlüpfen. Da die Eltern wichtige Gesprächspartner sind, wenn es um die sexuelle Entwicklung ihrer Kinder geht, werden ihnen das Projekt und die Kursleitenden in einem vorgängigen Elternvortag vorgestellt.

Die Kursleitung obliegt Fachpersonen aus dem Gesundheits- und dem Sozialwesen. Sie wurden speziell für die Workshops geschult und durchlaufen regelmässige Weiterbildungen.