Stadtbummel Grenchen

Es het pöpperlet .....

Roger Rossier
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Der Grenchner Böögg wollte nicht brennen.

Der Grenchner Böögg wollte nicht brennen.

Oliver Menge

Wetterfrösche sagen, wenn der Böögg länger als 15 Minuten brenne, würden uns nasskalte Sommermonate bevorstehen. Will man dieser Lehre Glauben schenken, werden sich die Uhrenstädter diesen Sommer sehr warm anziehen müssen. Vielleicht wird es aber gar nicht so schlimm. Denn mit der Möglichkeit, dass der Böögg kein Feuer fängt, haben die Wetterfrösche vermutlich nicht gerechnet und für diesen Umstand keine Wetter-Prognose vorgesehen.

Seit letztem Mittwoch kann Grenchen diesbezüglich mitreden. Trotz des unermüdlichen Einsatzes von Richard Werlen und seinem Team, wollte der als riesiger Sektkübel mit Schampusflasche getarnte Böögg am Aschermittwoch partout nicht brennen. Die Guggenmusiker liefen sich die Füsse wund, drehten im kalten Schneegestöber Runde um Runde und spielten trotz gefrorener Finger Lied um Lied. Die Bööggenbauer dürften spätestens in diesem Augenblick das Fasnachtsmotto «es pöpperlet» verstanden und am eigenen Leib erfahren haben.

Schliesslich hatte Obernarr Patrick der Erste Bedauern mit den Zünftler, der Zuschauerschar und dem frierenden Stadtpräsidenten, indem er den letzten Fasnachtshöhepunkt mit dem nicht ganz ernst gemeinten Satz «wir treffen uns in einer Woche wieder» beendete.

Im nahegelegenen Bambi liess sich die Hilari-Zunft mit ihrem traditionellen Fans-Konzert die Laune wegen der Böög-Panne nicht verderben. Dieses Jahr war der Aufmarsch der Gäste besonders gross. Der seit über dreissig Jahre aktive Zunftober Hanspeter Affolter, bekannt als Hampe, trat an diesem Abend als Schnitzelbänkler und Chef der Hilarizunft zurück. Zu seinen Ehren begeisterten die Hilaribroders und die Schnibako mit ihren Auftritten.

Auch die seit 55 Jahren bestehende Hilari-Musik konnten mit ihrem grossen Repertoire an unvergessliche Evergreens Jung und Alt von den Sitzen reis-sen. Beeindruckend wie stilsicher die Männer im Durchschnittsalter von 77 Jahren Schlager, Walzer und Swing spielten. Die 9-köpfige Band brachte fast 700 Jahre Lebenserfahrung auf die Bühne. Die Hilari Zunft wird neu von Marco Christen (Copin) und Harry Vogt im Co-Präsidium geleitet.

Ich stelle fest, Präsidentenrücktritte werden in der heutigen Zeit oft durch Tandembesetzungen abgelöst. Die SP Schweiz strebt eine solche Lösung an. Die Grüne Partei der Schweiz hat mit Balthasar Glättli und Regula Rytz dieses Prinzip bereits umgesetzt.

Rytz gehört fast zu Grenchen, hat sie doch ihren Heimatort in unserer Nähe, nämlich in Rüti bei Büren. Mit der Co-Präsidiumslösung wäre in Deutschland die noch amtierende CDU Parteipräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (abgekürzt AKK) auf dem Weg zum Bundeskanzleramt möglicherweise nicht gescheitert.

Heute bleibt ihr nur die Gewissheit, dass ihr Kürzel AKK neu nicht nur für ihren Namen, sondern auch für Alt-Kanzler-Kandidatin stehen könnte.