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Gibt längerer Betrieb in Beizen dem Grenchner Nachtleben einen Schub?

Voraussichtlich ab 1. Januar dürfen Restaurants am Wochenende bis um vier Uhr morgens offen haben. Dies erlaubt das neue Wirtschaftsgesetz des Kantons. Grenchens Nachtleben dürfte darob aber nicht explodieren.

Andreas Toggweiler
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Wirten auf einer Dauerbaustelle: Das Café Moccaflor in Grenchen möchte neu auch nachts Menüs servieren.

Wirten auf einer Dauerbaustelle: Das Café Moccaflor in Grenchen möchte neu auch nachts Menüs servieren.

Ab nächstes Jahr werden verschiedene kantonale hoheitliche Aufgaben zu den Gemeinden verlagert, darunter die Anlassbewilligungen und die Freinachtregelung. Die bisherige Kontingentregelung für Freinächte fällt weg, wie Susanne Leber, Rechtskonsulentin der Stadt, bestätigt. Künftig wird zudem für die Bewilligung von Freinächten eine Begründung nötig sein.

Die Hürden dürften somit nach ihrer Einschätzung eher steigen. Der Vollzug des Bereichs soll bei der Stadtpolizei angesiedelt werden. Sie wird Bewilligungen ausstellen und Gebühren einkassieren. Eine entsprechende Vorlage wird zurzeit im Stadthaus vorbereitet.

99 Lokale in Grenchen

«Der Regelungsbedarf ist nicht riesig», meint Leber. Denn am Wochenende (Freitag und Samstag) wird die Polizeistunde sowieso kantonsweit abgeschafft bzw. ist erst um 4 Uhr. Für bestimmte Tage wie Fasnacht gelten schon heute liberale Regelungen.

In Grenchen gibt es laut Angaben des kantonalen Arbeitsinspektorates 99 Restaurants (inklusive alle Patente der Vereinslokale). Davon verfügen nur vier über Nachtklub-Bewilligungen, sowie McDonald’s über eine verlängerte Öffnungszeit. Klagen über nächtlichen Lärm habe es bisher in Grenchen eher wenig gegeben, meint Stapo-Kommandant Robert Gerber. «Grenchen ist nach wie vor keine typische Ausgehstadt für Junge», meint er.

Baupublikation nötig

Gelegentlich komme es heute vor, dass angeheiterte Gäste nach der Polizeistunde für Anwohner gut hörbar einen offenen Nachtklub suchen. Ob sich an dieser Ausgangslage unter dem neuen Regime etwas ändert, ist schwer zu sagen. Denn die wenigsten Lokale, die jetzt Freitag/Samstag länger öffnen könnten, werden dies voll ausschöpfen, schätzt Susanne Leber.

Dies, da das Verhältnis Personalkosten zu Umsatz wenig lukrativ erscheint. Dazu kommt, dass für eine Nachtöffnung das Lokal entsprechende Schallschutzbestimmungen einhalten muss. Eine Änderung des Status erfordert eine Baupublikation mit Einsprachemöglichkeit. Und hier sind Befürchtungen wegen Lärm bei Nachbarn recht schnell zur Hand.

Zurzeit spielt Yücel Öztürk, Wirt des Restaurants Moccaflor an der Centralstrasse, das Prozedere durch. Er harrt weiter in der chaotischen Dauerbaustelle des Gebäudekomplexes aus (wir berichteten) und hat sogar eine happige Mietzinserhöhung geschluckt. Denn er möchte das erste Restaurant der Stadt eröffnen, in dem man spätnachts essen kann.

«Das Lokal hat eine sehr gut ausgestattete Küche, die man besser auslasten könnte», erläutert Öztürk auf Anfrage. Ein Kollege im Freiburgischen habe mit dem Angebot, auch nachts richtige Menüs anzubieten, gute Erfahrungen gemacht. «Ich denke, das könnte in Grenchen ebenfalls funktionieren.»

Die Nachtclub-Bewilligung des Kantons hat er bereits erhalten, es fehlt aber noch die Bewilligung der städtischen Baubehörden. Während der Publikation sind zwei Einsprachen eingegangen, darunter von einem Gewerbebetrieb einer ganz anderen Branche. Dass sich Anwohner gestört fühlen könnten, dafür habe er noch Verständnis. «Was ein Handwerksbetrieb dagegen hat, dass ich das Restaurant nachts öffne, verstehe ich nicht», meint Öztürk. «Die arbeiten ja nur am Tag.»

«Quartier beleben»

Bezüglich Emissionen gegenüber Anwohnern habe er Schallmessungen im Haus durchführen lassen, zudem sei eine Schallschutzschleuse beim Eingang geplant. Der Wirt hofft, dass er mit dem Angebot auch das Quartier beleben kann. Dies wäre sicher nötig: Dieses Jahr haben der Kiosk und der Italienerladen nebenan geschlossen.

Eine weitere Bar, die im Zusammenhang mit einem Besitzerwechsel der Liegenschaft vor zwei Jahren eröffnet wurde, ist meistens zu. Die beiden Häuser werden seither in Etappen umgebaut. Die endlose Bauerei macht Öztürk, der das «Moccaflor» seit elf Monaten führt, zu schaffen. «Ich verstehe nicht, dass die Stadt gegen dieses Chaos nichts unternimmt.»

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