Turnverein Grenchen

Nach langem Warten: Die Sanierung des Sportstadions ist aufgegleist

Der einzige Turnverein der Schweiz mit eigenem Stadion möchte vorwärtsmachen. Jetzt liegt endlich ein Projekt für die Sanierung des Sportstadions in Grenchen vor.

Oliver Menge
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Sanierung Sportstadion TV Grenchen
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Das alte Gebäude mit Vordach wird abgerissen
Das alte Gebäude mit Vordach wird abgerissen
Das alte Gebäude mit Vordach wird abgerissen
Die Tribüne mit dem Materialraum wird wohl auch abgerissen
Die Provisorien: In den Containern befinden sich Büro und Werkstatt
Hier soll der Allwettersportplatz entstehen
Das Nordende des Rasens
Die Finnenbahn
Die Finnenbahn
Die Sponsorenwand
Der Beach-Pavillon
Die neue Anlage für Beachvolleyball

Sanierung Sportstadion TV Grenchen

Oliver Menge

Robert Gilomen, Ressortleiter Stadion beim TV Grenchen, ist zuversichtlich, dass es nun endlich klappt, nach Jahren, geprägt von gescheiterten Projekten und Abstimmungen. Denn der Wunsch, das Turnerstadion neben dem Tissot Velodrome den heutigen Anforderungen anzupassen, ist nicht neu. Doch bisher fehlten schlicht die Mittel, um das Projekt zum Laufen zu bringen und bisherige Projekte scheiterten.

Nicht das erste Projekt

Das Dossier zum Projekt beinhaltet einige interessante Informationen zur Geschichte des Stadions: 1941, mitten im 2. Weltkrieg, bauten sich die Turner des TV Grenchen ihr eigenes Stadion auf ihrem eigenen Land. Ohne Fremdgelder und bis heute schuldenfrei. 1960 wurde das Stadion saniert und erweitert. 1972, im Hinblick auf das Kantonalturnfest folgte eine weitere Sanierung: Statt schwarzer Aschenbahn gab es eine Bahn mit Rotgrundbelag, technische Anlagen wurden erneuert. In der Folge wurden das Kommandogebäude, die Zeitmessanlage, eine Vordachkonstruktion und einiges mehr gebaut, das meiste eigenfinanziert.

1987 projektierte man eine Stadionsanierung mit Garderobengebäude. Die Stadt ersuchte darum, eine normgerechte Mehrzweckhalle ins Projekt zu integrieren, dies im Hinblick auf das neu gesetzlich vorgeschriebene Lehrlingsturnen. Der TVG beschloss, der Stadt oder dem Kanton eine Landparzelle abzutreten, damit diese die Halle in Eigenregie realisieren können. Die Stadt beschloss jedoch, die Halle auf dem Trainingsfeld südlich des FCG-Hauptfeldes zu planen und scheiterte 1992 vor dem Grenchner Stimmvolk.

2008 projektierte der TVG erneut eine Halle, noch grösser und umfassender, aber 2011 genehmigte die Stadt den Masterplan «Sportstättenzone» mit dem Velodrome, was das Projekt des TVG obsolet werden liess.

Doch jetzt sieht es gut aus, so Gilomen, «wir sind auf Kurs». Anfang 2013 setzte der Turnverein eine Planungsgruppe ein mit dem Ziel, ein Projekt für die Sanierung des Sportstadions auszuarbeiten. Dieses Projekt liegt nun vor: Es umfasst die Sanierung der Leichtathletikanlagen, der Neubau eines Allwetterplatzes, der Abbruch des bestehenden Garderobengebäudes und der Neubau eines Betriebsgebäudes sowie eines neuen Garderobengebäudes, alle Bauten behindertengerecht sowie normgerecht gemäss den Vorgaben des Bundesamtes für Sport Baspo und gemäss den Normen der internationalen Sportverbände.

Das ist dringend nötig: Die technischen Anlagen für Werfen, Stossen, Sprung sind nahezu unbrauchbar, das Garderobengebäude ist nicht isoliert und es gibt nur einen einzigen Duschraum für Männlein und Weiblein. Einzig die neue Beachvolley-Arena, die letztes Jahr erstellt wurde und der ebenfalls neue Beachpavillon, bei dem Freiwillige Mitarbeiter (Volontaris) momentan gerade einen Anbau für Gerätschaften und Grill betonieren, entsprechen modernsten Anforderungen und werden auch rege genutzt.

Grundsätzlich setzt man auf die Durchführung regionaler Anlässe sowie Jugend- und Schulsporttage. Leichtathletikwettkämpfe auf nationaler Ebene sollen durchgeführt werden können, aber keine Schweizermeisterschaften im Einkampf. Ohnehin setzt man eher darauf, zukünftig die Leichtathletik auszubauen und zur alten Grösse zu bringen.

Laut Gilomen will man beispielsweise Trainer in den einzelnen Disziplinen anstellen, die dann interessierten Vereinen aus der Region gegen eine kleine Gebühr zur Verfügung stehen sollen. Ein Standort mit Stützpunkttraining und Anziehungspunkt für die ganze Region. Auch nicht-leichtathletische Sportverbände könnten in Grenchen Trainingslager abhalten. Gilomen denkt zum Beispiel an Triathleten, die nebst dem Turnerstadion sowohl das Schwimmbad als auch das Velodrome nutzen könnten.

Man bleibt bescheiden

Beim Projekt wurden bewusst auf Dinge verzichtet, von denen einige eigentlich «nice to have» wären: Die 400-Meter-Bahn wird nicht auf acht Spuren ausgebaut, sondern bleibt wie bestehend mit sechs Bahnen. Es gibt auch keine Gegengerade mit Start- und Zielraum. Und Steepleläufer kriegen keinen Wassergraben. Auf eine Hammerwurfanlage mit den grossen Schutznetz-Vorrichtungen verzichtet man. Die Beleuchtungsanlage ist lediglich auf Trainingsbetrieb ausgerichtet. Die Restauration wird anlassorientiert ausgerichtet und ist ausserhalb von Anlässen nicht geöffnet.

Die Gebäude werden modular konzipiert. Man verzichtet auf neue Fitness- und Krafträume, sondern strebt hier Synergien mit dem Tissot Velodrome an.

Neuer Allwettersportplatz

Was hingegen vielen Freude machen wird, ist der neue Allwettersportplatz, den man plant. Im Süden des Stadions, zwischen dem neuen Materialgebäude, dessen Fundament bereits betoniert ist und dem Parkplatz des Tissot Velodromes, soll ein multifunktionales Sportfeld von 44 x 22 Metern mit Kunststoffbelag gebaut werden, mit traditionellen Spielfeldern für Schul-, Breiten- und Spitzensport, aber auch Trainings- und Wettkampfplatz für die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, Abteilung Rollstuhlsport.

Der Berufsschulsport, der ab und an im Velodrome aufgrund von Veranstaltungen nicht dort stattfinden kann, könnte auf diesen Allwettersportplatz ausweichen. Und – das dürfte die Grenchner Jugend interessieren – im Winterhalbjahr würde sich der Platz als temporäres Eisfeld eignen. Ein Eisfeld mit synthetischen Platten, auf denen die Gleitfähigkeit lediglich um 4% vermindert wird. Diese Einrichtung wäre sogar mobil, könnte abgebaut und woanders wieder aufgebaut werden, solange der Untergrund eben und ohne Gefälle ist.

Viele Eigenleistungen

Die Kosten für die Sanierung der Sportanlagen, den neuen Allwettersportplatz und die neuen Gebäude inklusive Nebenkosten und Bewilligungen belaufen sich auf 3,35 Millionen Franken. Davon sind rund 500'000 Franken Eigenleistungen des Turnvereins, dessen freiwillige Volontaris bereits in den letzten sechs Jahren durchschnittlich 1350 Stunden geleistet haben und bereit sind, im Rahmen der Sanierung mindestens nochmals soviel zu leisten. Beispielsweise werden sie den Abbruch des bestehenden Garderobengebäudes selber vornehmen und auch das Materialgebäude werden sie selber zusammenbauen.

Rund 900'000 Franken kommen von Gönnern und Sponsoren. «Viele haben uns Mittel zugesichert, die wir erhalten, sobald wir mit der Sanierung so richtig beginnen», sagt Gilomen. Ein gewichtiger Brocken ist nämlich die Nivellierung des Geländes, das von Nord nach Süd um rund 1 Meter 50 abfällt. Das soll mit GPS-gesteuerten Baggern ausgeglichen werden.
Der Sportfonds des Kantons steuert 885'500 Franken bei, rund 30% des beitragsberechtigten Betrags. Dank guter Verbindungen und viel Überzeugungskraft bei den Regierungsräten Remo Ankli und Peter Gomm sei man beim Kanton bereit gewesen, mehr als die üblichen zehn oder zwanzig Prozent zu übernehmen.

Am Dienstag im Gemeinderat

Bleibt die Stadt, die ebenfalls 30% des Gesamtvolumens – die Vorlage sieht einen Betrag von genau 1 Mio. Fr. vor – übernehmen soll. Der Gemeinderat wird sich an der Sitzung vom kommenden Dienstag mit dem Geschäft befassen. Beantragt ist ein Investitionsbeitrag, der linear über 33 Jahre abgeschrieben wird und so die Erfolgsrechnung mit 30'200 Fr. über diesen Zeitraum belastet. Gleichzeitig soll die Stadt eine Leistungsvereinbarung mit dem TV Grenchen abschliessen.

Die Finanzverwaltung soll ermächtigt werden, den Kredit tranchenweise gegen Vorweisung der aktuellen Projektkostenübersicht auszulösen. Voraussetzung ist die schriftliche Bestätigung des TV Grenchen, dass 95 Prozent der finanziellen Verpflichtung rechtsverbindlich gedeckt sind.

Wie eine Umfrage dieser Zeitung im Vorfeld der Gemeinderatswahlen gezeigt hat, stehen die Parteien ziemlich geschlossen hinter dem Projekt. Der Vorlage sind auch diverse Empfehlungsschreiben beigelegt, vom Kantonalen Leichtathletikverband über den TV Bettlach bis zur Paraplegikervereinigung. Sogar der Flughafen glaubt, vom Stadion profitieren zu können (z.B bei Jugendlagern des Aeroclubs). Eine Ablehnung der Vorlage wäre demnach eine grosse Überraschung. Mitarbeit: at.