Digital Days Grenchen

Nächstes Jahr kommt die «Digitalisierung» des Gemeinderates

Im Internet haben die ersten «Digital Days» von Grenchen stattgefunden. Stadtpräsident François Scheidegger kündigte eine «Digitalisierung» des Gemeinderats an und es wurde über die 5G-Technologie diskutiert.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Stadtpräsident François Scheidegger und Wirtschaftsförderin Susanne Sahli im Gespräch
3 Bilder
Architekten bieten heute virtuelle Rundgänge durch Wohnungen an
Der Grenchner Architekt Aldo Bigolin am "Webinar" der Digital Days

Stadtpräsident François Scheidegger und Wirtschaftsförderin Susanne Sahli im Gespräch

Screenshot

Von einem Studio in der Höheren Fachschule für Technik Mittelland (hftm) aus wurden in Grenchen erstmals die «Digital Days» durchgeführt. Vorträge und Diskussionen konnten dabei (nur) über das Internet verfolgt werden.

Insgesamt wurden 7 so genannter «Webinare» (Seminare im Internet) angeboten. So stellten sich verschiedene Firmen vor und der Kanton Solothurn orientierte über seinen neuen Online-Schalter my.so.ch, der am Dienstag erstmals freigeschaltet wurde. Darauf kann man Registerauszüge bestellen oder sein Steuerkonto einsehen. Für ein Login ist allerdings eine Swiss ID nötig. Zum Anfang sind acht verschiedene Dienstleistungen erhältlich, nächstes Jahr sollen es 20-30 sein, im Endausbau 40-60.

Neues Tool für Steuererklärung

Ein Vertreter des Kantons stellte ebenfalls das neue eTax Programm für die Steuererklärung vor. Dabei war zu erfahren, dass 45'000 Personen ihre Steuererklärung elektronisch eingereicht haben, weitere 50'000 füllen sie auf dem Tool aus und reichen dann den Ausdruck ein, der gescannt wird. Dabei wurde eingeräumt, dass der Scan von Belegen noch nicht in allen Fällen gleich praktikabel ist, besonders wenn es um viele Dokumente geht.

Stadtpräsident François Scheidegger stellte in Aussicht, dass in Grenchen ab nächstem Jahr die Unterlagen für den Gemeinderat elektronisch kommen. Damit könnten mehrere zehntausend Seiten Papier gespart werden. Im Beitrag der SWG wurde über das neue Smart Metering informiert (vernetzte Stromzähler) informiert. Zu erfahren war, dass die SWG noch immer an 9'107 Kunden gedruckte Rechnungen verschickt, was zu einem jährlichen Papierverbrauch von 119'000 Seiten führt. Die Möglichkeit der E-Rechnung besteht aber bereits.

5G als Mittel gegen die Datenflut?

Drei Beiträge und eine Diskussion widmeten sich der neuen Mobilfunktechnologie 5G, wobei ein Swisscom-Vertreter die Technolgie als effizient zur Bewältigung der anschwellenden Datenflut anpries. Diese habe seit 2012 um den Faktor 52 zugenommen, wobei Personen unter 26 Jahren acht mal mehr Datenverkehr auslösen, als Ältere. Diese Zahlen nannte Patrick Weibel, Programmleiter 5G bei Swisscom.

Der Stromverbrauch pro zu übertragende Dateneinheit sei bei 5G geringer, was die Akkus der Handy schone. 2025 werde etwa die Hälfte des mobilen Datenverkehrs über die 5G Plattform erfolgen, schätzt Weibel. Im Industriebereich ortet er verschiedene Anwendungen, aber auch bei selbstfahrenden Autos, landwirtschaftlichen Maschinen und in der Architektur.

Die Provider sähen sich einerseits mit steigenden Qualitätsansprüchen der Kunden konfrontiert, bei gleichzeitig viel strengeren Grenzwerten für die Antennenleistung als im Ausland. Dennoch sei eine heftige Polemik gegen 5G im Gange.

Auch in Grenchen wurde die Kritik im Vorfeld der Digital Days formuliert und den Veranstaltern vorgeworfen, man gebe nur der 5G-Lobby eine Plattform.

Nicht sicherer als Vorgänger

Das ist lediglich im Zusammenhang mit der nicht immer rational geführten Diskussion um Handystrahlung der Fall. Franco Cerminara von der Datensicherheitsfirma Infoguard wies auf Schwachstellen der neuen Technologie hin, die er insbesondere im Internet der Dinge ortet oder auch bei Alltagsanwendungen. «Babycams» oder Verkaufskühlschränke seien leicht zu knacken. Auch die Protokolle der Datenübertragung seien Schwachstellen. Und nicht zuletzt die Abhängigkeit von einigen wenigen Herstellern.