Regionalflughafen Grenchen

Neubau «Swiss Rotor Hub» – Grenchen wird zum Kompetenz-Zentrum für Helikopter

In einem neuen Hangar beim Airport Grenchen soll ein Kompetenz-Zentrum für Helikopter mit zehn bis fünfzehn hoch qualifizierten Arbeitsplätzen geschaffen werden. Kernstück des Neubaus sind Virtual Reality-Flugsimulatoren der neusten Generation für die Ausbildung von Helikopter-Piloten, dank derer Flugbewegungen eingespart werden können.

Oliver Menge
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Visualisierung des neuen Hangars beim Flughafen Grenchen.

Visualisierung des neuen Hangars beim Flughafen Grenchen.

zvg

Auf dem Regionalflughafen entsteht mit dem «Swiss Rotor Hub» in einem neuen Hangar ein Ausbildungszentrum für Helikopterpiloten. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Daniel Borer, Verwaltungsratspräsident der Centaurium Aviation Ltd, die als Bauherrin fungiert. Der Flughafen Grenchen hat in diesen Tagen die Unterlagen für das Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl eingereicht.

Der von der Grenchner Ivo Erard Architekten + Planer AG entworfene, zweigeschossige Neubau ersetzt den baufälligen grünen «Farner»-Hangar, der abgebrochen wird. Das selbe Planungsbüro hat bereits das neue Rega/LAT Ausbildungsgebäude erstellt und der neue Hangar wird im selben «look» daherkommen. Allerdings, so Borer, werde man auch einzelne Teile des alten Hangars, der ja für den Flugplatz Grenchen von grosser historischer Bedeutung sei, im neuen Gebäude integrieren und ihm so den Respekt erweisen, den es verdiene.

Neue Ausbildungsmöglichkeiten werden geschaffen

Der Regionalflughafen Grenchen ist schweizweit einer der wichtigsten Ausbildungsflughäfen: Die Rega hat erst kürzlich ihre neue Ausbildungsbasis eröffnet. Die European Flight Academy und die Horizon Swiss Flight Academy bilden bereits heute jährlich gegen 100 Piloten für Lufthansa und Swiss aus. Das nun geplante Helikopter Kompetenz-Zentrum ergänzt dieses Angebot. Die im Swiss Rotor Hub vorgesehenen, von der Dübendorfer Firma VRM betriebenen Flugsimulatoren ermöglichen realitätsnahes Üben auch von Notfallmanövern, Lasten- und Rettungsoperationen mit dem Helikopter. Dadurch können die Trainings zur Erhöhung der Flugsicherheit im Ausbildungszentrum weitgehend emissionsfrei und umweltfreundlich am Boden durchgeführt werden.

«Die neuen Simulatoren sind nicht mehr zu vergleichen mit den grossen Simulatoren, wie man sie zum Beispiel in Zürich am Flughafen noch hat, Kugeln auf Beinen, in denen die Piloten in einem ‹echten› Cockpit sitzen, von denen jeder zwischen 20-25 Mio. Fr. kostet. Die neue Generation von Simulatoren setzt ganz auf Virtual Reality», erklärt Daniel Borer. Konkret «fliegen» die Piloten in einem Sitz auf einer kleinen Plattform, welche die Flugbewegungen simuliert. Sie tragen Virtual Reality Brillen und werden in einem zweiten Entwicklungsschritt auch taktile Handschuhe tragen, welche die Wahrnehmung noch realistischer machen.

Helikopter Flugsimulator Es braucht keine Kugel - eine Virtual reality-Brille reicht.

Helikopter Flugsimulator Es braucht keine Kugel - eine Virtual reality-Brille reicht.

Oliver Menge

Das Fliegen sei sehr realistisch nachempfunden und basiere auf tatsächlichen, biomechanischen Grundlagen. Das habe ihn als Mediziner interessiert. Das Fliegen fühle sich auch sehr echt an: «Es tut richtig weh, wenn man abstürzt, aber es bleibt ungefährlich.» Man könne so Manöver trainieren, gefährliche Rettungsmissionen simulieren, die man praktisch, also mit echten Helikoptern, schlicht nicht üben könne, weil ein Fehler fatal und kostspielig wäre. «Theoretisch kann ein künftiger Helikopterpilot seine ganze Grundausbildung auf dem Simulator absolvieren. Steigt er danach in einen echten Helikopter, kann er nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch fliegen.» Damit entfällt ein Grossteil der sonst notwendigen Flugbewegungen.

Im neuen Campus im Obergeschoss des Gebäudes sind nebst Schulungsräumen auch Zimmer für die Übernachtung von Kursteilnehmern vorgesehen. «Wir werden zu einem Zentrum für die Helikopterpilotenausbildung in der Schweiz, das es bis jetzt noch nicht gab.» Nicht nur das: die Centaurum Aviation Ltd als Betreiberin des «Swiss Rotor Hubs» werde für kleinere Fluggesellschaften das sogenannte Aircraft Management übernehmen, falls diese das wünschen.
Im Erdgeschoss werden Hallen für die Wartung und den Unterhalt von Helikoptern erstellt. Auch die Firma Mountainflyers wird dort einziehen und sowohl Trainings- als auch Charterflüge anbieten. «Wir beabsichtigen nicht, die bestehenden Operators zu konkurrenzieren, das heisst, wir selber werden keine kommerziellen Flüge durchführen», erklärt Borer.

Centaurum will eigenes Wartungscenter aufbauen

Daniel Borer ist es vor rund fünf Jahren gelungen, die Schweizer Vertretung von Bell Textron zu übernehmen. Für Bell, einer der weltweit führenden Helikopter-Anbieter, liege Grenchen geradezu strategisch ideal, sagt er. Im Neubau an der Grenchner Flughafenstrasse wird folglich auch ein Showroom und ein Verkaufsbüro für Bell eröffnet. «Wir planen in einem zweiten Schritt auch, entweder eine eigene Maintenance – Wartung – aufzubauen und/oder mit einer der Partnerfirmen eng zusammenzuarbeiten.» Eine dieser Firmen, ist beispielsweise die in Altenrhein basierte «Rotortec», die für den Unterhalt der Bell/AB 206 Serie lizenziert ist.

Einer Medienmitteilung der Centarum Aviation Ltd ist zu entnehmen, dass der Airport Grenchen, welcher der Centaurium AG das Land im Baurecht zur Verfügung stellt, dem «Swiss Rotor Hub» optimistisch entgegenblickt. «Das Projekt passt exakt in unsere Strategie», sagt Ernest Oggier, Direktor des Regionalflughafen. Bereits heute fänden zwei Drittel der Starts und Landungen in Grenchen im Rahmen von Ausbildungsflügen statt. Die Gewichtsverschiebung vom Freizeit- zum Ausbildungsflugplatz setze sich mit der Inbetriebnahme des Swiss Rotor Hub fort.

Gerechnet wird mittelfristig mit maximal 200 zusätzlichen Helikopter-Flugbewegungen pro Jahr, was bei über 50000 Flugbewegungen insgesamt nicht ins Gewicht falle. «Ein Teil der Flugbewegungen entfällt auf Helikopter, die zur Wartung nach Grenchen kommen, umgekehrt entfallen solche Flüge, weil die in Grenchen stationierten Helis die Wartung vor Ort erledigen können. Und auch für die Pilotenausbildung benötigen wir natürlich Übungsflüge», erklärt Borer.

Umgekehrt würden durch die Schulung am Simulator mit Virtual Reality Flugbewegungen reduziert. Direktor Ernest Oggier hebt in der Medienmitteilung hervor, dass mit der Rückkehr des Helikopter-Unterhalts auf dem Flugplatz weitere hochqualifizierte Arbeitsplätze angesiedelt werden.

Stadt steht voll und ganz hinter dem Neubauprojekt

Auch Stadtpräsident François Scheidegger stellt sich hinter das Projekt. «Ich bin hoch erfreut über die namhaften Investitionen in unseren Flugplatz.» Grenchen baue damit seine Stellung als wichtigster schweizerischer Ausbildungsstandort für Pilotinnen und Piloten weiter aus.
Die Centaurium AG rechnet damit, dass mit dem Bau des Helikopter-Zentrums im Sommer begonnen und der Betrieb gegen Ende 2021 aufgenommen werden kann. «Spätestens aber im Frühling 2022», sagt Daniel Borer.

Daniel Borer Der Verwaltungsratspräsident der Centaurium Aviation Ldt, welche den Swiss Rotor Hub bauen will, steht vor dem alten Farner Hangar, der dem Neubau weichen soll.

Daniel Borer Der Verwaltungsratspräsident der Centaurium Aviation Ldt, welche den Swiss Rotor Hub bauen will, steht vor dem alten Farner Hangar, der dem Neubau weichen soll.

Oliver Menge

Nachgefragt

Initiator des neuen Kompetenzzentrums für Helikopter ist Daniel Borer, Verwaltungsratspräsident der Centaurium Aviation Ltd. Der 54-Jährige ist selber begeisterter Helikopterpilot.

Daniel Borer, wie sind Sie zur Fliegerei gekommen?

Daniel Borer: Ich hatte schon als Kind Freude an der Fliegerei, habe Flugzeugmodelle gebaut, die oft nur gerade einmal geflogen sind, bevor sie Schrott waren. Mein Vater war ebenfalls flugbegeistert, insbesondere von Zeppelinen. Deshalb besuchten wir öfters das Museum in Friedrichshafen. Und da hat mich das Virus – das darf man heute ja eigentlich nicht mehr sagen – erwischt. Aber es ist nur das Flugvirus.

Sie habe ja sowohl den Privatpilotenschein für Flächenflugzeuge als auch für Helikopter. Wieso «bevorzugen» Sie Helikopter?

Helikopterfliegen entschleunigt. Im Gegensatz zu Flugzeugen, die hohe Geschwindigkeiten brauchen, um überhaupt zu fliegen, kann man im Helikopter die Landschaft, die Bergwelt auf eine ganz andere Art erleben. Dazu kommt, dass mich die anspruchsvolle Technik fasziniert.

Ihre Firma, die Centaurium Aviation Ltd, hat die Schweizer Vertretung von Bell Textron, wie kam es dazu?

Einen Grossteil meiner Flugausbildung absolvierte ich in den USA. Auch die diversen Weiterbildungen, die ja typenspezifisch sind. Bei einem solchen «Rating» lernte ich den Verkaufsverantwortlichen von Bell für Europa kennen, und so kam eines zum anderen.

Also war auch Grenchen deren erste Wahl?

Die Verantwortlichen von Bell waren der Meinung, dass Grenchen strategisch genau richtig liege. Als sie dann noch feststellten, dass Grenchen alles zu bieten hat, was einen guten Flughafen ausmacht, von der Flugsicherung im Tower bis zur Möglichkeit, vollautomatisch per GPS oder Leitstrahl zu landen und zudem der wichtigste Ausbildungsflughafen der Schweiz ist, bestärkte sie das in ihrem Vorhaben. Grenchen hat einfach alles zu bieten.

Durch die Flugsimulatoren vermeidet man echte Flugbewegungen und ist umweltfreundlich unterwegs. Ist auch bei Helikoptern mit umweltfreundlichen Antrieben zu rechnen?

Ganz bestimmt! Bell Textron forscht auch intensiv auf dem Feld der Urban Mobility und der Entwicklung neuer, umweltverträglicher Fluggeräte. Neue Antriebe werden kommen, das werden wir noch erleben. Auch im Bereich der Urban Mobility werden wir ganz neue Wege gehen. In Grenchen sind wir an einem ausgezeichneten Standort, mit den hier ansässigen Firmen im Bereich der Mikroelektronik und -mechanik.

Wie sehen Sie in diesem Bereich die Zukunft?

Man sieht es bereits jetzt in den Mega-Citys, wo der Verkehr unter dem Boden und auf dem Boden seine Kapazitätsgrenzen erreicht hat. Denkbar ist, dass mit diesen Technologien in vielleicht 30 Metern Höhe eine neue Verkehrsebene geschaffen wird. Dass die Menschen beispielsweise in autonom fliegenden Bussen von A nach B transportiert werden. Mit unserem neuen Hub bieten wir eine Plattform für die Entwicklung solcher Zukunftstechnologien.