Der Kämpfer

Sein eiserner Willen half dem Grenchner durch Höhen und Tiefen

Sein Vater verstarb, als er sechs Jahre alt war, seine Frau liess ihn mit zwei Söhnen alleine und ein Töff-Unfall beendete beinahe seine Gewichtheber-Karriere: Dies ist die bewegende Lebensgeschichte des heute 78-jährigen Kurt Schenk.

Simon Binz
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Kurt Schenk trainiert schon seit vielen Jahren junge Gewichtheber
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Der 78-Jährige schwärmt von den Junioren
Diese Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit
Schenk ist von der Wirkung des Gewichthebens - auch für Fussballer - überzeugt
Der Jüngste im Bunde, Michi Schenk, hatte erst gerade 3 Wochen zuvor mit dem Training begonnen
Er sei eine Kanone im Fussball, Gewichtheben mache er mehr zum Spass, sagt Grossvater Kurt über den Jüngsten der Schenk-Familie
Während seine Jungs nach dem Heben ihren Auslauf machen, bereitet Kurt Schenk jeweils die nächste Gewichtsstufe vor
Die richtige Technik und nicht zuviel Gewicht
Die Resultate seiner Enkel hält er natürlich auf Papier fest
Gewichtheber Kurt Schenk im Training mit Jugendlichen

Kurt Schenk trainiert schon seit vielen Jahren junge Gewichtheber

Simon Binz

Kämpfen. «Wenn du zurück bist, mache ich 100 Kilo.» Bruno schaut Kurt verunsichert an. Er weiss ganz genau, dass sein Freund das nicht schaffen kann. Will er ihm aber auch noch die letzte Hoffnung nehmen? «O. k.», sagt er nur. «Wirst schon sehen», setzt Kurt noch einen drauf. Bruno dreht sich wortlos um und verreist nach Italien. Drei Wochen später sieht er es dann. Kurt stemmt nicht 100 Kilo, nein er stemmt 107 Kilo. Und Herkules, wie sie ihn früher nannten, schwor sich in diesem Moment, die Zweifler ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen.

«Es ist seltsam, diese Szenen liegen mehr als 40 Jahre zurück, ich kann mich aber noch genau an den Moment erinnern, als ich endlich wieder Gewichte stemmen konnte.» Der alte Mann mit den erstaunlich breiten Schultern räuspert sich, rückt etwas näher zum Tisch vor, greift nach seiner Ovomaltine und nimmt einen Schluck.

«‹Du lügst den Mann doch an!» Zum x-ten Mal wird Kurt Schenk unterbrochen. Den Gewichtheber kennt in Grenchen, und vor allem hier im Bistro «Bambi», praktisch jeder. Darauf angesprochen, sagt der Vater und Grossvater, dass er das «Bambi» schon seit 55 Jahren besuche. «Rechts beim Eingang ist mein Platz, das weiss jeder, es ist, als hätte ich den gekauft.» Er hustet, holt Luft und fährt mit seiner Erzählung fort.

Sein Unfall

Samstagmorgen. September 1964. In zwei Wochen hätte Kurt Schenk das erste Mal an einer Sommerolympiade starten können. Die Limite für Tokio hatte der Gewichtheber im Jahr zuvor gepackt. «Ich hatte eine bombenmässige Form, am Tag machte ich rund 38 Tonnen und Kniebeugen mit rund 300 Kilo.» Schenk fuhr mit seinem Töff in Selzach um eine Kurve. «Da kam mir ein VW-Bus entgegen. Der erwischte mich mit der vorderen Stossstange oberhalb des rechten Töff-Schuhs.» Die Stossstange schnitt sich durch seinen Unterschenkel, wie ein warmes Messer durch die Butter. Erst bemerkte Schenk gar nichts. Als er aber aus der Kurve heraus schalten wollte und nichts passierte, wunderte er sich und hielt an. Er schaute nach unten und sah nur einen Stummel – im Sekundentakt spritzte Blut.

«Dann drehte ich mich um und sah, dass mein Fuss auf der Strasse lag. Einfach so im zugeschnürten Schuh. Ein komisches Bild.» Schenk stieg vom Motorrad, band seinen Stummel ab und hüpfte zu seinem Fuss. Als er diesen mitsamt Schuh in den Händen hielt, kam die Wirtin eines nahe gelegenen Restaurants angerannt. «‹Ich habe Durst.› Das war alles, was ich zu ihr sagte. Sie drückte mir zwei Liter Mineral in die Hände und rief die Ambulanz.» Die zwei Liter hatte Schenk innert Kürze leergetrunken.

Seine Wut

Der Krankenwagen brachte Kurt Schenk nach Grenchen. Dort hiess es: «Da machen wir einen schönen Stumpen.» «Nichts da, bringt mich nach Solothurn», befahl Schenk, noch immer seinen Fuss umklammernd. Lehner, der Solothurner-Chefarzt, bereitete sogleich eine Notoperation vor. «Ich versuche, deinen Fuss zu retten, unsere Chancen liegen aber nur bei zwei Prozent», so Lehner zu Schenk. Dieser, fest von den Fähigkeiten des Chirurgen überzeugt, vertraute ihm seinen Fuss an.

Rund sieben Stunden nach dem Unfall, öffnete Kurt Schenk seine Augen. Auf dem Bettrand vor ihm sass sein Arzt. Schenks Fuss hing in einer Art Gitter. Eingegipst. Vorne schauten die Zehen raus. «Wenn du den grossen Zeh bewegen kannst, dann haben wir Glück, wenn du ihn nicht bewegen kannst, müssen wir den Fuss abnehmen.» Lehner versuchte gar nicht erst, falsche Hoffnungen zu wecken. Schenk konzentrierte sich; auf Anhieb klappte es. Noch bevor der Patient etwas sagen konnte, meinte sein Arzt: «Jetzt habe ich diesen berühmten Stein fallen hören ...»
Einige Wochen musste Kurt Schenk zur Genesung im Spital verbringen. In diese Zeitspanne fiel auch das Jubiläum des Solothurner Stemm- und Ringclubs. «Sie feierten im Landhaus, einige hundert Meter von meinem Krankenbett entfernt, doch kein Einziger kam mich besuchen. ‹Der kann eh nie mehr Gewichte heben, das ist vorbei›, haben sie gesagt.» Die Stimme des alten Mannes wird laut. Er ballt seine Faust und schlägt auf den Tisch. Für einen kurzen Moment gewährt er einen Blick hinter die Fassade des stets gut gelaunten Kurt Schenk. Er ist wütend. Noch wütender wurde aber der Kurt Schenk, der vor über 40 Jahren im Spitalbett vergebens auf seine Gewichtheber-Freunde wartete. Es war der Moment, als er sich schwor, dass er jeden von ihnen einholen werde.

Seine Kindheit

Kämpfen. Das lernte Kurt Schenk früh in seinem Leben. Sein Vater, ein Bierbrauer, Säufer und Kettenraucher – «aber ein lieber Kerli» – war während des Zweiten Weltkrieges an der Grenze stationiert. Wegen eines Hustens wurde er im Militärspital Grindelwald untersucht. Diagnose: Lungenkrebs. Noch in derselben Nacht flüchtete er zu seiner Familie nach Grenchen und arbeitete noch so lange, wie er konnte. Dann kam der Tag, als der sechsjährige Kurt seinen Vater ins Spital begleitete. Unterwegs, unter der Eisenbahnbrücke, stoppte Werner Schenk, drehte sich zu seinem Sohn und sagte: «Kurt, rauf laufen wir noch, aber runter fahren wir dann.» – «Er spürte, dass er nicht mehr nach Hause kommen wird», sagt der 78-jährige Kurt nachdenklich. Der sechsjährige Kurt schwor sich damals, nie mit dem Trinken oder dem Rauchen anzufangen.

Im Frühling 1943 starb Werner Schenk im Alter von nur 38 Jahren. Er hinterliess seine Frau Anna mit vier Buben. Nach dem Tod des Vaters spürte die Familie die Konsequenzen seiner Fahnenflucht: Das Militär lehnte jegliche finanzielle Hilfe ab. Für die Hinterbliebenen begann eine schwierige Zeit. Mutter Schenk wurde schwer krank und musste unzählige Operationen über sich ergehen lassen. Für alle Buben zu sorgen, war ihr unmöglich. Von Vormundschaft wollte die stolze Frau aber nichts wissen. Einer der Buben musste darum zum Onkel auf die «Grossbuurerei» nach Chur. «Ich war ein Hallodri in jungen Jahren, also fiel die Wahl auf mich.» Der Onkel, Karl Wild, war eigentlich gar kein Onkel der Buben, sondern ein guter Freund des Grossvaters. «Er hat mich aber aufgenommen und war von da an mein Vaterersatz.»

Der kleine Kurt wuchs fortan als Bauernjunge auf und besuchte auch die Schule in Chur. Jeden Tag vor dem Unterricht musste er elf Kühe melken, seine Sommerferien verbrachte er oft alleine auf dem Feld mit den Pferden, und während der kalten Winter musste er draussen schuften. Und Zuckerrüben schrubbte er. Unzählige. Bis er seine Finger nicht mehr spürte. «Mir spielte das aber keine Rolle, ich habe die ‹Buurerei› geliebt. Mein Onkel und ich, wir hatten ein Bombenverhältnis, bis zuletzt, als er starb.»

Seine Gefühle

Karl Wild, Onkel und Vaterersatz für Kurt Schenk, verstarb vor eineinhalb Jahren. «Mit 98 Jahren ist er eingeschlafen. Seine Frau starb zwei Jahre zuvor, auch sie wurde 98. Auch sie ist eingeschlafen. Ich hoffe, ich darf auch einmal so gehen. Natürlich werde ich aber 198 Jahre alt, und werde auch dann noch Gewichte stemmen», sagt Kurt Schenk und lacht laut auf – wie so oft.

Dann aber überrascht der starke Mann. Er wird ernst und seine Stimme ganz weich. «Ich verdanke meinem Onkel viel. Ich werde ihm auch, so lange ich noch lebe, das Grab machen. Jeweils im Herbst und im Frühling. Dann fülle ich den Kofferraum mit Blumen. Ich nehme aber solche, die lange halten, nicht dass sie nach 14 Tagen schon wieder den Kopf hängen lassen.» Der alte Mann mit den breiten Schultern senkt seinen Kopf und wird noch ruhiger. Seine Stimme nimmt einen fast heiseren Ton an. «Er hat ja eigentlich nichts mehr davon, ich weiss ja auch nicht, ob er es überhaupt sieht, vielleicht schon ... Ich werde ihn aber sicher nie vergessen. Die schöne Zeit, die wir zusammen hatten, jösses Gott ...» Schenk ist den Tränen nahe. Er pausiert. Dann murmelt er: «Heiligi Sterne ... Momol», und gibt damit das Zeichen, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Themenwechsel gekommen ist.

Seine Willensstärke

Auch zwei Jahre nach seinem Unfall, musste Kurt Schenk noch an Krücken gehen. Gewichtheben, sein Sport, sein Leben, schien auf einmal ganz weit weg. Er wollte und konnte es nicht wahrhaben. In einem kleinen Raum im Grenchner Fussballstadion Riedern mühte er sich ab. Egal ob Sommer oder Winter, jede freie Minute versuchte er, Gewichte zu stemmen. «Stundenlang habe ich mich gequält. Probiert, probiert, probiert. Wieder und wieder und immer wieder.» Sein zu hartes Training liess seine Naht anfangs so stark anschwellen, dass er jeweils drei Tage pausieren musste. «Einige Male bin ich zusammengebrochen, habe mir die Augen ausgeheult und mich selbst gefragt, ob es überhaupt noch Sinn macht, nur um mir dann wieder einzureden, dass es möglich ist.» Diese Tortur zog sich über drei Jahre hin, bis sich plötzlich, völlig unerwartet, etwas veränderte. «Da ich tagein, tagaus den Umfang meines Fusses mass, bemerkte ich, wie er plötzlich weniger anschwoll.» Schenk schöpfte neue Hoffnung. Andere hingegen glaubten kaum noch an einen Fortschritt. So auch Bruno Rüefli, Schenks Gewichtheber-Freund. Bis er 1967 von seinen dreiwöchigen Sardinien-Ferien nach Hause kam ...

Seine Bescheidenheit

Dreieinhalb Jahre nachdem Kurt Schenks Fuss bei einem Töffunfall komplett von seinem Bein abgetrennt wurde, ging der wieder erstarkte Gewichtheber das erste Mal an einen Wettkampf. Wie er sich selbst geschworen hatte, überholte er dort einen nach dem andern und triumphierte. Ein Jahr darauf gewann er dann gleich nochmals und noch ein Jahr später wieder und wieder und wieder. Neunmal in Folge wurde Kurt Schenk Senioren-Schweizer-Meister im Gewichtheben. Das letzte Mal mit 48 Jahren. Und als wäre dies nicht schon Beweis genug für seinen eisernen Willen, folgte 1988 auch noch der Titel an der Senioren-Europa-Meisterschaft in Salzburg.

Als er es definitiv allen bewiesen hatte, begann seine erfolgreiche Karriere als Trainer. Bis heute hat er insgesamt 17 Junioren-Schweizer-Meister hervorgebracht. Darunter auch sein Sohn Harald und sein Enkel Andreas. Übrigens nur zwei der Mitglieder der Schenk-Familie, die ebenfalls Gewichte stemmen. Um Kurt Schenk selbst aber wurde es stiller – das behauptet er zumindest. Lediglich den Solothurner Sportpreis von 1999 erwähnt er noch kurz. «Da bekam ich 3000 Franken steuerfrei, das höchste Preisgeld, das ich je erhielt.» Und auch von seiner «bombastischen» Zeit in Australien, als er 2002 in Melbourne an der Seniorenolympiade teilnahm, erzählt er noch. «Da wurde ich in meiner Gewichts- und Altersklasse aber nur Vierter.» Die Tatsache, dass er dabei schon 66 Jahre auf dem Buckel hatte, lässt er in seiner Erzählung aber genauso weg wie die Ehrungen der Stadt Grenchen: Diese zeichnete ihn für sein Schaffen in einer Schweizer Randsportart, für sein Engagement in der Jugendförderung, aber auch wegen seiner sportlichen Erfolge im Gewichtheben mehrmals mit dem Sportlerpreis und dem Sportförderpreis aus.

Seine Enttäuschung

Kämpfen. Das lernte Kurt Schenk auch als alleinerziehender Vater. «Ob es hart war?» Kurt Schenk wiederholt die Frage und gibt eine Antwort, die man von ihm erwartete: «Es musste einfach gehen.» Etwas offener spricht sein jüngerer Sohn Harald: «Ich glaube, es war für ihn schon extrem schwierig, vor allem finanziell. Wie es in ihm drinnen aussah, das wussten wir nicht. Das versteckte er. Ich nehme an, es machte ihm schon zu schaffen. Wem hätte es nicht?»

Kurt Schenk war 23 Jahre alt, als er seine Frau kennen lernte – drei Jahre später, 1963, heiratete er sie. 1964 kam Rolf zur Welt. 1968 folgte Harald. Zwölf Jahre später verliess die Mutter die Familie. «Sie konnte mit den Kindern nichts anfangen. Zu mir sagte sie, ich könne mit ihr kommen, oder bei den Kindern bleiben.» Schenk entschied sich für seine Kinder und gab seiner Frau eine Gnadenfrist von drei Jahren. «Ich sagte zu ihr, wenn es dann wieder geht mit den Buben, dann ist das in Ordnung, dann vergessen wir alles und fangen von vorne an.»

Aber es ging nicht mehr. 1983 folgte die Scheidung. «500 Fränkli. Ich 250, sie 250 und anschliessend gingen wir noch zusammen essen. Kein Anwalt, nichts. Heute kommen wir gut aus.» Das wars? «Klar, es war nicht immer einfach. Ich wusste nie genau, ob sie nochmals kommt oder nicht ... zuletzt musste ich aber einsehen, dass es so besser war.» Enttäuscht oder wütend wegen der gescheiterten Ehe sei er aber nicht, und sei es auch nie gewesen. Dass dies keine Worthülse ist, zeigt sich darin, dass er nicht einfach seiner Ex-Frau die Schuld für alles gibt. Vielmehr spricht er davon, dass es in ihrer Familie nur schlechte Vorbilder gab. «Über Generationen gab es nur heiraten, scheiden, heiraten, scheiden.»

Trotz aller Lockerheit spürt man, dass bei Schenk ein gewisser Ärger unter der muskulösen Oberfläche schlummert. Das verrät seine Körpersprache: Er verwirft die Hände oder ballt seine Fäuste, wenn er erzählt, wie seine Ex-Frau «zwischendurch heulend nach Hause kam, wenn sie wieder von einem ihrer Männer geschlagen wurde.» Spricht man seinen Sohn Harald auf die bewegte Vergangenheit an, meint dieser: «Es braucht immer zwei: Man hört sich beide Seiten an, nimmt die Mitte und dann stimmt die Geschichte in etwa.» Er glaubt, dass sein Vater auch nicht komplett unschuldig war. «Ich verstehe seinen Unmut, auf der anderen Seite hätte es halt auch schon damals nicht nur das Gewichtheben gegeben. Das war aber sein Heiligtum und schliesslich auch das, was ihm immer geblieben ist. Daran hält er fest.»

Seine Abstinenz

Die Vergangenheit mit seiner Frau prägte Kurt Schenk offensichtlich mehr, als er sich selber eingestehen will. In einem Punkt aber gibt er es unumwunden zu. Nach der gescheiterten Ehe schwor er sich nämlich, nie mehr zu heiraten. Und nicht nur das, er hielt sich komplett von Frauen fern. Freundschaften ja, das sei für ihn in Ordnung gewesen. Das habe er auch heute noch. Aber mehr wollte und wolle er nicht mehr. «Jetzt wäre ich auch zu alt. Ich könnte mich nicht mehr fügen, ich war ja so lange alleine.» Und mit der Familie habe er so oder so genug Leben um sich. Dann erzählt der gelernte Käser und langjährige Maler stolz davon, dass er mit seinen Söhnen und deren Familien unter einem Dach lebe. Immer noch im gleichen Haus, wo er sie damals alleine grosszog.

Dass Kurt Schenks Frauen-Abstinenz für einige nicht immer ganz nachvollziehbar ist, bekommt der 78-Jährige oft zu spüren. Viele Frauen hätten ihn gefragt, wie er ohne sie könne. «Noch heute fragen sie mich. Ich habe aber genug um die Ohren. Und das Andere hat mir auch nie gefehlt, überhaupt nicht.» Er erzählt von einer Frau, die ihn kürzlich auf das «Andere» angesprochen habe. «Ich sagte ihr, ich habe zwei gesunde Hände, wenn es denn ums Verrecken sein müsse.» Diesen Satz sagt er, ohne eine Miene zu verziehen.

Seine Zukunft

Kämpfen. Das musste Kurt Schenk viele Male in seinem Leben. Nicht weiterzumachen war für ihn nie eine Option. «Immer wieder sagte ich zu mir selbst, dass ich mich mit der Situation abfinden muss und fertig. Ich glaube, dank dieser Einstellung habe ich nie einen Schaden davongetragen.» Den Tod, den wird aber auch ein Kurt Schenk nicht bekämpfen können. Eine Tatsache, die ihn auch nicht weiter zu beunruhigen scheint. «Ich glaube, wenn es so weit ist, dann schlafe ich ein, gleich wie mein Onkel», sagt er nur und meint dann noch, dass er eigentlich nicht zu viel darüber nachdenken wolle. Dies sei auch der Grund, warum er nicht mit Gleichaltrigen verkehre. «Die sind nur am Jammern. Hast du auch das, und dieses tut mir zwischendurch auch noch weh», äfft er frech die Klischee-Alten nach. Und meint anschliessend, dass ihm dann vom Zuhören plötzlich auch alles wehtue.

2017 will Kurt Schenk ein letztes Mal kämpfen. Mit 80 Jahren will er in Neuseeland an der Seniorenolympiade teilnehmen und wenn möglich eine Medaille holen. Ansonsten plane er aber nicht mehr zu viel. «Ich trainiere mit den Jungen und mache selber noch etwas Fitness. Wahrscheinlich hebe ich auch noch ein wenig Gewichte, ich kann es ja so oder so nicht lassen. Aber einfach mit Mass.» Kämpfe aber soll es in Kurt Schenks Leben keine mehr geben. «Obwohl», sagt er, stoppt abrupt, grinst schelmisch, nimmt nochmals einen Schluck von seiner Ovomaltine und sagt dann lachend: «Wahrscheinlich werde ich auch im Himmel noch Wettkämpfe bestreiten – oder dann in der Hölle.»

Simon Binz hat berufsbegleitend die Journalistenschule MAZ in Luzern besucht und das Journalismus-Studium mit dieser Diplomarbeit abgeschlossen.