Kulturhistorisches Museum

So fliegt sich die 84-jährige Dewoitine

Das Flugzeug Dewoitine D.26 «Stadt Grenchen» ist wieder auf dem Flughafen in Grenchen stationiert. Doch wie fliegt sich der 84-jährige Oldtimer? Paul Misteli referierte über die einzigartige Maschine.

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Paul Misteli mit «seiner» Dewoitine D26.

Paul Misteli mit «seiner» Dewoitine D26.

Der Flugzeug-Oldtimer Dewoitine D26 ist einer von nur noch zwei erhaltenen Maschinen dieses Typs aus dem Jahr 1931. Sie flog viele Jahre als Schleppflugzeug in Grenchen und wurde nach einer Odyssee vom eigens dafür gegründeten Verein «Hangar 31» letztes Jahr wieder zurück nach Grenchen geholt, wo sie heute stationiert ist.

Chefpilot des Vereins ist Paul Misteli. Er referierte im Kulturhistorischen Museum über die einzigartige Maschine, die aber Misteli trotz einiger Tücken (am Boden) offensichtlich schon ans Herz gewachsen ist. «Das Flugzeug hat eine wunderbare Form, der Neun-Zylinder-Sternmotor ist ein Bijou und läuft zuverlässig wie ein Wecker. Die Steigleistung ist super. Einzig die Bremsen sind ziemlich gewöhnungsbedürftig», erklärte der erfahrene Pilot.

Misteli erzählte in seinem lebendigen, von vielen Bildern und Videos untermalten Vortrag über seine ersten Flüge mit der einsitzigen Maschine. Dies heisst auch: Es gibt keinen Co-Piloten, der einen fliegenderweise instruieren kann. Ohne einen einzigen Testflug ist Misteli am 9. Mai mit der Dewoitine nach Grenchen geflogen.

«Es war zuerst schon ein etwas mulmiges Gefühl. Und ich durfte nicht mal auf der fahrwerkfreundlichen Graspiste landen. Doch alles ging gut», blickte er auf seinen ersten Flug zurück. Etliche weitere, so zu Flugtagen in Ambri, Langenthal, Sitterdorf und Dittingen kamen dazu.

Schmieren und salben ...

Glücklicherweise hat Misteli, selber im Militär Flugzeugmechaniker, in seinem Fundus ein historisches Handbuch zur fast baugleichen D27 gefunden. Denn der Oldtimer verlangt nach einer intensiven Wartung: Alle 5 Flugstunden ist ein Schmierservice fällig (3 Stunden Arbeit) und alle 25 Flugstunden sind 2 bis 3 Mann während mehr als eines Tages beschäftigt. «Um den Aufwand in Grenzen zu halten, möchten wir deshalb nicht mehr als etwa 25 Stunden jährlich fliegen», meint Misteli.

«So müssen wir schweren Herzens auch eine Einladung nach Duxford ablehnen», sagte Vereinspräsident Peter Brotschi am Rande der Veranstaltung. Das berühmteste Warbird-Treffen Europas muss also noch etwas warten. So will man sich zunächst auf einheimische Fly-ins und die Nachbarländer beschränken.

Das Interesse an der 85-jährigen Maschine bei Fliegerfans sei gross, besonders, wenn man eine Doppelpatrouille mit dem zweiten noch erhaltenen Flugzeug zeigen könne, das in der Westschweiz stationiert ist.

Spätestens am 9. April wird die D26 «Grenchen» wieder fliegen. Dann wird der Verein seine erste Generalversammlung abhalten. Bereits für günstige Fr. 25.– im Jahr kann man dort Mitglied werden. (at.)