Ständeratswahlen

Kann Brudermann den anderen Kandidaten Stimmen wegnehmen?

Ständerats-Finale mit Trittbrettfahrer am 4. Dezember: Peter Brudermann drängt sich ins Scheinwerferlicht zwischen Pirmin Bischof und Kurt Fluri. Beide gestandenen Parteien zeigen sich unbeeindruckt. Doch Brudermann könnte den Stimmen sammeln.

Theodor Eckert
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Solothurn im Ständeratswahlkampf

Solothurn im Ständeratswahlkampf

Solothurner Zeitung

Doch der links-konservative Selzacher (so seine Selbstdeklaration) wird im Schatten der Nationalräte gehörig den Hals recken müssen, wenn er nur etwas von der Helligkeit abbekommen will. So viel ist klar: Der Berufsschullehrer wird auch in Zukunft in der Schulstube und nicht im Stöckli referieren.

Trotzdem drängt sich unweigerlich die Frage auf: Gelingt es ihm allenfalls, einer der beiden Politgrössen einen Lineal zwischen die Beine zu werfen, nimmt er also eher dem CVP- oder dem FDP-Mann Stimmen weg? Aus Brudermanns Sicht am liebsten allen beiden. Er sieht sich als Gegenpart zu den Juristen, die ungehemmt Verwaltungsratsmandate sammeln würden. Damit setzt er offenkundig auf Protestwähler.

12500 Stimmen ergattert

Brudermann sieht sich als Alternative, das Politestablishment spricht von einer Jux-Kandidatur? Wir erinnern uns: Bei den Regierungsratswahlen vor zehn Jahren hat er im ersten Wahlgang stolze 12500 Stimmen ergattert. Dies nimmt man in den Parteizentralen durchaus zu Kenntnis.

CVP-Präsidentin Annelies Peduzzi zeigt sich erstaunt ob der Kandidatur eines parteilosen SP-Mitglieds («wie funktioniert das?») und sieht diese in erster Linie als Störaktion. Das komme bei den Wählerinnen und Wählern kaum gut an und sei für Brudermann eher kontraproduktiv. Peduzzi weiter: «Es ist schwierig abzuschätzen, was dieser Auftritt bedeutet. Sicher ist jedoch, dass nun eine sehr strenge Zeit anbricht. Ungeachtet der neuen Ausgangslage muss meine Partei um jede einzelne Stimme kämpfen.»

Nein, wegen Brudermann komme man nicht gleich ins Zittern, schliesslich habe man den besten Kandidaten, ergänzt die Präsidentin auf die entsprechende Frage. Pirmin Bischof reagierte unmittelbar nach Bekanntwerden des zusätzlichen Widersachers ebenfalls erstaunt, aber gelassen und fragte lakonisch: «Wer ist das, wie heisst er genau?»

Hoffnung auf die SVP

FDP-Präsident Christian Scheuermeyer zeigt sich ebenfalls nicht sonderlich beunruhigt, betont jedoch, dass man die möglichen Auswirkungen der neuen Kandidatur intern noch nicht diskutiert habe. « Wir hatten bisher noch keine Zeit, denn wir haben in diesen Tagen intern hart gearbeitet und viele positive Signale bezüglich unseres Ständeratskandidaten Kurt Fluri erhalten.»

Wichtig wäre primär, dass nun möglichst viele Leute am zweiten Wahlgang teilnähmen. Scheuermeyer hofft dabei nicht zuletzt auf SVP-Wähler: «Diese sollten der FDP und deren KMU-freundlichen Kandidaten näherstehen.» Dieser hat den dritten Mann ebenfalls mit Verwunderung zu Kenntnis genommen. Die Spielregeln müssten jedoch nicht geändert werden. Kurt Fluri hat Brudermann schon an Diskussionen erlebt: «Er präsentiert sich gerne als Mann des Volkes.» Wie das Volk Brudermann tatsächlich einschätzt, wissen wir spätestens in fünf Wochen.