Obergericht

46-Jähriger bestreitet, seine Tochter sexuell missbraucht zu haben

Als seine Tochter zwischen 7 und 11 Jahre alt war, soll Johannes T.* sie aufs schwerste sexuell missbraucht haben. Am Mittwoch musste sich der 46-Jährige deswegen vor dem Obergericht verantworten.

Hans Peter Schläfli
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Das Mädchen soll bei den ersten Übergriffen erst 7 Jahre alt gewesen sein. (Symbolbild)

Das Mädchen soll bei den ersten Übergriffen erst 7 Jahre alt gewesen sein. (Symbolbild)

Keystone

Eigentlich muss das letzte Wort, das einem Angeklagten zum Abschluss eines Strafprozesses zugestanden wird, kurz gehalten sein. Bei Johannes T. machte das Obergericht eine Ausnahme. Es liess den psychisch erkrankten Mann, der heute von einer Invalidenrente lebt, seine Lebensgeschichte vorlesen. Es war eine lange, unheimliche Leidensgeschichte, die der wortgewandte Mann da erzählte.

Seine erste grosse Liebe sei bei einem Unfall ums Leben gekommen. Seine asiatische Ehefrau litt unter Schizophrenie und stürzte in die Drogen ab. Seine Tochter musste als Neugeborene in der Intensivstation einen Drogenentzug durchlaufen und wäre dabei wegen eines ärztlichen Kunstfehlers beinahe gestorben. Später beging die psychisch kranke Frau Selbstmord und hinterliess den emotional total überforderten Mann mit zwei traumatisierten Kindern.

Zwar bestritt Johann T., seine Tochter je sexuell missbraucht zu haben. Aber er lieferte bei der Befragung vor dem Obergericht eine Art Erklärungsversuch: «Sybille* hat einmal zu mir gesagt, sie wolle an die Stelle der toten Mutter treten. Das hat mich total überfordert, ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht will, dass ich sie nur als meine Tochter liebe.»

Er sei gar nie alleine mit den Kindern gewesen. «Es war immer die Grossmutter oder eine Freundin bei uns. In dieser Zeit haben meine Kinder ja nicht einmal bei mir gewohnt», sagte Johannes T. Dann holte er zu einer Art Verschwörungstheorie aus, beschuldigte die Polizei, ihn zu Unrecht und vor den Augen seiner Kinder mit gezogenen Waffen verhaftet zu haben. Fast alle Lehrer, Vormundschaftsbehörden und Ärzte, mit denen T. in den letzten Jahren zu tun hatte, wurden ebenfalls mit schweren Vorwürfen bedacht.

Verteidigerin Stephanie Selig forderte einen Freispruch in allen Anklagepunkten ausser dem Besitz von unerlaubter Pornografie, die aber auf einem längst nicht mehr gebrauchten Handy abgespeichert gewesen sei. «Die Schilderungen des Mädchens wurden mit vielen suggestiven Fragen provoziert», erklärte Selig, «wie zum Beispiel, ob sie ihn an Orten küssen musste, wo es ihr unangenehm gewesen sei. Da musste sie nur noch Ja sagen.» Wirkliche Beweise gebe es nicht, deshalb gelte der Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten».

Staatsanwalt: Therapie statt Strafe

Staatsanwalt Lukas Büttiker verlangte Schuldsprüche wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Schändung, Inzucht und Pornografie. Er beschrieb das Bild eines leidenden Mädchens, dass bei den Aussagen gegen ihren Vater Hilfe suchte, aber gleichzeitig grosse Angst vor den Konsequenzen hatte und den Vater immer wieder in Schutz nahm. «Das Opfer hat von sich aus sexuelle Handlungen umschrieben, ohne zu verstehen, was da passiert ist. Deshalb ist es glaubwürdig.»

Die Schändung, von der Johannes T. vor Amtsgericht Dorneck-Thierstein noch freigesprochen wurde, sei ebenfalls gegeben, da das Opfer bei den ersten Übergriffen erst 7 Jahre alt gewesen sei. Deshalb forderte Büttiker eine schärfere Sanktion, nämlich eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten.

«Johannes T. leidet an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Aber er hat seine Einstellung in den letzten Jahren geändert und er steht einer stationären therapeutischen Massnahme nicht mehr negativ gegenüber.» Nicht zuletzt, weil der Angeklagte in letzter Zeit mehrmals aus freien Stücken Hilfe in einer psychiatrischen Klinik gesucht hatte, empfahl der Staatsanwalt eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt anstelle einer Gefängnisstrafe.

Das Urteil des Obergerichts ist in den nächsten Tagen zu erwarten.

*Namen von der Redaktion geändert.