Littering

Abfall an allen erdenklichen Orten – Die Wegwerfgesellschaft lässt grüssen

Eigentlich ist das Wegwerfen und Liegenlassen von Abfall verboten – Bussen bleiben im Kanton Solothurn aber eine Seltenheit. Was läuft schief?

Patric Schild
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Besonders Nachtschwärmer hinterlassen immer wieder die Spuren ihres feuchtfröhlichen Wirkens.

Besonders Nachtschwärmer hinterlassen immer wieder die Spuren ihres feuchtfröhlichen Wirkens.

Andreas Kaufmann

Zigarettenstummel und Kaugummis auf der Gasse, Hundekot am Strassenrand, Bierflaschen und Aludosen auf der Juraweide, gar eine «entsorgte» Polstergruppe auf der Autobahnraststätte: Das Littering-Spektrum ist riesig. Und riesig sind auch die Abfallberge, die mehr oder weniger täglich im öffentlichen Raum der drei Städte im Kanton liegengelassen werden.

Autobahnen: 300 Tonnen Abfall

Aber nicht nur in den Städten ist Littering ein Thema. Rund 300 Tonnen Abfall häuften sich dieses Jahr alleine auf den Solothurner Autobahnen und Raststätten an. Dies beinhaltet allerdings auch herkömmlichen Abfall und nicht nur Littering.

Aber ab 2010 vermerkte das Unternehmen Nationalstrassen Nordwestschweiz (NSNW AG), zuständig für den Autobahnunterhalt in den Kantonen Solothurn, Aargau und Basel, einen sprunghaften Anstieg der zurückgelassenen Abfallmengen.

Dies habe sich zwar mittlerweile eingependelt und man verharrt zumindest auf den Vorjahreszahlen, sagt Thomas Leuzinger, Leiter Betrieb bei der NSNW AG.

Dennoch befinden sich die Littering-Mengen noch immer auf hohem Niveau. Den grössten Teil mache dabei Müll aus dem Foodbereich aus. Grundsätzlich lässt sich aber alles finden, was irgendwie aus dem Fenster geschmissen werden kann – sogar Kleidungsstücke und Schuhe. Besonders prekär ist die Situation zudem an den Raststätten. «Einige Leute entsorgen an den Ein-und Ausfahrten gleich ihren ganzen Hauskehricht», erklärt Thomas Leuzinger. Andere wiederum würden gar Polstergruppen und Fernseher an den Raststätten abladen.

Besonders frustrierend ist die Situation auf den Strassen: «Man sieht zwar überall den Müll, aber nie jemanden, der etwas wegwirft», erzählt Leuzinger. Auch auf den Raststätten stehen die Erfolgsaussichten eher gering. Ab und zu erwische man jemanden auf frischer Tat, aber generell sei der Aufwand zur Überwachung schlicht zu gross, so Thomas Leuzinger. (psg)

Die Stadt Olten verzeichnet eine Zunahme des Littering

«Seit einigen Jahren nimmt Littering konstant zu», sagt René Wernli, Leiter des Werkhofs Olten. Vor allem Nachtschwärmer wissen oft nicht mehr, wo sie was liegen lassen. Aber auch wildes Deponieren wird zunehmend zum Problem.

«Kleine Säcke mit Haushaltsabfällen aber auch Gebührensäcke werden immer häufiger einfach irgendwo deponiert», so Wernli. In der warmen Jahreszeit kommen zusätzlich noch die Abfallberge in den Parkanlagen sowie beim altbekannten Sorgenkind – dem Ländiweg entlang der Aare – hinzu.

Besonders ausufernd sei die Situation an heissen Tagen zudem bei der Strandoase beim Kraftwerk Ruppoldingen. «Wenn die Leute gegangen sind, dann findet man dort Whiskey-Flaschen die noch zu dreivierteln gefüllt sind oder Fleischware, die noch vakuumiert ist», sagt der Werkhofleiter.

Solothurn und Grenchen: Konzentriert auf die Hot-Spots

In der Stadt Solothurn bleibt die Littering-Menge seit rund drei Jahren relativ stabil, wie man beim Werkhof weiss. Im Sommer seien die «Litterer» hauptsächlich entlang der Aare unterwegs. Betroffen sind vor allem die Bereiche um die rote Brücke nach Zuchwil, am Kreuzackerquai sowie des TCS Camping.

In den Wintermonaten nehme das Littering naturgemäss ab und konzentriere sich vermehrt auf die Innenstadt. Aber beim Campingplatz fallen selbst in dieser Zeit noch immer grosse Mengen an achtlos weggeworfenem Abfall an.

Ähnlich sieht es in Grenchen aus. Auch dort geht man davon aus, dass die Müllmenge ungefähr gleich geblieben ist. «Einzig die Zahl der auf Stadtgebiet liegen gelassenen Aludosen hat zugenommen», erklärt der Leiter des Grenchner Werkhofs, Gerhard Kirchhofer.

Die Brennpunkte in der Uhrenstadt sind die beiden Bahnhöfe und die Parkanlage beim Parktheater. Überdurchschnittlich viel «gelittert» wird auch bei den Schulhäusern. Kein Brennpunkt sei dagegen das Gebiet an der Aare. «Dort sind die Leute vernünftiger», bilanziert Kirchhofer.

Bussen: Nur wenn der Täter auf frischer Tat ertappt wird

Geahndet wird Littering im Kanton Solothurn nach dem Gesetz über Wasser, Boden und Abfall, worin die Grundlage für Litteringbussen geschaffen wurde. Seit 2010 kann die Polizei ertappte Sünder für das Liegenlassen von Abfällen im öffentlichen Raum müssen: unmittelbar vor Ort und ohne Zeitverzögerung durch ein langwieriges Gerichtsverfahren.

Der Bussenraster erstreckt sich dabei von 40 bis 250 Franken, je nach Schwere des Vergehens. 2015 wurden von der Kantonspolizei auf Kantonsgebiet 97 Littering-Ordnungsbussen ausgestellt, wie diese auf Anfrage mitteilt. Genaue Zahlen für 2016 waren noch nicht erhältlich – man gehe tendenziell von etwas weniger Bussen aus.

In den Solothurn und Grenchen weiss man schon mehr: In Grenchen wurden 2016 acht Sofortbussen ausgestellt. «Das bedeutet etwas mehr als im Vorjahr», erklärt Marcel Kohler von der Stadtpolizei Grenchen.

Dabei handelt es sich um Essensreste, aus dem Auto ausgekippte Aschenbecher oder liegengelassenen Hundekot. Wobei es in einem Fall zur Höchstbusse von 250 Franken aufgrund eines unsachgemäss entsorgten Kehrichtsackes kam.

Zudem wurden in der Uhrenstadt fünf gröbere Delikte – wie die illegale Entsorgung von Autoreifen im Wald – festgestellt. Drei der Täter konnten ausfindig gemacht werden, sie müssen mit einer Strafanzeige rechnen, da dies über das Strafmass einer Littering-Busse hinausgeht. Bei den groben Delikten verzeichnet Grenchen keine Zunahme.

In Solothurn bewegt man sich mit fünf Sofortbussen im Rahmen der Vorjahreszahlen, wie Stadtpolizeikommandant Peter Fedeli sagt. Ähnlich sieht es in der Kantonshauptstadt bezüglich gröberer Delikte aus. Rund vier bis fünf Anzeigen sind auf Zuwiderhandlung gegen das Umweltschutzes zurückzuführen, «was dem normalen jährlichen Umfang» entspreche.

Bei beiden Stadtpolizeien wird aber auf die Problematik hingewiesen, dass Litteringbussen nur verhängt werden können, wenn man den Täter auf frischer Tat ertappe: «Keiner wirft etwas weg, wenn wir gerade in Uniform vorbeilaufen», sagt Marcel Kohler. Das gelinge nur, wenn die Polizisten verdeckt unterwegs seien.