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«Bezahlung ist nicht fair»: Kleine Geschäfte sind nicht zufrieden, wie sie für Postagenturen entlohnt werden

Die 41 Postagenturen im Kanton Solothurn werden unter anderem von Unternehmen wie Coop oder Volg betrieben, aber auch von kleinen Geschäften oder Gemeindekanzleien. Diese kleinen Geschäfte sind nicht immer zufrieden damit, wie sie für ihre Leistung von der Post entschädigt werden. Eine Postagentur zu betreiben, ist ein grosser Aufwand, der sich für die kleinen Geschäfte häufig nicht lohnt.

Rebekka Balzarini
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Die Betreiber von Postagenturen fordern eine faire Entschädigung ihrer Leistungen. (Archivbild)

Die Betreiber von Postagenturen fordern eine faire Entschädigung ihrer Leistungen. (Archivbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Brot für das Abendessen einkaufen und gleich noch das Zalando-Päckli abholen: Das geht in vielen Postagenturen, welche die Poststellen in der Region in den letzten Jahren ersetzt haben. Die Agenturen sollen dem Prinzip «Post im Dorfladen» entsprechen, so wirbt die Post für das Konzept. Der Gelbe Riese arbeitet dafür mit Partnern zusammen, die für sie die Postgeschäfte erledigen. Im Gegenzug erhalten die Partnerbetriebe eine Entschädigung.

In der Schweiz gibt es mittlerweile 1200 Postagenturen, im Kanton sind es 41. Viele davon sind in Verkaufsläden von grossen Unternehmen untergebracht, zum Beispiel in Filialen von Coop, Volg oder der Landi.

Es gibt aber auch kleine Einzelunternehmen und oder Gemeindekanzleien, die eine Postagentur betreiben. Und diese kleinen Unternehmen sind nicht ganz zufrieden damit, wie sie für ihre Arbeit von der Post entschädigt werden. Das schreibt die Zeitung NZZ in einem Artikel.

Viele Aufgaben, aber nur geringe Vergütungen

Eine Umfrage in der Region zeigt: Auch im Kanton gibt es Geschäfte, die nebenbei eine Postagentur betreiben und die mit der Vergütung der Post nicht zufrieden sind. Zum Beispiel die Bäckerei Erni aus Wolfwil. Laut Geschäftsleiterin Franziska Erni hat der Aufwand für das Postgeschäft in den letzten Jahren zugenommen.

Wir müssen mehr leisten, erhalten aber nicht mehr Geld. Das finden wir nicht fair

, so Erni. «Mittlerweile leisten wir fast gleich viel wie früher die Postfiliale, wir erhalten dafür aber nur 3600 Franken pro Jahr.»

Zusätzlich belastend sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Bäckerei häufig dem Ärger der Kunden ausgesetzt seien. «Wenn sich die Kunden über die Post ärgern, dann kriegen wir den Frust ab», berichtet Erni. Sie habe bereits das Gespräch mit der Post gesucht, «eine Lösung konnten wir bisher aber nicht finden».

Ähnliche Erfahrung macht Sascha Saxer, der Geschäftsleiter der Bäckerei-Konditorei zum Brothüsli in Starrkirch-Wil. Pro Jahr erhielt er bisher etwas mehr als 2000 Franken von der Post, seit diesem Sommer arbeitet er mit einem neuen Vergütungsmodell. «Wie gut die Rechnung mit dem neuen Modell aufgeht, kann ich noch nicht sagen», so Saxer.

Trotzdem möchte er die Postagentur in seine Bäckerei nicht missen. «Sie bringt uns zusätzliche Kundschaft, davon profitieren wir», sagt er überzeugt. Ebenfalls seit diesem Sommer arbeite er mit neuen Geräten der Post, die ihm und seinen Angestellten die Arbeit vereinfachen.

Nicht nur die Läden ­beklagen den Aufwand

Nun gibt es nicht nur in kleinen Läden Postagenturen, sondern auch in Gemeindekanzleien. Aber auch dort gibt es kritische Stimmen. «Die Vergütung ist tendenziell zu tief», schreibt die Gemeinde Buchegg auf Anfrage.

Pro Jahr erhalte die Gemeinde 2340 Franken von der Post, «zusätzlich variable Vergütungen nach Umsatz und Boni bei guten Scanningdaten und rechtzeitiger Monatsabrechnung», so die Gemeindekanzlei. Auch hier würde man sich etwa höhere Fixkosten wünschen, «da die Angestellten doch teilweise nur wegen der Postöffnungszeiten im Büro sind».

Die Post selber gibt auf Anfrage an, sie habe von den Partnerfilialen im Kanton Solothurn bisher keine negativen Rückmeldungen bezüglich der Vergütung erhalten. «Bei einem Problem oder bei Diskussionsbedarf zählen wir darauf, dass sich ein Partner bei uns meldet. Wir sind offen für konstruktive Gespräche», so die Post.

Das Vergütungsmodell biete eine «aufwandgerechte Entschädigung» für die Partnerfilialen. «Wir wollen tatsächlich erbrachte Leistungen abgelten und sind für die postalische Grundversorgung zuständig.» Die Entschädigung setze sich deshalb aus einem Grundbetrag und zusätzlichen Beiträgen zusammen, die pro erbrachte Leistung ausbezahlt würden.

Weiter betonen die Postverantwortlichen: «Wir freuen uns, wenn die Post Kundschaft in die Läden bringt. Postgeschäfte sollten aber immer ein zweites Standbein sein, nicht das Hauptgeschäft.»

Nationalrat Walter Wobmann (SVP): «Es fehlt an Transparenz»

Der Postagenturverband vertritt die Interessen der Agenturen gegenüber der Post. Im Vorstand des Verbands ist auch der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Der Verband hat unter anderem das Ziel, den kleinen Geschäften mehr Gewicht zu geben.

Haben sie auch schon negative Rückmeldungen erhalten?

Walter Wobmann: Ja, vor allem die Inhaber von kleinen Geschäften mit einer Postagentur sind unzufrieden.

Warum?

Die grossen Unternehmen wie die Landi, die Migros oder Coop konnten mit der Post Rahmenverträge aushandeln. Sie haben viel Gewicht, und konnten ihre Vorstellungen entsprechen einbringen. Die kleinen Läden werden vernachlässigt, und es fehlt die Transparenz.

Inwiefern?

Fast niemand weiss, wie die Verträge aussehen, die mit den kleinen Läden ausgehandelt werden. Es gibt keine klaren Regeln dafür, nach welchen Ansätzen die kleinen Läden entschädigt werden. Ich habe schon gehört, dass sie Stillschweigevereinbarungen unterschreiben müssen, sich also nicht über die Verträge austauschen dürfen.

Was muss sich verändern?

Es muss klar sein, nach welchen Kriterien die kleinen Läden entschädigt werden. Es gibt etwa die Möglichkeit, Kategorien zu bilden und die einzelnen Postagenturen darin zu erfassen. Für jede Kategorie könnten klare Vorgaben für die Entschädigung erarbeitet werden. Denkbar ist auch, dass Grundentschädigungen eingeführt werden. Etwa für Mietkosten.

Wie viel Gewicht hat der Postagenturverband?

Unser Verband ist noch sehr jung. Um den kleinen Agenturen mehr Gewicht zu geben, müssen wir noch wachsen. Noch gehören erst rund 10 Prozent der Postagenturen in der Schweiz zum Verband. Das ist zu wenig. Unser Ziel ist es, zu wachsen und den Anliegen der kleinen Läden so langfristig mehr Gewicht zu geben. (rba)