Gastkolumne

Change

Tanja Christina Disteli
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Das WEF hat Nachklang.

Das WEF hat Nachklang.

Keystone

Beim 50. WEF in Davos stand für einmal unser gemeinsamer Himmel, der Boden unter unseren Füssen und die Luft, die wir atmen, im Vordergrund. Abgesehen von den Trumps und Bolsonaros dieser Welt ist es allmählich allen klar geworden, dass unser Wirtschaftssystem und der Zustand des blauen Planeten untrennbar miteinander verbunden sind: Je ungezähmter sich einseitiges Gewinnstreben ausdehnt, desto stärker gefährden wir unsere Lebensgrundlage.

Die kleine Gruppe der Klimajugend hat es doch tatsächlich geschafft, dass sich ökologische Anliegen bis in unsere Wahlergebnisse und neuen Politprogramme hinein abbilden. Die Jungen haben die Älteren bei ihrem Gewissen gepackt.

Ist nach diesem Hype bald alles wieder beim Alten? Hoffentlich nicht, denn unser Wirtschaftssystem sollte transformiert werden: weniger Ressourcenverbrauch – und auch viel weniger «Geiz ist geil»-Mentalität unter uns Konsumenten. Doch diese Ziele beissen sich mit unserem Wirtschaftssystem. Nur die Ethik scheint hier bei der Entscheidungsfindung weiter zu helfen. Der Planet soll nicht Schaden nehmen um jeden Preis. Es kommt hinzu, dass sich die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert durch die zweite industrielle Revolution und den Einsatz künstlicher Intelligenz massiv verändern wird. Wir werden bald Zeugen davon werden, dass unser Wirtschaftssystem nicht nur untrennbar verbunden ist mit der ökologischen, sondern ebenso mit der sozialen Frage. Wir sollten uns überlegen, wie wir unseren Sozialstaat sichern können, wenn weniger Menschen einem herkömmlichen Lohnerwerb nachgehen.

Warum also nicht jetzt schon Win-win-Situationen kreieren? Der strukturelle Wandel wird auch das Gesellschaftssystem umfassen: An dieser Stelle wird es persönlich. Es braucht:

«A cumulative effort of millions and billions of people making ethical choices.» Jane Goodall. Ich muss mich selber an der Nase nehmen. So viel steht fest. Leadership ist gefragt von der Regierung über die CEO und Verwaltungsräte, von den Banken und Hochschulen bis zum privaten Individuum.

Wir brauchen Leadership und echte Vorbilder: Lasst uns eine gemeinsame Vision und ihre Ziele entwickeln. Die Strategie dazu und ihre Massnahmen. Change-Management bedingt einen langen Atem.

Dieser Planet braucht Marketing. Non-Profit-Marketing ist nichts anderes als das Schaffen von Beziehung: Wer dem Igel Wasser in den Garten stellt und dem Vogel Körner vors Fenster hängt, hat den Zusammenhang des Lebens verstanden. Jeder Bissen in meinem Mund, jeder Atemzug verbindet mich mit dem Rest dieses Planeten. Ich und Du. Beziehung. Wir sind nicht länger die Beobachter auf unsere von uns getrennte Umwelt.

Schon der mittelalterliche Mensch entwickelte grosse Ziele. Er wusste, dass er als Steinmetz an einem einzigen Erker der mächtigen Kathedrale arbeitete – ohne je das fertige Meisterwerk vor Augen zu haben. Handeln wir also heute, um in 30 Jahren die bestmögliche Lebensgrundlage zu haben.

Wir stehen einer ethischen Anfrage, einem moralischen Imperativ gegenüber. Noch nie in der Geschichte der Menschheit sahen wir einer derartigen Herausforderung ins Auge. Die nächsten 20 bis 30 Jahre werden über unseren Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Für jetzt gilt: Taten zählen mehr als Worte.