Fussball

Der Solothurner Fussball steht ab kommender Saison im nationalen Blickpunkt

In der kommenden Saison wird die Fussball-Schweiz gespannt auf die Region Solothurn blicken. Mit einem vom nationalen Verband geprüften und als gut befundenen Pilotprojekt gehen die Solothurner auf Stufe A-Junioren neue Wege.

Michael Schenk
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Die Solothurner A-Junioren bekommen neuen Aufschwung: Geplant wird sogar eine Meisterschaft mit zwölf Teams.

Die Solothurner A-Junioren bekommen neuen Aufschwung: Geplant wird sogar eine Meisterschaft mit zwölf Teams.

Keystone

«Wir haben festgestellt», sagt Marco Begni, «dass es in unserer Region mehr lizenzierte A-Junioren gibt als auf allen anderen Junioren-Stufen.» Trotzdem stellen viele Vereine kein Junioren-A-Team, sodass die Meisterschaft in der Regel mit mickrigen sechs bis acht Teams stattfindet.

Das rührt daher, dass viele Vereine ihre A-Junioren längst in den Aktiv-Teams einsetzen. «Daher kommt auch das sehr tiefe Durchschnittsalter in vielen 4.- und 5.-Liga-Mannschaften», so Begni. Um dem nun entgegenzuwirken, sprich die A-Junioren der Region zu bündeln und ihnen auch die Möglichkeit zu geben, auf ihrer Altersstufe Meisterschaftsspiele zu bestreiten, führt der Kantonale Fussballverband auf die nächste Saison hin sogenannte A-Plus-Teams ein.

Junioren-A-Mannschaft kann mit Aktiv-Spielern ergänzt werden

Das heisst, dass die Vereine eine Junioren-A-Mannschaft melden können, die mit maximal vier Aktiv-Spielern bis 24 Jahre auf dem Platz ergänzt werden darf. Zudem werden die Spieldaten der Junioren-A-Meisterschaft auf Montag bis Mittwoch gelegt.

«Damit haben die Vereine die Möglichkeit, ihre ältesten Junioren am Wochenende nach wie vor in den Aktivteams einzusetzen, da ja mehr als 24 Stunden zwischen den Einsätzen liegen», so Begni. Letzterer ist seit 17 Jahren Sekretariatsleiter des Solothurner Fussballverbandes und in dieser Funktion Vorstandsmitglied sowie in der für die Ausarbeitung des Konzepts verantwortlichen Wettspielkommission tätig.

Ab 2013/14: Pflicht für 2.-Liga-Klubs

Bis zum 18. Juni haben die Vereine der Region Zeit, ein Junioren-A- oder eben neu ein Junioren-A-Plus-Team zu melden. Nach der Pilotsaison 2012/13 sollen auf die Meisterschaft hin 2013/14 alle Zweitligisten der Region verpflichtet sein, ein Junioren-A- oder Junioren-A-Plus-Team zu führen. Damit würde die Meisterschaft ab der Saison 2013/4 also in jedem Fall mindestens zwölf Teams umfassen. «Da diese Spitzenvereine im Regionalverband heute eh schon verpflichtet sind, Nachwuchsförderung zu betreiben, sehen wir in dieser Hinsicht keine grosse Hürde», sagt Marco Begni, Sekretär des Solothurner Fussballverbandes. Ein Zweitliga-Team, das keine oder zu wenig A-Junioren führt, um dieser Pflicht nachzukommen, steht eh auf wackligen Beinen. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass es nicht Sinn des Amateurfussballs ist, im Extremfall allein mit Geld und Spielern aus allen Windrichtungen erfolgreich zu sein. (MSK)

Einleuchtend und positiv

Das Konzept der Solothurner mutet auf den ersten Blick nahezu vollkommen an. Der Gedanke der Nachwuchsförderung wird ideal optimiert – ohne dass dabei neues Personal rekrutiert werden müsste oder die Kosten merklich steigen.

Die Trainer und Spieler sind alle schon da – es geht lediglich darum, aus dem Vorhandenen ein neues Team zu bilden und ein wöchentliches Meisterschaftsspiel mehr zu bestreiten. Mit der Einführung der A-Plus-Teams erhalten die A-Junioren, ergänzt mit Aktivspielern, eine zusätzliche, stufengerechte und leistungsfördernde Spielgelegenheit.

«Ich habe sehr viele Gespräche mit Vereinsverantwortlichen in der Region geführt und das Echo war durchwegs positiv. Es gibt diverse Anzeichen, dass nächste Saison mehr als sieben Junioren-A-Teams an der Meisterschaft mitmachen werden.»

Begni wagt die Prognose, dass «wir mindestens eine 12er-Gruppe stellen können.» Die A-Plus-Teams können, wie gehabt, 18 Spieler melden. Entscheidend ist allein, dass während des Spiels immer mindestens sieben «echte» A-Junioren (18- bis 20-jährig) auf dem Platz stehen. Unbegrenzte Wechsel sowohl der U24-Ergänzungsspieler wie der Original-A-Junioren sind während eines Matches immer möglich.

Spiess umgedreht

Die Solothurner Fussball-Techniker drehen mit ihrem Pilotversuch den Spiess einfach um: Statt dass die ältesten Junioren, wie vielenorts üblich, den Aktiv-Spielern helfen, ein Team in der 4. oder 5. Liga zu stellen, helfen die jungen Aktiven mit der A-Plus-Idee nun den A-Junioren, sich zusätzlich auf ihrer Altersstufe zu messen und sich sportlich zu entwickeln.

Trainieren können alle nach wie vor in der ihrem Leistungsvermögen entsprechenden Mannschaft innerhalb des Vereins. Daran ändert sich nichts. Selbst die Gefahr, dass Vereine, die bislang reine Junioren-A-Teams gestellt haben, fortan jeweils vier dieser Original-A-Junioren zugunsten von U24-Ergänzungsspielern «bänkeln» lassen, um sich allenfalls zu verstärken, ist praktisch gleich null.

Meister werden und allenfalls in die Coca-Cola Junior League A aufsteigen können allein reine Junioren-A-Teams. Vereinsverantwortliche, die sich der Juniorenförderung wirklich verantwortlich fühlen, werden sich an dieser Einschränkung ganz gewiss nicht stören.