Frühförderung

Deutsch schon vor dem «Chindsgi» soll die Gemeinden bis zu 1,9 Millionen kosten

Die Gemeinden im Kanton Solothurn sollen Kinder schon im Spielgruppenalter sprachlich gezielt fördern. So soll die Chancengleichheit gefördert werden. Auf die Gemeinden kommen Kosten von 1,3 bis 1,9 Millionen Franken zu.

Rebekka Balzarini
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Schon Kleinkinder in einer Spielgruppe sprachlich gefördert werden (Symbolbild).

Schon Kleinkinder in einer Spielgruppe sprachlich gefördert werden (Symbolbild).

KEYSTONE/MARCEL BIERI

Eine Geschichte verstehen, ein Lied mitsingen, mit anderen Kindern spielen: Schon im Kindergarten ist es für Kinder im Kanton wichtig, Deutsch zu verstehen, um sich wohl zu fühlen.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Kinder am ersten Chindsgi-Tag Mühe haben, ihre Lehrpersonen zu verstehen. In Zukunft will der Regierungsrat das möglichst verhindern. Deshalb hat er entschieden, dass sämtliche Gemeinden im Kanton innerhalb von zwei Jahren ein Angebot für die vorschulische Sprachförderung aufbauen müssen.

Der Entscheid basiert auf einem Pilotprojekt, das in den vergangenen zwei Jahren in Dorneckberg, in Dulliken, Olten und Solothurn durchgeführt wurde. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 125 Kinder eineinhalb Jahre vor dem Eintritt in den Kindergarten in einer Spielgruppe angemeldet und dort gezielt sprachlich gefördert.

Sprachlich und sozial besser bereit für den Kindergarten

«Im Pilotprojekt haben wir festgestellt, dass sich die sprachliche Förderung bei der grossen Mehrheit der Kinder gelohnt hat», erklärt Sandro Müller, der Leiter des kantonalen Amtes für soziale Sicherheit.

Bei 60 Prozent der Kinder habe man den Erwerb von sprachlichen Grundkenntnisse feststellen können, 20 Prozent der Kinder seien sogar mit «guten Kenntnissen» in den Kindergarten eingetreten. Lediglich bei 20 Prozent der Kinder habe man keine deutliche Verbesserung der Sprachkenntnisse festgestellt.

Das Projekt wurde unter anderem von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der PH in St. Gallen begleitet. Gegen Ende 2022 sollen die Gemeinden im Kanton nun parat sein, um ihre Jüngsten auf den Eintritt in den Kindergarten vorzubereiten.

Gemeinden an einen Tisch holen

Damit die Sprachförderung überall funktioniert, will der Kanton die Gemeinden nun «an einen Tisch holen», so Müller. Geplant ist, dass der Kanton die Gemeinden in den ersten zwei Jahren mit einer Anschubfinanzierung in der Höhe von maximal 500'000 Franken unterstützt.

Die sprachliche Frühförderung wird die Gemeinden danach 1,3 bis 1,9 Millionen pro Jahr kosten, je nach dem, wie viele Kosten von den Eltern übernommen werden können. Die Zahlen basieren auf Richtwerten und der Annahme, dass pro Jahr 800 Kinder im Kanton vor dem Eintritt in den Kindergarten sprachlich gefördert werden sollen.

Wir planen ein niederschwelliges Angebot, das keine hohen Kosten nach sich ziehen soll

, erklärt der Amtsleiter. Gemeinden dürften sich auch zusammenschliessen, und im Idealfall werde die Sprachförderung in bestehende Angebote integriert.

Die Kinder sollen laut Müller an zwei Halbtagen in der Woche in der Spielgruppe auf «spielerische Art» mit der deutschen Sprache in Berührung kommen. Das Personal in den Spielgruppen soll dafür entsprechen geschult werden, welche Ausbildung sie absolvieren, ist laut Müller aber noch offen.

Damit sich alle Familien den Besuch der Spielgruppe leisten können, sollen die Beiträge der Eltern gemäss ihres Einkommens berechnet werden. Welche Kinder gefördert werden sollen, wird anhand eines Fragebogens ermittelt, die Teilnahme der Kinder ist aber freiwillig.

Langjährige Erfahrung in der Gemeinde Zuchwil

Was in allen Gemeinden des Kantons bald Standard sein soll, gibt es in der Gemeinde Zuchwil schon seit 10 Jahren. Im Zentrum Kinder und Jugend Zuchwil (KiJuZu) werden Kinder im Rahmen des Vorkindergartens gezielt sprachlich gefördert, erklärt Stephan Hug, der Präsident des Stiftungsrates des Zentrums und Direktor der Schulen Zuchwil.

«Wir haben mit der sprachlichen Förderung angefangen, weil rund 60 Prozent der Kinder beim Eintritt in den Kindergarten keine Deutschkenntnisse hatten», berichtet er. Das habe die Arbeit der Lehrpersonen erschwert. «Mittlerweile sind es nur noch rund 5 Prozent der Kinder – das zeigt, dass wir das Problem in den Griff bekommen haben», so Hug.

Niemanden zwingen

Das Angebot in Zuchwil werde von rund 80 Prozent der Eltern wahrgenommen. «Wichtig ist uns, dass wir niemanden zwingen. Wir wollen Vertrauen aufbauen und erreichen, dass die Eltern selber den Nutzen dieses Angebots sehen.»

Um dies zu erreichen, arbeite man mit der Integrationsbeauftragten der Gemeinde zusammen und lade die Eltern ein, damit sie das Angebot kennen lernen können. «In der Regel ist das von Erfolg gekrönt», so Hug. Für die Chancengleichheit von Kindern sind die Sprachkenntnisse ein entscheidender Faktor, ist er überzeugt.