Solothurn

Die Aare ist nationales Schutzgebiet: Jetzt kommt Verbot für Stand Up Paddles

Fast schon zum Volkssport geworden ist es, im Sommer mit dem Stand Up Paddle auf der Aare zu fahren. Das ist ab Mitte September verboten. Und zwar in den Gebieten, die wegen Wasser- und Zugvögel unter Schutz stehen. Das sind in Solothurn auch die Gebiete, wo sich erst noch vor Kurzem unzählige Stand Up Paddler getummelt haben.

Noëlle Karpf
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Gerade, weil sie so leise sind, sollen Stand Up Paddles eine enorme Wirkung auf Wasser- und Zugvögel haben.

Gerade, weil sie so leise sind, sollen Stand Up Paddles eine enorme Wirkung auf Wasser- und Zugvögel haben.

Sandra Ardizzone

Das ist seit über 20 Jahren bekannt: Das Gebiet der Aare von Lüsslingen bis Solothurn und von Feldbrunnen bis Flumenthal ist nationales Schutzgebiet. Was ab Mitte September gilt: Auf den beiden Flussabschnitten ist es verboten, Stand-up-Paddle zu fahren. Das ganze Jahr über ist nicht mehr erlaubt, was so etliche den ganzen Sommer über getan haben: Bei der Badi oder bei der roten Brücke mit dem Brett in die Aare steigen, sich stromabwärts treiben lassen, stromaufwärts paddeln.

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Die Karte zeigt, wo sich das Schutzgebiet befindet (rot markiert)

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Die Karte zeigt, wo sich das Schutzgebiet befindet (rot markiert)

Michel Lüthi

Theoretisch gilt das Verbot sogar schon länger. «Nur wusste niemand davon», erklärt Marcel Tschan vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei am Telefon. Im Gespräch im Büro des Jagd- und Fischereiverwalters erklärt Tschan das Ganze genauer. 2001 wurden die beiden Aareabschnitte auf Bundesebene zu einem «Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung» erklärt. In der zugehörigen Verordnung heisst es seit dem 15. Juli 2015, in diesen Gebieten sei das «Fahren mit Drachensegelbrettern oder ähnlichen Geräten» verboten. Mittlerweile ist bekannt, dass auch die in den Trend gekommenen Stand Up Paddles gemäss dem Bundesamt für Umwelt unter «ähnliche Geräte» fallen – und damit in verschiedenen Flüssen und Seen der ganzen Schweiz verboten sind.

«Dass der Mensch gefährlich ist, wissen die Vögel. Gleitet ein Mensch auf einem Stand-up-Paddle fast geräuschlos über das Wasser, wirkt das auf die Tiere so, als ob er über die Aare auf die zugehen würde», erklärt Tschan das Problem. Diese würden dann die Flucht ergreifen, im schlimmsten Falle das Gebiet ganz verlassen. «Und für etwas gibt es ja die Schutzgebiete – der Kanton hat die Verantwortung, die Tierarten zu schützen.» Im Gebiet der Aare bei Solothurn geht es dabei vor allem um Zwergtaucher. Was an der ganzen Geschichte speziell erscheint: Motorboote und Gummiboote sind im oberen Abschnitt des Schutzgebietes – von Lüsslingen bis Solothurn – nicht verboten. Im unteren Abschnitt gilt im Winter Fahrverbot, im Sommer sind Ruderboote und kleine Motorboote zugelassen.

Abstimmungsergebnis hat Einfluss auf das Verbot

«Stand-up-Paddles dürften den meisten viel harmloser erscheinen», so Tschan. Aber genau weil Motorboote deutlich lauter seien, hätten Wasser- und Zugvögel weniger Angst davor. «Mit dem Lärm verbinden sie keine Gefahr mehr, sie wissen, dass ihnen nichts passiert und ein lärmiges Boot schnell wieder vorbei ist.» Dazu kommt: Motorboote bewegen sich oft eher in der Mitte der Aare. Die flachen Stand-up-Paddles ohne Kiel viel eher auch im flachen Gewässer oder in Schilfnähe, wo sich eben auch Tiere wie der Zwergtaucher gerne aufhalten.

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Der kantonale Jagdaufseher Marcel Tschan zeigt das Schutzgebiet auf der Karte.

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Der kantonale Jagdaufseher Marcel Tschan zeigt das Schutzgebiet auf der Karte.

Michel Lüthi

Der Kanton beginnt ab 15. September, über das Verbot zu informieren. Auf den bestehenden Schildern an der Aare, die über das Schutzgebiet informieren, werden entsprechende Sticker geklebt. Bis nächsten Sommer, wenn die Aare wieder lockt, hofft man, die Regelung unter die Leute gebracht zu haben. Ob sich diese dann auch daran halten, werden kantonale Reservatsaufseher, aber auch die Polizei, überprüfen, die auch Aareböötler im Sommer kontrolliert. Was passiert, wenn trotz Verbot gepaddelt wird? Tschan zuckt mit den Schultern. «Das ist dann Sache der Strafverfolgungsbehörden.» Wer gegen die Regelung und damit gegen das Jagdgesetz verstösst, macht sich strafbar. Wer vorsätzlich handelt, riskiert bis zu einem Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe, wer das Gesetz fahrlässig missachtet, muss eine Busse zahlen.

Doch: Ganz in Stein gemeisselt ist das ganzjährige Verbot nicht. Sollte am 27. September das revidierte Jagdgesetz angenommen werden, hätte dies auch Auswirkungen auf die Stand-up-Paddles. In diesem Falle, so erklärt es Tschan, hätten die Kantone die Kompetenz, das Verbot anzupassen: In Solothurn wäre beispielsweise denkbar, im Sommer Stand-up-Paddles in der Flussmitte der Schutzgebiete zu erlauben. Aber nur, wenn das Gesetz angenommen wird. Zudem stimme nicht, was im Vorfeld der Abstimmung auch schon gesagt worden ist: Das neue Gesetz bringt kein Stand-up-Paddle-Verbot mit sich. Die Verordnung zu den Wasser- und Zugvogelreservaten würde lediglich dahin gehend angepasst, dass der Begriff Stand-up-Paddle wörtlich übernommen würde. Verboten sind sie in den Schutzgebieten aber eben heute schon; auch wenn das bisher kaum jemand wusste.