Jagdmunition

Die Solothurner Jäger sollen auf bleifrei umstellen

Mit einem Verbot von bleihaltiger Munition hat man bis jetzt gezögert, weil man auf eine einheitliche Bundeslösung wartet. Grundsätzlich pflichtet die Solothurner Regierung aber dem grünen Kantonsrat Heinz Flück ziemlich vorbehaltlos bei: Jagd geht auch bleifrei.

Urs Moser
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Beim Schrot ist die Erkenntnislage über Alternativen zur Bleimunition noch etwas dünn.

Beim Schrot ist die Erkenntnislage über Alternativen zur Bleimunition noch etwas dünn.

Keystone

Blei ist giftig. Deshalb ist es Kantonsrat Heinz Flück (Grüne, Solothurn) ein Anliegen, dass bei der Jagd bleifreie Munition verwendet wird. Denn Bleirückstände aus Jagdmunition würden nicht nur zu Vergiftungen bei Greifvögeln und anderen Tieren an der Spitze der Nahrungskette führen, sondern könnten durch den Verzehr von Wildbret auch vom Menschen aufgenommen werden.

Wie sich zeigt, rennt Flücks Vorstoss zumindest halb offene Türen ein. In einer Interpellation hatte er sich danach erkundigt, wie es mit der Zulassung von nicht bleihaltiger Jagdmunition steht und wie der Fahrplan für ein generelles Verbot von Bleimunition im Kanton aussieht. Auf ein solches Verbot habe man bei der Ausarbeitung der neuen Jagdverordnung (die 2018 in Kraft trat) mangels fundierter Grundlagen verzichtet, lässt der Regierungsrat in seiner Antwort wissen. Hingegen begrüsst man, dass der Bund hier eine nationale Lösung anstrebt und die Munitionshersteller «punkto Tötungswirkung» immer bessere bleifreie Geschosse auf den Markt bringen würden. Hier liegt (oder lag vermeintlich) nämlich ein Problem.

Man war sich nicht sicher, ob Alternativprodukte der traditionellen Bleimunition punkto Ballistik (Treffergenauigkeit) und Trefferwirkung wirklich ebenbürtig sind. Eigene Studien gibt es im Kanton Solothurn dazu nach wie vor nicht, hingegen zeigte sich zum Beispiel im Kanton Graubünden bei der Untersuchung von über 8000 Abschüssen, dass kein signifikanter Unterschied zwischen den verwen­deten Geschossen etwa bei den Fluchtstrecken des Wildes ­ausgemacht werden konnte. ­Erstaunlich war übrigens, dass im Bündnerland bereits über 70 Prozent der Jäger bleifreie ­Munition verwenden.

Ein kleiner Knackpunkt: Bei der Patentjagd in Graubünden werden (wie auch fast überall im europäischen Ausland) für die Jagd auf Rehe, Hirsche oder Gämsen nur Kugelpatronen verwendet, sodass kaum wissenschaftliche Studien über die Wirkung von bleifreiem Schrot bei diesen ­Tieren vorliegen. Im Kanton
Solothurn werden aber die meisten Rehe auf den Bewegungsjagden im Herbst geschossen, wo fast ausschliesslich Schrot verwendet wird. Man werde sich dafür einsetzen, dass auch hier auf ­nationaler Ebene eine Lösung gefunden wird und dass die Wirkung von bleifreien Schroten auf Schalenwild wissenschaftlich untersucht wird, schreibt der Regierungsrat.

Schon heute kein Problem ist die Zulassung von bleifreier Munition. Im Kanton Solothurn sind sowohl alle bleifreien Kugel- wie auch alle Schrotpatronen zugelassen, sofern sie das
in der Jagdverordnung vorgeschriebene minimale Kaliber beziehungsweise die minimale Schrotkorngrösse für die Verwendung bei der Jagd auf die entsprechenden Tiere haben. Für Rehe zum Beispiel 5,6 Millimeter bei Kugel- und 3,5 Millimeter bei Schrotpatronen. Man werde sich für einen «adäquaten Ersatz» der Bleischrote einsetzen, so die Regierung.

Nur für ausgesprochene Wildliebhaber bedenklich

Weniger heikel als Kantonsrat Flück stuft der Regierungsrat die Verwendung von Bleimunition allerdings bezüglich der Lebensmittelsicherheit ein. Da Wildfleisch zu den eher selten konsumierten Lebensmitteln gehöre (in der Schweiz durchschnittlich ein bis drei Mahlzeiten pro Jahr), sei die Aufnahme von Blei über Wildfleisch gegenüber der Aufnahme über Getränke, Getreide, Obst oder Gemüse unbedeutend. Selbst bei einem Verzehr von 10 Portionen bestehe kein erhöhtes Gesundheitsrisiko. «Bedenklich» allerdings, das sagt auch die Regierung, sei die Situation für ausgesprochene Wildliebhaber, will heissen ­Jäger und ihre Familien, wenn sie ein oder mehrmals in der Woche mit Bleimunition erlegtes Wild essen würden.