Starthilfe für Jungunternehmen
Doppelt so viele Preisträger und eine neue Rekord-Preissumme

Die Solothurner Stiftung W.A. de Vigier hat bei der 30. Preisverleihung an Start-ups mit der grossen Kelle angerichtet. 10 Jungunternehmen teilen sich nicht weniger als 750'000 Franken. Ein starkes Zeichen für die Förderung von Unternehmen und Unternehmern.

Balz Bruder
Drucken
Teilen
Gruppenbild mit Siegerinnen und Siegern: In der vordersten Reihe Regula Buob, Stiftungsrats-Vizepräsident Beat Graf und Norah de Vigier vor dem Sommerhaus.

Gruppenbild mit Siegerinnen und Siegern: In der vordersten Reihe Regula Buob, Stiftungsrats-Vizepräsident Beat Graf und Norah de Vigier vor dem Sommerhaus.

dvs

Kein Zweifel: Bill de Vigier hätte seine helle Freude gehabt. Fünfmal 100'000 Franken und fünfmal 50'000 Franken gingen am Montag Abend im Sommerhaus der Familie zu Solothurn, an zehn Jungunternehmen (siehe unten). Das Spezielle bei der 30. Ausgabe der Preisverleihung: Erstens wurde die Zahl der Preisträger verdoppelt. Und zweitens steuerte zum Jubiläum nicht nur die Stiftung ihren wohlbemessenen Obolus bei, nein, auch frühere Preisträger trugen sich in die Geberliste ein. Und werteten den ohnehin schon höchstdotierten Förderpreis der Schweiz zusätzlich auf. Ganz im Sinn der Stiftung, wie Geschäftsführerin Regula Buob sagt: «Die Früchte mit jenen teilen, die noch am Anfang stehen.» Auf dass etablierte Firmen innovativ bleiben und junge den Weg in den Markt finden. Zur Illustration: Die Stiftung geht davon aus, dass die bisher prämierten 118 Start-ups immerhin rund 3000 Arbeitsplätze geschaffen haben.

Dass auch der Stiftungsrat mit der Zeit geht, bewies er, indem er im Jubiläumsjahr nach einer Vorselektion nicht wie bisher bloss 16 Start-ups kennenlernen wollte, sondern gleich 60 Jungunternehmerinnen und -unternehmer. Dies im Rahmen des erstmals lancierten «Selection Day». Die Idee dahinter: Möglichst früh ein Bild von der Unternehmensidee, gleichzeitig aber auch von der Unternehmerpersönlichkeit zu gewinnen. So, wie es der 2003 verstorbene Stiftungsgründer Bill de Vigier als Förderer von Start-ups getan hat, lange bevor Preise vergeben wurden. Solche zudem, die nicht an den Gewinn geknüpft sind, sondern à fonds perdu und unabhängig vergeben werden.

Juroren als «Perlentaucher»

Oder, wie sich Stiftungspräsident Daniel Borer, Arzt, Investor und Gesellschafter, mit Blick auf die Jubiläumsveranstaltung in einem Interview ausgedrückt hat: «Ich werde besonders hellhörig, wenn Person und Idee eng verbunden sind und der Kopf des Unternehmens geerdet ist und gleichzeitig visionär auf mich wirkt.» Das sei ein bisschen wie «Perlentauchen», verriet Borer. Dass das Tauchen nach den Preziosen des Jungunternehmertums in diesem Jahr besonders ergiebig war, zeigte sich an der Preisverleihung eindrücklich. Nicht weniger als 259 Bewerbungen waren bei der Stiftung eingegangen. Etwas, das nicht zuletzt Festredner Joël Mesot, Präsident der ETH Zürich, freute.

Dass sich die Stiftung schon um die Förderung des Jungunternehmertums kümmerte, da kaum jemand davon sprach – und dass sie sich auch mit der Digitalisierung befasste, da diese noch ein wirkliches Fremdwort war, las Mesot als Zeichen der stilbildenden Kraft von Bill de Vigier sowie seines Lebenswerks ebenso wie als Beweis der Notwendigkeit, dass es Institutionen wie die Stiftung gibt, die sich wahrhaftig um die Firmenzukunft bemühen. Kleine Referenz an Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, die Mesots Ausführungen im Publikum gespannt lauschte: «Wir sind noch nicht im Kanton Solothurn, aber wir arbeiten daran», meinte der ETH-Präsident mit einem Schmunzeln.

Auswahl ein «Challenge»

Dass die Auswahl der Sieger angesichts von Quantität und Qualität der Eingaben nicht einfach war, führte Beat Graf, Vizepräsident des Stiftungsrats, aus. Und bekräftigte vor dem illustren Publikum: «Unsere Stiftung legt besonderen Wert auf die Unternehmerpersönlichkeit, weil wir in unserem Land mehr Pioniere brauchen, wie Bill de Vigier einer war.» Und weiter: «Wir brauchen echte Vorbilder, die unsere Gesellschaft sowohl mit ihren Ideen als auch mit ihrem Spirit prägen», betonte er. Zudem – was als einmalige Jubiläumsaktion gedacht war, wird Bestand haben: Der «Selection Day» über die Top 60 wird auch nächstes Jahr wieder stattfinden. Denn es soll nicht bei den 11 Millionen Franken Startkapital bleiben, die bisher ausgeschüttet wurden.

Die ausgezeichneten zehn Jungunternehmen

PXL Vision AG, Zürich

Identitätsbetrug und Datenschutz sind grosse Herausforderungen. PXL Vision entwickelt modernste Technologien zum vollautomatischen Kunden-Onboarding sowie zur Identitätsprüfung mit kamerabasierten Geräten. PXL ermöglicht die Schaffung vertrauenswürdiger digitaler Identitäten, die branchenübergreifend zum geschützten Austausch persönlicher Daten und zur sicheren Interaktion im digitalen Raum eingesetzt werden können.

Scewo AG, Winterthur

Scewo entwickelt einen Rollstuhl, der es dem Fahrer ermöglicht, Treppen zu steigen und sich viel freier zu bewegen. Um Stufen zu befahren, werden zwei Gummiraupen unter dem Rollstuhl ausgefahren. Der Sitz bleibt stets waagrecht, die Übergänge auf und ab Stufen sind automatisiert. Die Softwareentwickler arbeiten daran, den Automatisierungsgrad zu erhöhen, kritische Situationen zu erkennen und bestimmte Strecken autonom zu fahren.

Swiss Motion Technologies, Renens

MotionTech AG produziert im 3D-Druck erschwingliche prothetische Silikoneinlagen. Die Einlage dient als weiche Dämpfungsschicht zwischen Bein und Prothese und muss absolut perfekt ans Bein passen. Nachdem ein Orthopädietechniker das Bein in 3D gescannt hat, produziert MotionTech die massgeschneiderte Einlage innerhalb von 72 Stunden. Der prothetische Bereich ist nur eine von vielen zukünftigen Anwendungen.

T3 Pharmaceuticals AG, Basel

Krebsbehandlungen sollten möglichst ausschliesslich auf den Krebs abzielen. T3 Pharmaceuticals verwendet Bakterien, die solide Tumore spezifisch aufspüren und sogar darin wachsen können. Im Tumor agieren die Bakterien als effiziente Produktionsstätten für therapeutisch aktive Proteine. Die Bakterien von T3 Pharma sind eine leistungsstarke und vielseitige Plattform für die gezielte Krebstherapie.

Vatorex AG, Winterthur

Die Varroamilbe ist ein Parasit, der Bienenvölker Europas und Nordamerikas schädigt. Bisher behandelten Imker ihre Bienen chemisch, was leider ebenfalls die Bienen schädigt. Vatorex nutzt die unterschiedliche Wärmetoleranz von Milben und Bienen. Mit einem direkt in die Wabe eingelassenen Heizdraht wird die Bienenbrut erwärmt, was die Milbe abtötet. Diese Behandlung resultiert in 31 Prozent verbesserter Bienenvolksentwicklung.

Mirrakoi AG, Lausanne

Hochwertiges 3D-Design für die Industrie- und Produktmodellierung wird dank Mirrakoi für den Normalbürger zugänglich. XirusCAD, die brandneue CAD-Technologie von Mirrakoi, ermöglicht es Designern, Ingenieuren und Architekten, komplexe Produkte schneller und intuitiver zu modellieren. Die Technologie basiert auf einem grundlegend neuen Ansatz zur mathematischen Beschreibung von 3D-Objekten.

Mobbot AG, Freiburg

Bauunternehmen können ihre Herstellungs- und Installationskosten dank der einzigartigen 3D-Betondrucktechnologie von Mobbot und einem vollständig digitalisierten Prozess um 40 bis 80 Prozent senken. Die Herstellung teurer Gussformen fällt vollständig weg, innert kürzester Zeit sind die massgefertigten Elemente auf Platz. Derzeit konzentriert sich das Start-up auf unterirdische Betonelemente für elektrische Anwendungen.

PharmaBiome AG, Zürich

Das Mikrobiom ist an den meisten chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels und des Immunsystems beteiligt. PharmaBiome entwickelte eine Technologie zur Isolierung, Kultivierung und Charakterisierung von Darmmikroben. Basierend auf ihrer funktionellen Interaktion formuliert das Start-up Mischkulturen in pharmazeutischer Qualität, um das Mikrobiom des Darms nachhaltig zu modulieren und damit verbundene Krankheiten zu behandeln.

Piomic Medical AG, Zürich

Piomic entwickelt ein neuartiges Medizinprodukt zur Behandlung chronischer Wunden. Durch die Beschleunigung der Wundheilungsprozesse werden Schmerzen und das Risiko einer Wundinfektion verringert und die Lebensqualität der Patienten erhöht. Die dazu entwickelte Technologie ist tragbar, einfach anzuwenden und passt sich nahtlos in die verschiedenen Arbeitsabläufe des klinischen Alltags ein.

Sleepiz AG, Zürich

Mit der Lösung von Sleepiz können sich Patienten von zuhause aus auf Schlafstörungen testen lassen. Das kontaktlose Gerät erfasst Vitaldaten und Parameter der Schlafumgebung in Echtzeit und mit medizinischer Genauigkeit unter Verwendung eines AI-Algorithmus. Die cloudbasierte Lösung spart Zeit und Geld, dadurch kann eine höhere Anzahl von Patienten effizienter auf Schlafstörungen untersucht werden.

Aktuelle Nachrichten