Amt für Geoinformation

Durfte langjähriger Mitarbeiter in eigene Tasche arbeiten?

Im Solothurner Amt für Geoinformation (AGI) hat der stellvertretende Amtschef, der rund 150 000 Fr. verdiente, nebenbei eine eigene Firma gegründet. Sein Chef kann alles erklären. Aber der Vorgang bleibt dennoch ungewöhnlich.

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Das Solothurner Amt für Geoinformation mit einem historischen Grenzstein

Das Solothurner Amt für Geoinformation mit einem historischen Grenzstein

Hanspeter Bärtschi

Er hat für den Kanton Solothurn während 13 Jahren das Geo-Informationssystem SO!GIS aufgebaut. Dank dem umfassenden Einsatz von Public Domain Software wurden wohl Millionen an Lizenzgebühren eingespart. Der Kanton Solothurn wurde in dieser Zeit zum Vorreiter für öffentlich zugängliche Geodaten. Universitäten und Institute in aller Welt luden solothurnische Karten zu Demo- und Lehrzwecken herunter.

Bei Beförderung übergangen

So rechnete sich der inzwischen international reputierte Geo-Informatik-Crack Dr. Horst Düster 2010 durchaus Chancen aus, Amtschef zu werden und Nachfolger des damals pensionierten Kantonsgeometers Peter von Däniken. Doch der Regierungsrat traf andere Dispositionen. Er übertrug im August 2010 die Führung des Amtes für Geoinformation Bernardo Albisetti, dem (damals auch noch neuen) Sekretär des Bau- und Justizdepartementes (BJD).

Das BJD begründete den Entscheid mit einer «Straffung der Führungsstruktur». Durch die Zunahme der Bedeutung der Geoinformationssysteme sollten diese zudem als Querschnittsaufgabe für die ganze Verwaltung implementiert werden. Das macht durchaus Sinn. Denn Geoinformationen werden inzwischen von vielen Amtsstellen in irgendeiner Form verwendet. Für die Aufgabe wurde offenbar Albisetti, der Masterdiplome in Public Administration und Verwaltungsrecht hat, als besser geeignet angeschaut.

«Ausstieg erleichtert»

Das Zückerli für den mehr technologisch orientierten Düster: Er sollte die «operative Führung des Amtes «weiterhin und verstärkt» wahrnehmen.
Doch das Gegenteil trat ein. Diskret wurde hinter den Kulissen an einem würdigen Abgang gebastelt. Denn Düsters Verdienste waren unbestritten. «Das Amt für Geoinformation und der ganze Kanton haben ihm sehr viel zu verdanken», bestätigt Albisetti.

Dafür griff man auch zu unkonventionellen Mitteln. Obwohl beim Staat in der Lohnklasse 23 angestellt, - was bei 13 Jahren Berufserfahrung einen Lohn von rund 146 000 Fr ergäbe - wurde die Gründung einer eigenen Firma durch Düster, welche Dienstleistungen im Umfeld der Geoinformationen anbietet, durch die Vorgesetzten bewilligt. Nachträglich, wie Albisetti zugibt. Und unter der Bedingung, dass sich der Beschäftigungsgrad von Düster im Ausmass des Aufbaus des Umsatzes der Firma reduziert.

Düster: kein Kommentar

Wollte Düster sich durch die klandestine Firmengründung für die entgangene Beförderung rächen? Dass der Vorgang unentdeckt bleibt, damit konnte er jedenfalls nicht rechnen. Düster will die Vorgänge nicht kommentieren und verweist dazu ans AGI.

«Wir wollten einem langjährigen verdienten Mitarbeiter damit den Ausstieg erleichtern», erklärt Albisetti das ungewöhnliche Vorgehen. «Selbstverständlich hat Herr Düster das Pensum bei uns entsprechend reduziert.» Dieses habe zuletzt 90 Prozent betragen. Neben dem Anstellungsverhältnis habe zu keiner Zeit ein gleichzeitiges Auftragsverhältnis mit Düster bestanden.

Firma kaum aktiv

Denn jetzt hat Düster gekündigt. «Ich arbeite seit 1. Mai als Angestellter einer Zürcher Geoinformationsfirma», bestätigt er. Die im Windschatten des Rathauses aufgebaute eigene Firma «kappasys» kam offenbar nie richtig zum Fliegen. Er betont auf Anfrage, dass er zur Zeit des Aufbaus von «kappasys» nicht mehr stv. Amtschef war. Und er tönt irgendwie erleichtert, dass seine Erfolgs- und später Leidensgeschichte beim Kanton jetzt zu Ende ist. - Oder nur fast? Zu seinem neuen Arbeitgeber in Zürich pflege der Kanton Geschäftsbeziehungen «im Rahmen der Regeln des Submissionsrechts.», sagt Albisetti.

Kantonsgeometer aus Thun

Der AGI-Chef muss übrigens noch eine weitere «Baustelle» in seinem Amt managen. Dort hat man nämlich seit der Pensionierung von Peter von Däniken auch keinen Mitarbeiter mit Geometerpatent mehr. Ein solches ist aber für die Leitung der amtlichen Vermessung zwingend vorgeschrieben. Peter Dütschler vom Thuner Vermessungsbüro Dütschler & Nägeli wurde im Auftragsverhältnis angestellt. Dieser Zustand werde voraussichtlich im Herbst zu Ende sein, versichert Albisetti. Denn der Leiter der amtlichen Vermessung (Stefan Ziegler) büffelt zurzeit intensiv für die eidgenössische Geometerprüfung.