Biberist

Ein Biberister «Industriedenkmal» für 30000 Franken

Fast wie ein Krimi verlief die Kunst-Rettungsaktion eines für den Kanton Solothurn wichtigen Gemäldes. Zuguterletzt landete das «Triptychon Papierfabrik Biberist» in den Händen von Stadt, Kanton und einer illustren Donatorenschar.

Beat Geier und Fränzi Rütti-Saner
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Anfang Mai kam Roswitha Schild, Kunsthistorikerin und frühere, langjährige Präsidentin des Kunstvereins Solothurn, die anstehende Versteigerung eines Gemäldes mit starkem Bezug zur Region zu Ohren. Sein Maler Hans Berger (1882–1977) war für Solothurn ein bedeutender Maler – auch dank dem Industriellen Oscar Miller (1862–1934), der ihn für seine Aufträge in die Region berief. Als aktive Beobachterin des Kunstmarktes hat Schild immer mal wieder mitverfolgen müssen, wie Gemälde und Zeichnungen Bergers an unbekannte Sammler gingen, was sie in diesem Fall unbedingt verhindern wollte.

«Dieses Bild musste im Kanton Solothurn bleiben.»

Denn mit diesem Bild hat es eine aussergewöhnliche Bewandtnis. Es handelt sich um ein Triptychon, eine aus drei Einzelgemälden bestehende Bildkomposition. Eine Besonderheit des Bildes besteht in der Darstellung von real existierender Personen aus dem Umfeld der Papierfabrik Biberist auf allen drei Teilbildern. Dieses Bild musste im Kanton Solothurn bleiben, war Schild überzeugt.

Die Zeit drängte, der Termin der Versteigerung war auf Mitte Mai angesetzt und Roswitha Schild versuchte mit viel Überzeugungswillen den zuständigen Instanzen, wie Amt für Kultur des Kantons Solothurn, Kunstmuseum Solothurn, Einwohnergemeinde Biberist und Stadtpräsidium Solothurn die Bedeutung des zur Disposition stehenden Zeitzeugen bewusst zu machen. Rund 30000 Franken mussten mindestens für die Ersteigerung des Bildes zusammengetrommelt werden, konnte Schild beim Auktionator erfahren.

Der Kanton als Steigerer?

Und so begann sie mit der Suche nach finanziellen Mitteln. Doch Ihr Enthusiasmus wurde zunächst arg gebremst. Beim Kunstmuseum wurde sie mit dem Verweis auf Platzmangel und die Geldfrage abgewiesen, beim Kanton wurde ihr beschieden, dass sich dessen Kunstsammlung ausschliesslich den Gegenwartskünstlern widme. Und Regierungsrat Peter Gomm meinte bei allem Verständnis: «Das geht natürlich nicht, dass der Kanton sich an Versteigerungen beteiligt.» Inzwischen war wertvolle Zeit verstrichen und die Zeit drängte.

Auch Fluri sicherte seine Unterstützung zu

Schliesslich konnte Schild auf dem Goodwill von Solothurns Stadtpräsidenten Kurt Fluri zählen. Er sicherte seine Unterstützung zu und damit begann auch die Suche nach weiteren privaten Donatoren Früchte zu tragen. So verzichteten beispielsweise langjährige Solothurner Kunstvereins-Vorstandsmitglieder auf ihr Abgangsgeschenk und spendeten einen Beitrag zugunsten des Bildes.

Das Bild gehört in diese Region

Inzwischen war der Vorabend der Versteigerung herangerückt. Roswitha Schild war bei allen erdenklichen Instanzen vorstellig geworden. Jetzt musste sich noch Caesar Eberlins Herz vom Amt für Kultur für das Bild erobern. Mit dem Versprechen sich zu beteiligen, wenn das enge finanzielle Korsett eingehalten würde, gab er der Kunsthistorikerin am Morgen des Auktionstages sein Plazet.

Das Bild bleibt der Region erhalten

Ihr Gebot war beim Auktionshaus platziert, und als sie sich nach der Auktion die Ergebnisse einzusehen traute, war klar: das Bild würde der Region erhalten bleiben – sie hatte den Zuschlag bekommen. «Dass sich kein anderer Sammler für das Bild interessierte, beweist, dass es wirklich hier her gehört», konstatiert Roswitha Schild und atmet auf: «Für dieses Bild bin ich zwei Wochen lang herumgeweibelt und konnte es schliesslich für die Region erhalten.» Sie freut sich auf die inzwischen breit abgestützte Trägerschaft der Kunstrettungsaktion. Und das Bild hängt nach wie vor im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Papierfabrik in Biberist.