Internationaler Museumstag

«Einen Ötzi werden wir im Kanton Solothurn leider nicht finden»

Pierre Harb ist Kantonsarchäologe. Das Faszinierende an der Archäologie im Kanton Solothurn ist für ihn, dass man hier die gleiche Vielfalt an Funden hat, wie sie in der ganzen Schweiz vorkommen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Pierre Harb Kantonsarchäologe auf einem neuen Grabungsplatz in Erschwil, der Ende Mai der Bevölkerung näher vorgestellt wird.

Pierre Harb Kantonsarchäologe auf einem neuen Grabungsplatz in Erschwil, der Ende Mai der Bevölkerung näher vorgestellt wird.

Fränzi Zwahlen-Saner

Alles was alt ist und aus dem Boden kommt, ist doch römisch». Diesem (Vor)-Urteil begegnet Kantonsarchäologe Pierre Harb immer wieder mal. Er lacht. «Römisch ist tatsächlich vieles, was im Kanton Solothurn bei archäologischen Untersuchungen zum Vorschein kommt, aber noch lange nicht alles». So hätten beispielsweise die beiden spektakulärsten Grabungen im vergangenen Jahr nichts mit Römern zu tun gehabt: Einmal die Grabung in Grenchen an der Schützengasse, das andere Mal an der Hauptstrasse in Stüsslingen.

Bei der ersten Grabung ging es um frühmittelalterliche Gräber, bei der zweiten um Siedlungsreste aus der Bronzezeit. «In Grenchen waren wir überrascht, wie viel noch zu finden war, obwohl die Fundstelle seit mehr als hundert Jahren bekannt ist», erklärt er. «In Stüsslingen hatte uns ein Aargauer Kollege eine neue Fundstelle gemeldet, die er auf dem Nachhauseweg in einer Baustelle entdeckt hatte.»

Der gebürtige Zürcher Harb hat 2006 das Amt des Kantonsarchäologen von seinem damaligen Chef Hanspeter Spycher übernommen. Er kam 1993 in den Kanton Solothurn, als Grabungsleiter bei den Ausgrabungen zum römischen Gutshof in Langendorf. «Schon wieder römisch», sagt Harb. Aber römisch ist nicht immer gleich römisch. «Wir unterscheiden im Kanton drei ‹Kochtopfregionen›, wie sie bei uns intern heissen.

Wie das Gebiet des heutigen Kantons Solothurn auf drei unterschiedliche Regionen ausgerichtet ist, war es auch bei den Römern. Im Norden des Kantons benutzte man die gleichen Kochtöpfe wie in Augusta Raurica, im Osten die gleichen wie in Vindonissa und im Westen die von Avenches. So finden wir im kleinen Kanton Solothurn genau die gleiche Vielfalt an Funden, wie sie in der ganzen Schweiz vorkommen.» Das sei auch das Faszinierende an der Archäologie des Kantons Solothurn: «Wir haben hier, bedingt durch die Geografie, die ganze Schweiz im Kleinen. Ohne den Alpenraum, selbstverständlich. Einen Ötzi werden wir im Kanton Solothurn leider nicht finden», schmunzelt Harb.

Immer mehr Grabungen

Im Kanton Solothurn gibt es jedes Jahr rund zwei grössere Grabungen, zählt er weiter auf. «Das war vor zwanzig Jahren anders. Da gab es durchschnittlich eine grosse Grabung in zwei Jahren». Dass das mit der grossen Bautätigkeit von heute zu tun hat, liege auf der Hand. Allerdings, so stellt der Kantonsarchäologe fest, stosse die Archäologie in der Bevölkerung heute auf viel mehr Verständnis und Resonanz als noch vor Jahren. «In den 50-er- und 60-er Jahren ist sehr vieles unwiederbringlich zerstört worden, weil einfach das Wissen und das Verständnis für die Vergangenheit fehlte», sagt er.

«Wir kennen heute im Kanton zahlreiche Fundorte. Auch Solche, die noch nicht ausgegraben wurden. Die Gemeinden sollten uns informieren, wenn ein Bauvorhaben auf einer bekannten geschützten Fundstelle ansteht. Manchmal tun dies auch die Landbesitzer. Zudem hat eine unserer Mitarbeiterinnen die Aufgabe, die Baupublikationen zu beobachten. So können wir uns jeweils rechtzeitig einschalten und Untersuchungen veranlassen.»

Schon wieder römisch

Genauso wie es derzeit in einer Grabung in Erschwil geschieht. Hier soll auf einer unbebauten Parzelle ein Neubau hinkommen. Dass man im Untergrund etwas finden könnte, war bekannt. So wurde die Kantonsarchäologie vom Landbesitzer frühzeitig avisiert und hat jetzt drei Monate Zeit, hier zu graben. Ein römisches Anwesen ist es wiederum. «Solche Grabungen verlangen viel Flexibilität – an Personal und finanziellen Mitteln», sagt Harb.

Glücklicherweise kann er einen Teil der nötigen Gelder über den kantonalen Lotteriefonds abrechnen. Graben, Auswerten, Publizieren und Inventarisieren – das sind die Disziplinen in der Archäologie und diese brauchen alle Geld. Harb weiss, dass er als Solothurner Kantonsarchäologe nicht der Einzige ist mit finanziell engem Korsett. In jedem Kanton ist das Geld für die Archäologie knapp. Pragmatismus ist gefragt: Gut erhaltene Fundstellen werden systematisch ausgegraben, schlechter erhaltene Fundstellen werden nur baubegleitend untersucht – und alles nur, wenn ein konkretes Bauprojekt eine Fundstelle zu vernichten droht. «Wir graben nicht einfach alles aus, was bekannt ist. Wäre dies der Fall, müssten wir noch mehr graben. Zudem müssten die aufgedeckten Überreste auch unterhalten werden.»

Freude hat Pierre Harb an der neuen Sonderausstellung im archäologischen Museum des Kantons Solothurn in Olten mit dem Titel «Wer is(s)t denn da?». «Nach 34 Jahren konnten wir, bedingt durch den Sanierungsbedarf der Räume, eine moderne, kurzweilige Ausstellung einrichten. Ich bin zuversichtlich, dass diese ab 2016 im Kanton auf ‹Wanderschaft› gehen kann, wenn in Olten das «Haus der Museen» eingerichtet wird und das Naturmuseum und das Historische Museum mit der Archäologischen Sammlung in einem Haus untergebracht werden – falls die Oltner Bevölkerung dazu Ja sagt.»

Internationaler Museumstag in 25 Häusern im Kanton Solothurn. Eintritt überall frei

REGION DORNECK/THIERSTEIN

Bunkerverein Kleinlützel «Tag der offenen Tür». Besuch der beiden Bunker. Grilladen und Getränke.

REGION GRENCHEN/LEBERN/BUCHEGGBERG

Sauriermuseum Bellach «Zeitreise und Workshop». Mit einer Zeitmaschine für die ganze Familie. Schloss Buchegg Kyburg-Buchegg «Acryl und Aquarell treffen Beton». Brigitte Siegenthaler, Bätterkinden zeigt Bilder. Künstler Archiv Grenchen: «Peter Travaglini und Grenchen». Das Künstler-Archiv zeigt eine Übersicht zum «Grenchner Werk» des Künstlers sowie Exponate aus der Sammlung des Kunsthauses und des Archivs.. Kultur-Historisches Museum Grenchen: «Familientraditionen». Kinderbastelworkshops, Kurzführungen, Filmvorführungen, Diskussionen. Kunsthaus Grenchen: «Bilderreiche Tradition – traditionsreiche Bilder» Am Morgen Rundgang voll Geschichte(n) durch die Ausstellung «Breite Palette», anschliessend «Kunst-Früh-Stück» (mit Anmeldung). Am Nachmittag Kinder-Kunst-Klub «Druckknöpfe» über die Kunst des Druckens. «Kunst-Pause» mit Kaffee & Kuchen im Foyer. Mazzini-Gedenkstätte Grenchen: «Giuseppe Mazzini’s Aufenthalt im Bachtelenbad 1835 – 1837».

REGION OLTEN/GÖSGEN

Dorfmuseum Lostorf: «Die aktuelle Kunstausstellung von Isabelle Althaus-Plüss aus Lostorf». Archäologisches Museum Kanton Solothurn in Olten: «Wer is(s)t denn da? 80 000 Jahre Essen und Trinken». Mit Führungen, Workshops, Degustationen und dem Urgeschichts-Cafeteria für die ganze Familie. Kunstmuseum Olten: «Skurrile Idyllen». Die idyllischen bis schrägen Bilder des «Malers und Holzfällers» Adolf Dietrich. Auf der Kirchgasse warten Staffeleien auf junge KünstlerInnen. Naturmuseum Olten: «Der Apfel», die mit Abstand beliebteste Frucht der Schweiz. Apfelküchleinbacken für Kinder im «Slow Mobil» und ein Theater rund um den Apfel. Historisches Museum Olten: «Lebendige Traditionen» Im Rahmen der Sonderausstellungen «Die Fotografie der Stadt Olten» und «Die Stadt Olten im Ersten Weltkrieg». Verschiedene Workshops. BALLYANA Sammlung Industriekultur, Schönenwerd: «Dampfmaschine, Bandwebstühle, Schuhproduktion». Vorführung der laufenden Produktionsmaschinen aus zwei Jahrhunderten und Führungen. Museum Paul Gugelmann Schönenwerd: «Paul Gugelmann und seine poetischen Maschinen».

REGION SOLOTHURN/WASSERAMT

Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Biberist: «Ausstellung Jürg Straumann – Variations Vallotton». Matinée um 11 Uhr. Der Kontrabassist Kaspar Wirz nimmt in einem musikalischen Programm Bezug zu den Vallotton – Variationen von Jürg Straumann. Schloss Waldegg Feldbrunnen-St. Niklaus/Museum Altes Zeughaus Solothurn/Museum Blumenstein Solothurn: «Lebendige Traditionen – Traditionelles Handwerk». Kinder- und Familienführungen, Workshops, Wettbewerb, gratis Shuttlebus zwischen den drei Häusern.. Kabinett für sentimentale Trivialliteratur Solothurn: «Jagdobjekte und Jagdbücher»: versch. Aktivitäten ab 14 Uhr. Kunstmuseum Solothurn: «Lebendige Tradition – Die Jagd». ab 13 Uhr. Um 13.30, 14.30, 15.30 Uhr für die ganze Familie ein Spurensuchspiel für schlaue Köpfe und gute Augen. Naturmuseum Solothurn: «Schaupräparation». .

REGION THAL/GÄU

Heimatmuseum Schloss Alt-Falkenstein Balsthal: «Sonderausstellung Entwicklung der Handfeuerwaffen» In der von Roll wurden auch Gewehrläufe hergestellt. Keramikmuseum Matzendorf: «Wertvoll oder Wertlos?». Beatrice Stettler vom Auktionshaus Stuker, Bern beurteilt und schätzt im Keramikmuseum Matzendorf von 10 – 17 Uhr die mitgebrachten Gläser, Geschirr- und Silberwaren. Museum HAARUNDKAMM Mümliswil: «Gehörnte Klänge» mit Hans Matt. Eine uralte Tradition ist das Musizieren auf Tierhörnern. Uhrenmuseum «uhrundzeit» Welschenrohr: «Wie tickt meine Uhr? Schätzungen und Expertisen». (frb)