Sonderschulen

Einheitliche Schulwege und Preise: Der Kanton passt seine Angebote an

Der Kanton Solothurn baut seine kantonalen Spezialangebote aus und um, laut einem Projektbericht ist die heutige Angebotslandschaft nämlich «nicht optimal». Nun sollen für alle Anbieter gleich lange Stricke gelten; alle Schülerinnen und Schüler gleiche Chancen haben.

Noëlle Karpf
Drucken
Teilen
Im Rahmen kantonaler Spezialangebote werden Kinder und Jugendliche mit Behinderung und Beeinträchtigung beschult.

Im Rahmen kantonaler Spezialangebote werden Kinder und Jugendliche mit Behinderung und Beeinträchtigung beschult.

KEYSTONE

Rund 1000 Kinder und Jugendliche im Kanton besuchen keine Regelschule, sondern werden im Rahmen eines «kantonalen Spezialangebotes» unterrichtet. Sie sind beispielsweise schwerst behindert und besuchen dauerhaft eines der kantonseigenen heilpädagogischen Schulzentren im Kanton(HPSZ in Solothurn, Breitenbach, Olten, Grenchen und Balsthal), oder sie haben eine leichte Verhaltensauffälligkeit und werden für ein oder zwei Jahre an einer private Institution unterrichtet, bevor sie (wieder) in die Regelschule gehen. Nur: Die Angebotslandschaft im Kanton ist nicht «optimal», heisst es in einem Bericht, mit dem sich der Regierungsrat kürzlich zu befassten hatte.

Ein Problem, das der Bericht zum Projekt «Optiso+» aufzeigt: Die unausgeglichene regionale Verteilung der Angebote. Für einige bedeutet diese «lange Transportwege» oder gar «erschwerte Elternkontakte», wenn sie ein Internat besuchen. Andreas Walter, Leiter Volksschulamt, erklärt: «Die Schulung behinderter Kinder geht im Wesentlichen auf die regional ausgerichtete Initiative privater Institutionen zurück, die mehrheitlich in der Region Solothurn und Dornach tätig waren und heute noch sind.» Umgekehrt gibt es zu wenig Plätze im Raum Olten-Gösgen-Gäu. «Hier besteht akuter Handlungsbedarf.» Eine Möglichkeit ist, Räume zuzumieten, so wie es das HPSZ in Olten vorhat.

Einheitliche Angebote – und einheitliche Preise

Laut Bericht geht man im Kanton von durchschnittlich 3.6 Prozent Schülerinnen und Schüler aus, welche kantonale Spezialangebote benötigen. Nebst den HPSZ oder privaten Internaten gehören auch zeitlich befristete Angebote dazu: Das «Spezialangebot Verhalten», welches die regionalen Kleinklassen ablöst, und die «Vorbereitungsklassen» für die Zeit vor obligatorischem Schulbeginn. Zusätzlich werden heute auch Kinder mit Sonderschulstatus unter direkter Betreuung durch die Sonderschulen an der Regelschule unterrichtet. Nach dem Gedanken, möglichst alle Kinder und Jugendliche in die Regelschule zu (re-)integrieren.

Egal ob zeitlich befristet oder dauerhaft, egal ob im Schwarzbubenland oder in Olten: Die Spezialangebote im Kanton sollen künftig auch gleich viel kosten. Trotz gleichem Förderbedarf kann heute die Beschulung – je nach Anbieter und Region – nämlich unterschiedlich viel kosten. Der Kanton teilt Kinder mit Sonderschulstatus künftig deshalb in drei Bedarfsstufen ein, wobei in der Stufe drei am meisten individuelle Betreuung benötigt wird, und führt ein einheitliches Pauschalmodell ein.

Die erwähnten Vereinheitlichungen soll ab 2022/23 eingeführt werden und gleich lange Spiesse für die Anbieter von Spezialangeboten mit sich bringen; gleichzeitig auch gleiche Wegzeiten und einheitliche Kosten auf Seite der Schülerinnen und Schüler.

Dann gibt es aber auch Kinder, die keinen Sonderschulstatus haben, aber zusätzliche Betreuung brauchen. So Kinder mit Asperger-Synrom. Damit diese nicht zwischen Stuhl und Bank fallen, plant der Kanton nun ein Beratungszentrum für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrums-Störung, die trotz dieser die Regelschule besuchen können. Gleiches gilt für den Bereich Logopädie: Auch hier ist ein zentrales Angebot geplant, für jene Kinder ohne Sonderschulstatus, die zusätzliche Hilfe brauchen.