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«Es ist toll wie ich mich auf die Natur verlassen kann»: Bei den Kirschbauern ist Hochsaison

Kirschenbauer Benjamin Meier hat während der Hochsaison alle Hände voll zu tun.

Tanja Graziano
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Kirschenbauer Benjamin Meier

Kirschenbauer Benjamin Meier

Tanja Graziano

Seit diesem Jahr leitet der 32-jährige Benjamin Meier den Brunnenhof in Metzerlen-Mariastein. «Mein Grossvater übergab den Betrieb schon an meinen Vater. Jetzt bin ich an der Reihe», sagt er. Die Übergabe sei fliessend gewesen. «Wir hatten eine Zeit lang eine Generationengemeinschaft. Dadurch konnte ich mich an meine Aufgabe gewöhnen», meint Meier. Zuvor hatte er die Ausbildung als Obstbauer sowie eine Weiterbildung im Bereich Agrotechnik gemacht. Seine Hauptaufgabe sei die Leitung des Verkaufes. «Ich bin verantwortlich dafür, die Kirschen richtig auf dem Markt zu platzieren.» Die Haupteinnahmequelle des Brunnenhofes sei der Obstbau. Darauf folgen der Ackerbau und der Direktverkauf. «Dies sind unsere drei Standbeine», erklärt Meier. Beim Obstbau hätten sie vor allem Tafelkirschen, Brennkirschen sowie Tafeläpfel und Mostäpfel.

Viel Unterstützung durch das Umfeld

Obwohl er den Hof nun alleine leite, habe er grosse Unterstützung. «Meine Mutter führt den Hofladen und kümmert sich um die Verpflegung der Mitarbeiter. Mein Vater ist noch zuständig für die Hochstammbäume», erzählt er. Manchmal gebe es mehr zum Pflücken, als sie geschätzt hatten. Dann würden Verwandte und Bekannte aushelfen. «Das meiste macht jedoch das Stammpersonal», meint er. Nebst seinen Eltern und seiner Lebenspartnerin würden im Sommer sechs Mitarbeiter mithelfen. «Unsere Mitarbeiter kommen aus Polen und der Slowakei.» Mit den Mitarbeitern auf dem Hof herrsche ein sehr familiäres Arbeitsklima.

Momentan ist Hauptsaison für den Brunnenhof. «Der Sommer ist bei uns mit Abstand die intensivste Zeit. Ich muss stets vor Ort sein, um den Überblick zu behalten», erzählt Meier. «Wir beginnen jeden Tag um viertel vor sechs mit der Ernte. Dann ist es kühl genug auf den Plantagen.» Da die Plantagen mit Regendächern und Plastikfolie bedeckt seien, werde es im Sommer schnell heiss. «Am Nachmittag wäre das Kirschenpflücken sehr unangenehm.» Sobald die erste Ladung gewonnen sei, bringe das Team sie auf den Hof. «Nach dem Frühstück sortieren wir die Kirschen für den Verkauf ab Hof. So haben unsere Kunden jeden Tag frische Kirschen.» Was danach geerntet werde, verkaufe er an die Landi. «Dort werden die Kirschen zentral sortiert, was uns viel Arbeitsaufwand spart.» Die Landi beliefere dann den Detailhandel.

Wie das Jahr zuvor scheine 2020 ein durchschnittliches Erntejahr zu werden. «Letztes Jahr haben wir Tafelkirschen und Brennkirschen zusammengerechnet etwa 55 Tonnen Kirschen geerntet.» Es gebe viele Dinge, die er für eine gute Ernte tun könne. «Eines der grössten Risiken beim Obstanbau ist sicherlich der Regen. Wenn es zu viel regnet, platzen die Früchte auf und werden unverkäuflich.» Dies verhindere er durch die Regendächer auf der Plantage, erklärt Meier. «Gleichzeitig haben wir ein Netz, welches die Vögel abhält. Gegen Hagel ist die Plantage auf diese Weise gut geschützt.»

Weniger Risiko bei Niederstammbäumen

Der Frost sei jedoch das Risiko, wogegen man fast nichts tun könne. Sogar mit Frostschutzkerzen würde die Temperatur lediglich um ungefähr zwei Grad steigen. Das Jahr 2017 sei deswegen ein sehr schwieriges Jahr gewesen. «Aufgrund des Frostes sind uns alle Früchte erfroren», erzählt Meier. «In diesem Jahr haben wir nur sechs Kilogramm Kirschen geerntet. Auch bei den Äpfeln hatten wir grosse Verluste.» Sogar die Hochstammbäume seien von einer Kältewand erfasst worden. «Diese sind sonst weniger empfindlich auf Frost.» Um zu sparen, hätten sie in diesem Jahr keine Arbeiter eingestellt. «Dadurch hatten wir genug Arbeit, aber das Einkommen hat gefehlt.» Seit neuem gebe es eine Versicherung gegen Frost. «Diese ist sehr teuer, aber lohnt sich», findet Meier. Ein weiteres Risiko sei die Essigfliege. «Sie ist das Hauptthema bei allen Kirschenproduzenten.» Die Netze rund um die Niederstammbäume würden sie abhalten. Bei Hochstammbäumen könne man fast nichts tun. «Sie ist unberechenbar. Im Moment befällt sie eher unsere Holundersträuche.» Bei der Ernte müsse immer die Entwicklung über mehrere Jahre betrachtet werden.

Bei der Qualität der Kirschen komme es auf verschiedene Kriterien an. «Je älter ein Baum ist, desto weicher sind die Früchte.» Vor allem komme es beim Geschmack aber auf die Kirschensorte an. «Die Kirschen, welche später in der Saison geerntet werden, sind die Geschmackvolleren», erzählt Meier.