Auf einen Kaffee mit...

Fasnachtsmuffel Dani Fohrler kann nichts mit dem Guggen-«Gewusel» anfangen

Viele Solothurner sind mit Herz und Seele bei der Fasnacht dabei, nicht aber der Fasnachtsmuffel Dani Fohrler. Mit Chesslete und Guggenmusik hat der Mitbegründer von Radio 32 nichts am Hut, auch wenn das in jüngeren Jahren noch anders aussah.

Theodor Eckert
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Hilfe Fasnacht. Radio- und TV-Moderator Dani Fohrlers Liebe zu Konfettiregen und wässrigen Mehlsuppen hält sich in Grenzen.

Hilfe Fasnacht. Radio- und TV-Moderator Dani Fohrlers Liebe zu Konfettiregen und wässrigen Mehlsuppen hält sich in Grenzen.

Hansjörg Sahli

Hilari war gestern, so richtig los mit den schönsten Tagen im Jahr geht es morgen Donnerstag. Zumindest für eingefleischte Solothurner Fasnächtler. Dann herrscht in Gassen und Beizen Ausnahmezustand, in Büros und Werkstätten Notstand - bis die erschöpften Närrinnen und Narren in den Normalmodus zurückgefunden haben.

Die meisten schaffen es zum Glück zügig und ohne bleibende Schäden ... wenn man mal davon absieht, dass es sich dabei um einen schlummernden Virus handelt, der im Folgejahr erneut ausbrechen wird.

Kein Fasnachtsfreund

Das Fasnachtsgeschehen wird die Berichterstattung in den kommenden Tagen dominieren. Da drängt sich in der Serie «Auf einen Kaffee mit ...» der neckische, farbige Kontrapunkt geradezu auf. Gesucht war der Fasnachtsmuffel.

Leichter gesagt als gefunden. Schier alle scheinen sich hier mit Begeisterung in die fünfte Jahreszeit zu stürzen und kaum jemand mag über seine Distanz zum närrischen Treiben berichten.

Dani Fohrler hat es getan. Frisch von der Leber, mit viel Humor und im Wissen, dass dabei haufenweise Fettnäpfchen lauern. Der gefragte TV- und Radiomoderator steht unter der Woche regelmässig in aller Herrgottsfrühe auf, um in die nationalen Studios zu pendeln.

Die Chesslete wäre für ihn keine Herausforderung. Zumindest zeitlich betrachtet. Was das andere anbelangt dagegen schon: «Das macht mich einfach nicht an, um diese Jahreszeit. Dick verpackt, im ständigen Kampf gegen Kälte oder Regen. Dann geht man irgendwo hinein, da herrscht ein Gedränge, der Schweiss läuft runter, grrrr.» Fohrler lacht, verzieht das Gesicht und lacht erneut.

Während einer wärmeren Jahreszeit im T-Shirt sähe das Ganze etwas anders aus. Dann schiebt er vielsagend nach: «Und meist herrscht während der Fasnacht noch Grippezeit, jetzt haben wir doch gerade so eine Welle. Nein, das muss nicht sein», ergänzt der Stadtsolothurner und outet sich als Hypochonder.

Würde denn so eine währschafte Mehlsuppe nicht ablenken? Jetzt kommt der Läufer (Ziel New York-Marathon) so richtig in Schwung. Ob ich denn während der Fasnacht schon je einmal eine richtig gute Mehlsuppe geschlürft habe.

Ha. Das mit der Suppe ginge ja vielleicht noch, aber dann die Konfetti. Wenn man Glück habe, seien sie trocken, andernfalls klebe der gesprenkelte Match von Kopf bis Fuss. In beiden Fällen würden sich die verflixten Dinger schliesslich zu Hause vorwitzig als ungebetene Gäste bis ins Schlafzimmer vorwagen.

Falsche Töne

Aber Hand aufs Herz, lieber Dani Fohrler, als Mitbegründer von Radio 32 müssten doch wenigstens die Klänge der Guggenmusiken positive Gefühle auslösen. Nochmals Fehlanzeige.

Mit viel Schalk im Gesicht kommt es spontan: «Der Rhythmus spricht mich eigentlich schon an, aber in Kombination mit den falschen Tönen, kann ich nicht mehr viel damit anfangen. Ich höre gerne und viel Musik, aber das Gewusel muss nicht sein.»

Der Ästhet, er achtet auf die Gesundheit, zieht Qualität der Quantität vor. Der 46-jährige Medienmann, obwohl ein geselliger Mensch, wird einmal mehr einen Bogen um die Fasnacht machen.

Die Einkäufe hat er getätigt. Vorräte angelegt, damit er nicht unnötig ausser Haus muss, solange Konfettiwerfer, schräge Töne und Viren an jeder Strassenecke lauern.

Er plaudert munter drauf los, schmunzelt und zieht schliesslich die Schultern ein, beim Gedanken an die zu erwartenden Prügel, die auf sein Bekenntnis folgen dürften.

Alles halb so schlimm

War die fohrlersche Fasnachts-Muffelei denn schon immer derart ausgeprägt? «Das scheint eine Alterserscheinung zu sein. In jungen Jahren habe ich auch zugeschlagen. Doch mit der Zeit ist mir die Lust vergangen.» Und dann erzählt er mit leuchtenden Augen von seinem fasnächtlichen Höhepunkt im Jahr 2000, dem würdigen Abschluss seiner Narrenaktivität.

Bei TV3 habe er damals die erste Schweizer Staffel von «Big-Brother» moderiert. Die Folge, eine Solothurner Zunft habe dies zum Sujet erhoben und liebevoll einen Wagen gestaltet.

Darauf turnten über 30 Fohrler-Masken herum. Er mitten drin, durfte während des Umzugs das Publikum unterhalten: «Eine Ehre und ein Riesenspass zugleich.»

Na, wer sagt's denn, alles halb so schlimm. Da sollte ihn vielleicht wieder mal jemand aus seiner Abstinenz herauslocken. «Ja, schon möglich.» Lacht herzhaft und verabschiedet sich.