Hochwasserschutz
Umweltverbände kontern: Ohne ökologische Aufwertung geht an der Dünnern gar nichts

Die Solothurner Umweltverbände reagieren empört auf die Forderung, es beim Hochwasserschutz im Gäu punkto Renaturierung bei einem Minimum bewenden zu lassen.

Urs Moser
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So kann es aussehen: Im Gebiet Altmatten zwischen Wangen und Olten wurde der Dünnernlauf renaturiert.

So kann es aussehen: Im Gebiet Altmatten zwischen Wangen und Olten wurde der Dünnernlauf renaturiert.

Patrick Lüthy

Wir haben an dieser Stelle darüber berichtet: Beide Varianten für das Hochwasserschutzprojekt mit Renaturierungsmassnahmen entlang der Dünnern im Gäu geraten unter Druck. Die Landwirtschaft will weniger Kulturlandverlust, fast die Hälfte der Mitglieder des Kantonsrats hat einen Vorstoss mitunterzeichnet, der eine neue «Minimalvariante» fordert.

Jetzt kontern die Umweltverbände. Man habe seine Forderungen zu ökologischen Aufwertungen mit Rücksicht auf die Landwirtschaft schon stark reduziert, eine noch mehr abgespeckte Variante sei «inakzeptabel». Das schreiben der WWF, BirdLife, der kantonale Fischereiverband und Pro Natura Solothurn in einer gemeinsamen Erklärung.

Ökologische Aufwertung zwingend

Eine ökologische Aufwertung an der Dünnern zwischen Oensingen und Olten sei dringend nötig und auch die Gäuer Bevölkerung habe eine natürlichere Dünnernlandschaft mit einem aufgewerteten Naherholungsgebiet verdient.

Es geht um die je zwei sogenannten «Hotspots Natur» und «Hotspots Erholung». An diesen Stellen ist vorgesehen, über die Vorgaben des Bundesrechts zu Renaturierungsmassnahmen bei Hochwasserschutzprojekten hinaus zu gehen.

In der äusseren Klus bei Oensingen und im Gebiet Grossmatt bei Hägendorf sollen Naherholungsgebiete zum Verweilen und Spielen entstehen. Im Raum Neumatten bei Niederbuchsiten und im Gebiet Chrummatt bei Wangen sollen Pflanzen und Tiere neue, möglichst ungestörte Lebensräume finden.

Kompromiss des Kompromisses

Der erwähnte Vorstoss im Kantonsrat fordert nun, auf diese «Hotspots» zu verzichten. Sie seien aber bereits ein «hart errungener Kompromiss», sagen die Umweltverbände. Sollten die Kompromissvarianten noch einmal abgespeckt werden, könne man nicht mehr hinter dem Hochwasserschutzprojekt stehen.

Implizit wird bereits angekündigt, es in diesem Fall mit allen Mitteln zu bekämpfen: Der politische Druck seitens der Landwirtschaft dürfe nicht zu einer weiteren Verzögerung führen, heisst es in einer Mitteilung.

Die Vorarbeiten für das Projekt laufen in der Tat bereits seit 2016, eigentlich hätte der Variantenentscheid noch 2021 fallen sollen. Die Umweltverbände rufen in Erinnerung, dass die nun vorliegenden Vorprojekte in zwei Varianten «in einem intensiven partizipativen Prozess» erarbeitet worden seien, in dem auch die Interessen der Landwirtschaft berücksichtigt wurden. Das Projekt verfolge durchaus «die Maxime der grösstmöglichen Schonung der Landwirtschaft».