Hyll/Swiss Shrimps
Wieso zwei hoffnungsvolle Start-ups Solothurn den Rücken kehrten

Hyll will die Skimiete revolutionieren, Swiss Shrimp nachhaltige Shrimps in der Schweiz züchten. Beide starteten in Solothurn, beide gingen.

Sébastian Lavoyer
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Hyll und Swiss Shrimp waren einmal im Kanton Solothurn angesiedelt.

Hyll und Swiss Shrimp waren einmal im Kanton Solothurn angesiedelt.

zvg/sar

Im Frühjahr 2020 kehrte die Hyll AG Solothurn den Rücken, so steht es im Handelsregister. Nun ist Hyll eines jener Start-ups, das mit seiner Idee, die Skimiete zu revolutionieren, zu diesen rund 300 Unternehmen jährlich gehört, die grosses Wachstumspotenzial haben. Erst 2019 wurde das Unternehmen gegründet, im Winter 2019/20 konnte man die App in Grindelwald testen. Die Pläne waren von Anfang an gross. «Diesen Winter sind wir eigentlich in allen grossen Schweizer Skigebieten vertreten», sagt Michael Koch, Gründer und Geschäftsführer von Hyll. Von Adelboden bis Zermatt.

In näherer Zukunft soll auch der Schritt ins grenznahe Ausland gemacht werden. Die Idee hat man dank der ersten Erfahrungen bereits modifiziert. Es geht nicht mehr nur darum, einfach und billig zu sein, sondern vor allem um Convenience. Darum kann man seit diesem Jahr nicht nur Ski, sondern auch Tickets gleich im Sportgeschäft abholen und muss sich nicht ein weiteres Mal in die Warteschlange einreihen.

Und es soll weitergehen. Koch: «Ab diesem Frühling wollen wir auch Bikes, Karts, Trottis und vieles mehr zur Miete anbieten und so rund ums Jahr ein Angebot haben.» Das dynamische Team um den Solothurner vermochte im November 2020 auch Roland Brack in der Start-up-Sendung «Die Höhle der Löwen» zu überzeugen. Der Gründer der Onlinehandelsplattform Brack.ch stieg als Investor ein.

Kein Entscheid gegen Solothurn

Warum kehrt man Solothurn den Rücken? «Es war keine Entscheidung gegen Solothurn, sondern für den Bernapark auf dem Gelände der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil», sagt Koch. In unmittelbarer Nähe der Stadt Bern tummelt sich dort rund ein Dutzend Jungunternehmen mit einem ähnlichen Technologiefokus.

Jedes Unternehmen hat seine eigenen Räumlichkeiten. Darüber hinaus gibt es offene Arbeitsplätze, Orte des Austauschs, Orte, wo wiederum Neues entstehen kann. Eingebettet ist das Ganze in eine Umgebung, die Wohnraum und Geschäftsliegenschaften vereint. «In Solothurn gibt es nichts Vergleichbares», sagt Koch.

Warum die Shrimps im Aargau gezüchtet werden

Anders präsentiert sich die Lage bei der Swiss Shrimp AG. Das Projekt nahm seine Anfänge in Solothurn, wo die beiden Gründer Rafael Waber und Michael Siragusa schon zusammen die Kantonsschule besuchten und die Idee einer Schweizer Shrimpszucht entstand. Man war in Solothurn auf der Suche nach einer Standortpartnerschaft.

Nach klaren Kriterien: Das Partnerunternehmen muss in einer stabilen Branche tätig sein. Es verfügt über eine konstant vorhandene thermische Energiequelle. Es braucht Zugang zu einer kommunalen Abwasserreinigungsanlage mit hoher Kapazität. Und es muss genügend Fläche verfügbar sein für einen allfälligen Ausbau.

«Wir haben im Grossraum Solothurn alles überprüft, wo wir eine Chance sahen»

, sagt Waber. Bei Kimberly-Clark in Niederbipp, Stahl Gerlafingen oder der Kehrichtverbrennungsanlage in Zuchwil. Fündig wurden sie letztlich im Kanton Aargau bei den Salinen in Rheinfelden, wo heute ihre Shrimpszucht steht.

Geschäftsführer Rafael Waber (rechts) und der Technische Geschäftsführer Michael Siragusa.

Geschäftsführer Rafael Waber (rechts) und der Technische Geschäftsführer Michael Siragusa.

Sandra Ardizzone / AGR
«Solothurn ist kein Magnet für Start-ups»

, sagt Waber. Neben den fehlenden technischen Hochschulen ist es für den Unternehmer vor allem ein Infrastrukturproblem. Logisch, auch in Solothurn gibt es eine Wirtschaftsförderung. Aber die ist auch Anlaufstelle für etablierte Unternehmen, die auf der Suche nach einem Standort sind. Zudem muss die Solothurner Wirtschaftsförderung im interkantonalen Vergleich mit wenig Geld auskommen.

Nicht auf dem Level der Nachbarkantone

Trotzdem mache der Kanton einen guten Job, so Waber. Die Lancierung des Gründerzentrums Kanton Solothurn (GZS) zeuge davon. Aber: «Natürlich bewegt man sich noch nicht auf demselben Level wie zum Beispiel der Kanton Aargau.» Er lobt die Arbeit des dort tätigen Hightech Zentrums in höchsten Tönen. Vom Kanton finanziert, immer wieder Bestandteil hitziger politischer Debatten, leiste es enorm wertvolle Arbeit. Solothurn machte mit der Gründung des GZS einen ersten Schritt in eine ähnliche Richtung.

Ein Business-Park soll folgen. Für Waber ist klar, dass solche Cluster Innovation begünstigen können. Aber es brauche einen klaren Fokus. Denn, nur weil man unter dem gleichen Dach wirtschaftet, entstehen noch keine Synergien.

«In Zug gibt es das Crypto Valley. Warum soll es in Solothurn nicht dereinst etwas Ähnliches für Medtech-Start-ups geben?»

, fragt er.