Bruder Klaus

In der Zentralbibliothek rang Niklaus von Flüe mit seinem Schicksal

Ein gut besuchter Themenabend in der Zentralbibliothek Solothurn über Niklaus von Flüe zeigte ihn von einer anderen Seite.

Angelica schorre
Drucken
Teilen
Autor Pirmin Meier erklärte das Leben und Wirken von Niklaus von Flüe aus heutiger Sicht.

Autor Pirmin Meier erklärte das Leben und Wirken von Niklaus von Flüe aus heutiger Sicht.

Hanspeter Bärtschi

Niklaus von Flüe (Bruder Klaus) und der Kanton Solothurn: brisante politische und «heilige» Verbindungen. Der Themenabend in der Zentralbibliothek Solothurn – im Rahmen des 600. Geburtstages von Bruder Klaus – stellte das Drama «Der heilige Held» (1936) des Schweizers Cäsar von Arx ins Zentrum. Die Werke von Cäsar von Arx, der 1949 in Niedererlinsbach starb, gehören zum Bestand der Bibliothek. Im Drama «Der heilige Held» wird Niklaus von Flüe nicht als «Vaterlandsheiliger» in Szene gesetzt, sondern als Mensch, der mit sich und seinem Schicksal ringt. Der historische Hintergrund dient als Bühne.

Der Literaturwissenschafter Reto Caluori, der an der Cäsar-von-Arx-Werkausgabe massgeblich mitwirkte, brachte dem Publikum das Drama näher, erläuterte die von den Schauspielern Giulietta Odermatt und Hanspeter Bader beeindruckend vorgetragenen Szenen. Als Beispiel der 5. Akt des Stückes, in dem Flüh dringend gebeten wird, an der Tagsatzung zu erscheinen. Ohne sein friedenstiftendes Wirken drohe der Untergang der Eidgenossenschaft. Niklaus gibt ihm einen Strick mit einem Knoten mit: Dieser soll dort gelöst werden. Und das geht nicht, wenn beide Parteien (Stadt- und Landorte) an jedem Ende ziehen. Historisch belegt ist, dass die Tagsatzung nach nur zwei Stunden eine Lösung fand; in der Folge wurden Solothurn und Freiburg in die Eidgenossenschaft aufgenommen.

Landammann Remo Ankli verwies in seinem Vortrag auf die Inszenierung der Stanser Tagsatzung von 1481 im Museum Altes Zeughaus Solothurn, in der der Eremit Niklaus «anwesend» ist. Ankli nannte Solothurn im 19. Jahrhundert einen kulturkämpferischen «Hotspot» und verwies auf die «frontenüberstrahlende» Figur des Niklaus von Flüe, dem zu Ehren damals Feiern abgehalten wurden.

Solothurnerinnen waren Zeugen

Und: Ohne zwei Solothurnerinnen keine Heiligsprechung. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die ausstehende Heiligsprechung von Niklaus von Flüe wieder Thema. Die für diese nötigen Wunder erfuhren 1939 Bertha Schürmann aus Egerkingen und 1937 Ida Jeker aus Büsserach durch die blosse Berührung von Niklaus von Flüe: Erstere wurde von einer Hirnlähmung, Letztere von Epilepsie geheilt. 1947 wurde der Eremit in Rom heiliggesprochen. Kenntnisreich zeichnete Pirmin Meier, Autor der literarischen Biografie «Ich Bruder Klaus von Flüe», am Themenabend ein Bild von Niklaus von Flüe als Friedensspender, Ehemann und Mystiker. Bruder Klaus ergriff nicht Partei, erteilte keine Ratschläge: «Ich bete für Euch, solange Ihr es gut meint.» So meinte jeder, Niklaus sei auf seiner Seite. «Alle beriefen sich auf Niklaus», sagte Meier. Eidgenossen, Habsburger, Mailänder, Zwingli...

Gelassenes Loslassen

Dezidiert machte der Autor klar, dass die populistische Annahme, Niklaus sei der Familie einfach davongelaufen und dies wäre heute ein Fall für die Kesb (Kindes- und Erwachsenenschutz), schlicht dumm sei. Ein verheirateter Eremit sei damals keine Seltenheit gewesen; die Ehefrau musste immer damit einverstanden sein. Er selber wisse von 15 historisch belegten, verheirateten Eremiten. Meier zitierte aus dem berühmten Gebet des Bruder Klaus: «Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.» Daraus spreche «gelassenes Loslassen». Niklaus von Flüe sei ein Katalysator des Friedens geworden aber eine geheimnisvolle Gestalt geblieben. Ein Heiliger der Eidgenossenschaft – und des Kantons Solothurn.

Verena Bider, Direktorin der Zentralbibliothek, erwähnte in ihren Dankesworten Alt Nationalrätin Ruth Grossenbacher, auf deren Initiative hin der Abend mit dem Fokus auf das Drama «Der heilige Held» von Cäsar von Arx zustande gekommen war.