Politische Diskussion

Keine weiteren «Schuldzuweisungen»: Kantonsrat will Fall William W. abschliessen

Der Kantonsrat diskutierte am Mittwoch noch einmal über den Untersuchungsbericht zu den Rückfällen des vorbestraften Kinderschänders William W. Damit sei nun aber genügend darüber gesprochen worden, so der Tenor der Mehrheit.

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(Fehlende) Transparenz war längere Zeit Thema im Fall William W. - heute ist der Kantonsrat mit dessen Aufarbeitung zufrieden.

(Fehlende) Transparenz war längere Zeit Thema im Fall William W. - heute ist der Kantonsrat mit dessen Aufarbeitung zufrieden.

Hanspeter Bärtschi

2018 wurde der mehrfach vorbestrafte Kinderschänder William W. in Olten rückfällig. Darauf folgte grosses Entsetzen. Und es gab harsche Kritik - am Justizsystem und den Behörden im Kanton. Laut Untersuchungsbericht zum Fall haben sich die Verantwortlichen zwar keine Fehler zu Schulden kommen lassen.

Mit dem Ergebnis des Berichts gaben sich aber nicht alle zufrieden. So etwa SVP-Kantonsrätin Stephanie Ritschard (Riedholz). Sie hatte zum Bericht - in welchen es übrigens erst Anfang 2020 breitere Einsicht gab, nachdem vom Kanton zuerst nur die Resultate der Untersuchung bekannt gemacht worden waren - noch einige Fragen nachgereicht und verlangt, dass das Thema nicht einfach vom politischen Parkett verschwindet.

«Täterschutz höher gewichtet als der Opferschutz»

So befasste der Kantonsrat am Mittwoch im Rahmen der Novembersession nun mit dem Traktandum «Bericht zur Administrativuntersuchung in Sachen William W.». Dies relativ kurz und knapp. Zwar äusserte sich Interpellantin Ritschard einmal mehr kritisch: «Ich bin immer noch der Meinung, dass im Kanton der Täterschutz höher gewichtet wird als der Opferschutz.» Es sei systematisch weggeschaut worden, die Taten hätten mit «gesundem Menschenverstand verhindert werden können».

Bei den restlichen Votantinnen und Votanten klang es aber anders. Für die SP erklärte Nadine Vögeli (Hägendorf): «Von Wegschauen kann keine Rede sein». Betont wurde zudem, so auch von FDP-Sprecherin Johanna Bartholdi (Egerkingen), dass man mit den Änderungen des Gesetzes über den Justizvollzug - diese hat der Kantonsrat vor einer Woche gutgeheissen - wichtige Gesetzeslücken schliesse, um künftig ähnliche Fälle zu verhindern. Und CVP-Kantonsrätin Karin Kissling (Wolfwil) ergänzte: «Auch wenn der Fall tragisch ist und es solche künftig unbedingt zu verhindern gibt, nützt es niemandem, wenn wir weiterhin Schuldzuweisungen machen.»

So schloss der Kantonsrat die Diskussion um den Fall, der schweizweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Juristisch abgeschlossen ist die Sache nicht. Der 46-jährige William W. wird sich noch vor Gericht verantworten müssen. (szr)