Kommentar
So kann man den Leistungsbonus gleich abschaffen

Christof Ramser
Christof Ramser
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Jährlich gibt es Millionen an Leistungsboni für Solothurner Staatsangestellte.

Jährlich gibt es Millionen an Leistungsboni für Solothurner Staatsangestellte.

Oliver Menge

Arbeitet auf der Verwaltung des Kantons Solothurn eigentlich nur die Elite? Diesen Eindruck kann erhalten, wer sich die Liste mit der Benotung der Staatsangestellten anschaut. 98 Prozent aller Mitarbeitenden erhalten mindestens das Prädikat «gut». Ein Grossteil arbeitet gemäss der Einschätzung ihrer Vorgesetzten sogar «sehr gut» und «ausgezeichnet».

Jeden Juni lässt das Personalamt des Solothurner Finanzdirektors Peter Hodel Millionen Franken Leistungsboni regnen. Für jeden Einzelnen und jede Einzelne sind das bis zu mehreren tausend Franken. Das ist mehr als ein schöner Ferienbatzen.

Dass der Kanton gleichzeitig nach Talenten und Fachkräften schreit, wirkt angesichts dieser Verteilung nach dem Giesskannenprinzip unglaubwürdig. Natürlich gehört zu einem attraktiven Job mehr als ein guter Lohn. Eine «Individualisierung» oder «Differenzierung» der Arbeitsresultate und des Verhaltens sieht aber definitiv anders aus.

Fast eine Beleidigung ist diese Praxis gegenüber jenen 61 Angestellten, die nur als «genügend» oder «ungenügend» eingestuft werden und leer ausgehen. Sie werden zu Statisten degradiert. Höchste Zeit, dass das solothurnische Personalamt das jahrzehntealte Gehaltssystem entstaubt. Wenn Lohnzulagen zum Automatismus werden, kann man sie auch gleich abschaffen und die Mitarbeitenden stattdessen kollektiv belohnen. Das wäre aufrichtiger.

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