Gerichtsfall

Messerstecher hat in einem Notwehrexzess gehandelt: Obergericht spricht Urteil aus

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Obergericht in Solothurn spricht das Urteil gegen den Türken aus.

Obergericht in Solothurn spricht das Urteil gegen den Türken aus.

Kanton Solothurn

Der Türke Can B.*, der 2014 in Solothurn einen Ägypter mit einem Messer am Hals verletzte, wurde vom Obergericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu zwei Jahren bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren verurteilt. Die Vorinstanz hatte fünf Jahre Haft bestimmt. Can wollte wegen für 100 Franken bezahlten, nicht erhaltenen Drogen Marik K.* zur Rede stellen, den vermeintlichen Dealer bzw. dessen Kollegen (wir berichteten). Das Gericht mit Daniel Kiefer, Hans-Peter Marti und Lisa Lamanna fand Cans Aussagen glaubwürdiger. Marik habe Can zuerst eine Kopfnuss gegeben, Can habe sich mit dem Messer wehren wollen. Dies sei unverhältnismässig, darum liege ein Notwehrexzess vor.

Die Notwehr sei in der Vorinstanz zu wenig berücksichtigt worden. Dass nichts Schlimmeres geschah, sei dem Zufall zu verdanken. Can habe die Tat nicht geplant. Es habe keine Todesgefahr bestanden, der Beweiswert der psychischen Folgen gering. Can sei nicht vorbestraft und gesundheitlich angeschlagen. Auch sei die Verfahrensdauer zu lang gewesen, befand das Gericht. Can ist nur noch zur Hälfte schadensersatzpflichtig.

Die Genugtuung bleibt bei 5000 Franken. Can muss eine ambulante Psychotherapie machen und erhält einen Beistand. Vier Polizeipersonen bewachten die Urteilseröffnung, nachdem Marik laut dem Verteidiger an der Verhandlung Todesdrohungen gegen Can und ihn ausgesprochen hatte. Doch Marik erschien nicht. (oms)

*Namen geändert