Nach hin und her
Stand-Up-Paddeln auf der Aare: Kantonsrat will ein Konzept für Nebeneinander von Naturschutz und Freizeitnutzung

Stand Up Paddeln im Gebiet der Vogelreservate bei Solothurn ist wieder erlaubt. Der Auftrag für ein Konzept zur «natur- und umweltverträglichen Freizeitgestaltung auf der Aare» ist damit nicht vom Tisch.

Urs Moser
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Die Regeln zum Stand Up Paddeln auf der Aare sorgten für einige Verwirrung.

Die Regeln zum Stand Up Paddeln auf der Aare sorgten für einige Verwirrung.

Sandra Ardizzone

Zwischen Lüsslingen und Solothurn und zwischen Feldbrunnen und Flumenthal liegen zwei Wasser- und Zugvogelreservate von nationaler Bedeutung. Zuerst hiess es, der Kanton habe deshalb gar keine andere Wahl, als das Stand-Up-Paddeln auf diesen Aareabschnitten zu verbieten. Dann sorgte eine als Kompromiss präsentierte Lösung mehr für Lacher als zu überzeugen: Paddeln erlaubt, aber nur im Sitzen oder Knien, der Kanton erfand das «Sit Down Paddling».

Schliesslich dann ein Gutachten der Vogelwarte Sempach: Die Reservate haben wohl eine grosse Bedeutung als Rast- und Überwinterungsplatz für verschiedene Wasservogelarten, im Sommerhalbjahr kann Stand-Up-Paddeln aber wieder erlaubt werden.

Es soll ein Konzept für Natur und Freizeit her

Somit hätte man einen überparteilichen Auftrag für eine «natur- und umweltverträgliche Freizeitgestaltung» auf der Aare eigentlich auch als erledigt betrachten können. Er blieb aber auf der Traktandenliste und der Kantonsrat hat ihn am Mittwoch auch mit deutlicher Mehrheit erheblich erklärt.

Denn der Auftrag verlangt ein Schutz- und Nutzungskonzept, wie entlang der sensiblen Aareabschnitte die Ansprüche von Naturschutz und Freizeitnutzung dauerhaft in Einklang gebracht werden sollen.

Martin Rufer, FDP-Kantonsrat.

Martin Rufer, FDP-Kantonsrat.

Tom Ulrich

Die Auseinandersetzung um das Stand-Up-Paddeln hätten gezeigt, dass man diesbezüglich doch «ziemlich orientierungslos hin und her ruderte», wie Martin Rufer (FDP, Lüsslingen) als Sprecher der Kommission für Umwelt, Bau und Wirtschaft erklärte. Der Vorstoss bleibe deshalb im Hinblick auf die Arbeiten an einer neuen kantonalen «Nutzungsplanung Aare» relevant.

Kritik an fehlendem Plan

Diesbezüglich musste sich die Regierung erneut Kritik anhören. Gerade der Abschnitt Feldbrunnen-Flumenthal befinde sich in einer Wachstumsregion mit zunehmender Freizeitnutzung (Stichwort Attisholz-Areal), da seien Zielkonflikte programmiert und es gebe bis heute keinen Plan, wie die Anliegen von Naturschutz und Agglomerationsentwicklung vereinbart werden sollen und können, so Thomas Lüthi (GLP, Hägendorf). Man rufe dazu auf, diesem Prozess nun hohe Priorität einzuräumen.